Die Inflation ist zurück

Alles wird teurer: 1,9 Prozent – das ist die höchste Inflationsrate in Europa seit April 2017. Foto: Urs Jaudas

Lange gab es in der Schweiz eine Minus-Teuerung. Alles wurde immer billiger – ausser natürlich die Krankenkassen. Doch seit einigen Monaten steigt auch bei uns die Teuerung. Muss man als Anleger schon reagieren? G.K.

Ja. Die Teuerung ist zurück. Offensichtlich ist dies in Europa. Im Monat Mai erlebten wir in der Eurozone die stärkste Inflation seit mehr als einem Jahr. Laut dem Statistikamt Eurostat sind die Verbraucherpreise im Mai um 1,9 Prozent zum entsprechenden Vorjahresmonat gestiegen.

Das ist die höchste Inflationsrate seit April 2017. Mit einer Inflationsrate von 1,9 Prozent bewegt sich die Teuerung in Richtung des Zielbereichs der Europäischen Zentralbank, welche auf 2 Prozent liegt.

Vor diesem Hintergrund haben die europäischen Notenbanker kürzlich beschlossen, ihre billionenschweren Anleihenaufkäufe bis Ende dieses Jahres zu beenden. Dass sie dennoch nicht den Mut hatten, schon eine Zinserhöhung anzukünden, hat stark mit den Problemen in Italien zu tun.

Schuldenländern wie Italien müssten bei steigenden Zinsen deutlich mehr für ihren Schuldendienst leisten und könnten gar in Schieflage geraten. Daher hat die EZB signalisiert, dass die Zinsen bis mindestens Ende Sommer 2019 tief bleiben, zumal die Notenbanker den Aufschwung in Europa auf keinen Fall abwürgen möchten.

Etwas relativiert wird die gestiegene Inflation in der Eurozone durch die Tatsache, dass der deutlich stärkere Preisauftrieb im Mai laut Eurostat in erster Linie durch den kräftigen Anstieg der Energiepreise erklärbar ist, welche über 6 Prozent anzogen. Sollten die Energiepreise wieder nachgeben, würde das auch den Teuerungsanstieg etwas abschwächen.

Inflation ist Gift für den Sparbatzen

Man kann es aber drehen und wenden wie man will: Die Inflation ist wieder ein Thema und zeigt nach oben. Auch die Europäische Zentralbank hat ihre Inflationsprognose für dieses und das kommende Jahr angehoben und erwartet einen Anstieg der Verbraucherpreise im Euroraum in diesem Jahr und im 2019 um jeweils 1,7 Prozent.

In der Schweiz ist die Teuerung zwar schwächer – die Zeiten von Null- oder sogar Minusteuerung sind aber definitiv vorbei – auch bei uns. Vor diesem Hintergrund bin ich der Auffassung, dass man als Investor die anziehende Teuerung mitberücksichtigen sollte. Denn Inflation ist Gift für den Sparbatzen.

Mit steigender Teuerung verliert das Ersparte stetig an Wert. Darum muss man zumindest eine Rendite auf dem Ersparten erreichen, welche die Teuerung sowie die Gebühren übersteigt, was auf dem Sparkonto nicht möglich ist. Ansonsten verliert man Geld.

Schutz gegen eine leichte Teuerung bieten Aktien, solange die Unternehmensgewinne sprudeln und die Dividenden grosszügig ausgeschüttet werden. Inflationsschutz bieten auch Immobilien, wobei hier bei später steigenden Zinsen mit Preisrückschlägen zu rechnen ist.

Einen hohen Inflationsschutz bieten Edelmetalle wie Gold und Silber. Je mehr die Teuerung anzieht, desto eher würde ich ein breit diversifiziertes Depot mit einem kleinen Goldanteil abrunden.