Schindler kennt nur eine Richtung: Aufwärts

Schindler-Lift im Kultur- und Kongresszentrum Luzern: Auch in China sind die Luzerner auf der Aufholjagd. Foto: Alexandra Wey/Keystone

Es gibt Unternehmen, die einfach einen guten Lauf haben. Zu ihnen zähle ich Schindler. Der Luzerner Aufzugs- und Fahrtreppenkonzern verfügt global über eine gefestigte Position in den Top 3, die ihm die nächstgrösseren ThyssenKrupp und die japanischen Konkurrenten kaum streitig machen werden. Zuversichtlich stimmt mich auch, dass Schindler seine vergleichsweise schwache Marktstellung in China in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. Gemäss einer aktuellen Studie von Barclays ist das Unternehmen auf Rang vier vorgerückt, der dritte Platz ist in Reichweite. Die Aufholjagd in China war mit hohen Investitionen und knapperen Margen verbunden. Doch seit mehreren Quartalen geht der Margentrend, im Unterschied zu dem von Marktführer Otis und dem finnischen Konkurrenten Kone, nach oben. Das hat mit vorteilhafteren Währungsverhältnissen zu tun, aber auch mit der Strategie Schindlers, das Angebot zu straffen und durch Module flexibler zu gestalten. In Aktienmärkten, die vermutlich vor unruhigeren Zeiten stehen, sind die Titel genau das Richtige. Das Geschäft ist durch den hohen Serviceanteil wenig zyklisch, und die sehr robuste Bilanz lässt einen ruhig schlafen. Kaufen

Nur noch Nischen

Der Pharmakonzern Roche wird bei biologischen Krebsmedikamenten der neueren Generation künftig wohl nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist deutlich geworden, als die Basler auf dem weltweit wichtigsten Krebskongress Asco in Chicago zwar positive Studienergebnisse vorgelegt haben. Die waren aber nicht so gut, dass sie einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz gezeigt hätten, wie Mediziner und Analysten in den Tagen nach Konferenzende ein­hellig festhielten. Wie es aussieht, wird der US-Konzern Merck & Co. sein Medikament Keytruda wohl als Standard etablieren, wenn es um die wichtige Behandlung von Lungenkrebs mit der Krebsimmuntherapie geht. Dabei wird das menschliche Immunsystem so weit stimuliert, dass es selbstständig bösartige Tumore bekämpft. Bereits heute hat Merck im Verkauf dieser neuartigen Wirkstoffe einen grossen Vorsprung. Jetzt bleiben dem Schweizer Konzern auf diesem Gebiet nur noch Nischen und die vage Hoffnung, in der nächsten Welle der Krebsimmuntherapie zu punkten, wenn es darum geht, die Medikamente stärker individuell anzupassen. Für den Marktführer bei biologischen Krebs­medikamenten ist das ein herber Rückschlag. Viele Anleger hatten das aber bereits geahnt, denn der Kurs der Genussscheine gab innerhalb eines Jahres fast 17 Prozent nach, während der Schweizer Leitindex SMI nur 4 Prozent verlor. Gut möglich also, dass der Kurs diesen Rückschlag bereits komplett spiegelt. Noch ist aber nicht sicher, wie gut Roche den Markteintritt von biologischen Nachahmerprodukten für seine wichtigsten Umsatzbringer verkraftet. Abwarten

Keine Technologieperle

Die Freude der Anleger am Börsenneuling ist definitiv verflogen. Seit die ehemalige Besitzerin, die kriselnde Toshiba, Landis+Gyr im Juli 2017 an die Börse brachte, haben die Aktien gemessen am Ausgabepreis von 78 Franken 15 Prozent an Wert verloren. Langsam wird klar: Der Anbieter von Stromzählern hat nicht viel mit der Technologieperle zu tun, als die sie die Investmentbanker angepriesen hatten. In Europa kann Landis wegen Engpässen bei Zulieferern nicht wie gewünscht ausliefern, in Japan bringt ein wichtiges Projekt immer weniger ein. Geld verdient der Zuger Traditionskonzern derzeit nur in den USA. Zudem belasten Garantieansprüche den Gewinn. Die Verbreitung von smarten Stromnetzen, von dem sich Landis einen Wachstumsschub erhofft, kommt nur zögerlich voran. Da ist die aktuelle Dividendenrendite von 3,5 Prozent ein schwacher Trost. Anleger sollten die Finger von den Papieren lassen. Meiden

Ikone ohne Kunden

Gefällt Donald Trump «Easy Rider»? Ich glaube nicht, vermutlich kennt der US-Präsident den Kultfilm gar nicht. Und wenn doch, vielleicht hat er ja deshalb Zölle auf Stahl eingeführt, um Harley-Davidson zu schaden, weil ihm Wyatt und Billy einfach zuwider sind? Na ja, die Fantasie geht mit mir durch. Fakt ist, Harley-Davidson hat derzeit ein Problem, genauer deren zwei. Das eine ist strukturell, das andere neu. Zuerst zum neuen: Trumps Importzölle verteuern Stahl, was den Gewinn des Bike-Herstellers schmälert. Zudem sind Harleys eine US-Ikone. Darum hat die EU als Gegenmassnahme Importzölle auf Harleys angedroht. Für den Motorradhersteller wäre das ein herber Schlag; das internationale Geschäft ist überlebenswichtig, denn selbst Amerikaner kaufen immer weniger Motorräder. Das ist das strukturelle Problem. In dreizehn der vergangenen vierzehn Quartalen war der US-Umsatz rückläufig. Harley-Davidson ist zwar eine Ikone, aber genau wie der Marlboro-Mann lockt sie keine Kunden mehr an. Darum gilt für die Aktien. Meiden

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