Soll ich meinem Berater zur neuen Bank folgen?

Prioritäten: Das Vertrauensverhältnis zum langjährigen Betreuer kann wichtiger sein als die Geschäftsbeziehung zur Bank. Foto: Getty Images

Meine Frau und ich arbeiten selbstständig. Wir sind sehr vorsichtige Anleger. Kleine Rendite, kleines Risiko. Es würde sicherlich etwas mehr vertragen diesbezüglich! Wir haben je ein Konto bei einer Privatbank. Gibt es gute Gründe zur jungen Privatbank Zähringer in Bern zu wechseln? T.O.

Wenn Sie Ihre Bank wechseln, sind bei der Entscheidungsfindung zwei Faktoren besonders wichtig: Die Expertise Ihrer künftigen Bank und deren Mitarbeitenden sowie das Vertrauensverhältnis zu Ihren Kundenberatern.

Wie ich Ihren weiteren Angaben entnehme, werden Sie bei Ihrer heutigen Bank schon seit mehreren Jahrzehnten vom gleichen Berater betreut und haben grosses Vertrauen in ihn. Offenbar wechselt dieser nun zur Bank Zähringer. Allein dieses Vertrauensverhältnis kann durchaus dafür sprechen, dass Sie ebenfalls wechseln und eine neue Bankbeziehung aufbauen. Er kennt Ihre Geschichte, Ihre Bedürfnisse und Ihre Zielsetzungen mit dem Kapital.

Allerdings stellen Sie in Ihrer Frage fest, dass es punkto Rendite und Risiko «etwas mehr vertragen» würde. Das hat auch einen kritischen Unterton. Daher müssen Sie sich fragen, ob Sie zusammen mit Ihrem bisherigen Berater bei der neuen Bank besser bedient sind oder ob Sie allenfalls auch bei Ihrer bisherigen Bank mit einem neuen Berater mehr erreichen könnten. Das hängt natürlich von Ihrer Anlagestrategie ab.

Da Sie nur sehr konservativ investieren möchten, halten sich die Renditechancen angesichts der rekordtiefen Zinsen und der bescheidenen Renditen bei sehr sicheren Frankenanleihen und ähnlichen Anlagen allerdings in Grenzen. Vergleichen sollten Sie auch die Gebühren, welche Sie für eine vergleichbare Betreuung bei den verschiedenen Banken bezahlen. Denn dies geht letztlich Ihrer Rendite ab und schmälert diese zusätzlich.

Die von Ihnen erwähnte Bank Zähringer wurde vor knapp drei Jahren vom Banker Martin Schenk gegründet. Er leitete früher den Sitz von Notenstein in Bern und hat sich dann mit Kollegen selbstständig gemacht.

Interessant an der Bank Zähringer ist, dass sie eine eigentümergeführte Bank ist. Die Mitarbeitenden, welche teilweise ebenfalls von Notenstein kommen, sind an der Bank beteiligt und haben einen direkten Anreiz, dass das Institut, welches sich auf die Vermögensverwaltung konzentriert, erfolgreich und risikoarm arbeitet. Hauptzielgruppe der Bank sind Unternehmer und selbstständig Erwerbende wie Sie. Auch die Verwaltung von Vorsorgegeldern aus der 2. Säule hat bei der Bank einen hohen Stellenwert, was Ihren Bedürfnissen ebenfalls entgegenkommen dürfte.

Allerdings dürfen Sie sich keine Illusionen machen: Wie alle anderen Institute kocht auch diese Bank mit Wasser. Umso wichtiger ist die Frage des Vertrauens. Die Wahl eines Vermögensverwalters und einer Bank ist für mich zu einem grossen Teil Vertrauenssache.

Dass die Expertise vorhanden ist, dürfen Sie voraussetzen und können Sie überprüfen. Das Vertrauen in eine Bank und insbesondere in Ihren persönlichen Berater muss indes während längerer Zeit aufgebaut werden. Sie müssen abschätzen, ob Ihnen die bisherige Beziehung zur Bank wichtiger ist oder das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Berater.

Wenn für Sie das Vertrauensverhältnis zu Ihrem langjährigen Betreuer höhere Priorität hat, sehe ich keinen Grund, warum Sie nicht mit ihm zur neuen Bank wechseln könnten. Punkto Sicherheit ist es so, dass Sie bei jeder Bank vom gesetzlichen Einlageschutz von 100’000 Franken pro Kunde profitieren.

Aber ganz egal bei welcher Bank Sie sind: Sie sollten ohnehin nicht zu viel liquide Mittel einfach auf einem Bankkonto liegen lassen, sondern das Kapital in Wertschriften wie Anleihen, Aktien oder Fonds investieren. Und diese verbleiben selbst bei einem Krisenfall der Bank immer in Ihrem Besitz.   

1 Kommentar zu «Soll ich meinem Berater zur neuen Bank folgen?»

  • OG sagt:

    Der Satz „Punkto Sicherheit ist es so, dass Sie bei jeder Bank vom gesetzlichen Einlageschutz von 100’000 Franken pro Kunde profitieren.“ ist nicht zutreffend: Der Einlageschutz greift bei den 10 grössten Banken der Schweiz nicht, da diese zuviele Kunden haben, die Einlagesicherung als Ganze aber beschränkt ist.
    Das ist eigentlich ein Grund, kleine Banken zu bevorzugen – andererseits müssen grosse Banken de facto vom Staat gerettet werden.

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