Vontobel: Den hohen Zins gibt es nicht umsonst

Solide aufgestellt: Die Bank Vontobel erwartet bis Ende 2018 eine Kernkapitalquote von 12,2 Prozent. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Ich habe gesehen, dass die renommierte Bank Vontobel eine Anleihe mit einem Zins von 2,625 Prozent herausgegeben hat, und überlege mir, da einzusteigen. Das ist doch ein schöner Zins. Wie sicher ist die Anleihe? A.H.

Die Bank Vontobel nimmt mit dieser Additional-Tier-1-Anleihe 450 Millionen Franken am Kapitalmarkt auf, um in erster Linie die kürzlich angekündigte Übernahme der Privatbank Notenstein La Roche, welche sie von der Raiffeisen-Gruppe erworben hat, zu finanzieren. Die Übernahme kostet Vontobel rund 700 Millionen Franken. Notenstein La Roche bringt betreute Kundenvermögen, inklusive Geldern von externen Vermögensverwaltern, von knapp 17 Milliarden Franken ein. Damit kann Vontobel die betreuten Kundenvermögen in der Vermögensverwaltung um rund 30 Prozent auf 72,6 Milliarden erhöhen.

Den Kaufpreis von 700 Millionen Franken kann Vontobel aber nicht alleine stemmen. Darum wurde die Bank nun mit dieser Additional-Tier-1-Anleihe (AT1) am Schweizer Kapitalmarkt aktiv. Laut Angaben der Bank geht die Gesamtkapitalquote von Vontobel von bisher 18,4 auf 17,7 Prozent zurück. Bei der Obligation handelt es sich um eine nachrangige, eigenkapitalbezogene AT1-Anleihe ohne feste Laufzeit. Der Coupon wird anhand des Fünf-Jahre-Swapsatzes zuzüglich einer Marge festgelegt und kann nach 5-1/3 Jahren von Vontobel zurückbezahlt werden.

Für Sie als möglichen Besitzer der Anleihe entscheidend ist der Hinweis, dass es sich um eine nachrangige Anleihe handelt. Dies bedeutet, dass Sie im Fall eines Konkurses des Emittenten – also in diesem Fall der Bank Vontobel – sehr schlecht geschützt wären. Ihre Forderungen als Inhaber der nachrangigen Anleihe wären im Konkursfall hinter jenen aller übrigen Gläubiger. Im Klartext: Im Konkursfall müssten Sie Ihr Geld abschreiben. Denn würde das regulatorische Eigenkapital Core Tier 1 unter die Schwelle von sieben Prozent fallen, werde die Anleihe abgeschrieben, heisst es bei der Bank. Damit ist aus meiner Sicht aber aufgrund der heute bekannten Informationen nicht zu rechnen. Vontobel ist solid aufgestellt und erwartet bis Ende 2018 eine Kernkapitalquote von 12,2 Prozent.

Auch operativ ist Vontobel erfolgreich. Anders als verschiedene Schweizer Institute – darunter auch Grossbanken – hat Vontobel in den letzten 15 Jahren nie Verluste geschrieben und sich stetig weiterentwickelt. Unter der Führung von CEO Zeno Staub ist die Vontobel-Gruppe erfolgreich unterwegs, verfolgt eine gut nachvollziehbare Strategie und ist auf einem kontinuierlichem Wachstumskurs, der mit der Übernahme der zur Gruppe passenden Notenstein La Roche unterstrichen wird. Die Ratingagentur Moody’s stuft Vontobel mit einem guten «A3 stable»-Rating ein.

Die Bank Vontobel betrachte ich als sicher, die Additional-Tier-1-Anleihe weist aber aufgrund der Tatsache, dass sie nachrangig ist, ein erhöhtes Risiko auf. Dafür erhalten Sie den im Vergleich zu anderen Frankenanleihen deutlich höheren Coupon von 2,625 Prozent. Mehr Rendite gibt es eben nicht gratis. Wenn Sie höchste Sicherheit suchen, rate ich Ihnen von der Anleihe ab. Wenn Sie aber die beschriebenen Risiken tragen können, macht ein Kauf der Anleihe als Depotbeimischung durchaus Sinn.

1 Kommentar zu «Vontobel: Den hohen Zins gibt es nicht umsonst»

  • M. Vetterli sagt:

    Nachranganleihen von Vontobel ergeben zur Ergänzung des Depots Sinn.
    Das Rating AA3 für langfristanlagen entspricht demjenigem von Raiffeisen. Bei Raiffeisen werden die Aussichten allerdings mit “negativ” beurteilt.
    Hervorzuheben ist, dass Vontobel in die risikoreiche Immobilienfinanzierung kaum involviert ist. Sollte der Schweizer Immobilienbereich der hiesigen Finanzbranche Erschütterungen zufügen, wird Vontobel hiervon nur am Rande betroffen sein.

    Eine Höherverzinsung dieser Anleihen ist einleuchtend. Nicht einleuchtend ist, dass die nichtprivilegierten Einlagen (über 100’000) welche doch auch einem höheren Verlustrisiko ausgesetzt sind, bei der Verzinsung nicht bevorzugt werden.
    Hier müssen die Bankkunden reagieren und, vor allem bei Ratingsenkungen, einen Zinszuschlag einfordern

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