Logitech hebt mit Gaming und Videokonferenzen ab

Logitech: Die Aktien notieren nahe am Allzeithoch. Foto: iStockphoto

Die Zeiten, in denen es am Aktienmarkt für Technologiewerte automatisch nach oben ging, sind ­vorbei. Seit Anfang Jahr nehmen Kursschwankungen zu, die Unsicherheit wächst. Logitech, die Herstellerin von Unterhaltungselektronik, lässt das kalt. Die Aktien notieren mit rund 40 Franken nahe am Allzeithoch. Der verstaubte Anbieter grauer PC-Tastaturen und -Mäuse hat sich zu einer Life­stylemarke gewandelt. Logitech versteht es, Produkte zu entwickeln, die auch Millennials gefallen: kabellose Boxen und Lautsprecher, Kopfhörer, Gamingzubehör. Besonders die Accessoires für Gamingfans sind der Renner, und der Markt für Videospiele boomt auf der ganzen Welt. Ein Ende ist nicht abzusehen. In diesem Wachstumstempo dürfte Gaming zum wichtigsten Umsatzbringer für Logitech werden. Gut läuft zudem das Geschäft mit Videokonferenzen, wenn auch ruhiger, da Unternehmenskunden weniger zyklisch agieren als Privatkunden. Obschon die Aktien Börsenlieblinge sind, bewegt sich die Bewertung angesichts des Potenzials in einem absolut vertretbaren Rahmen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr beträgt 22. Kaufen

Dynamische Branche

Logitech ist nicht die einzige Aktie im Schweizer Universum, die nahe ihrem Allzeithoch notiert. Unter anderem trifft das auch auf Interroll zu. «Wir mögen das Geschäftsmodell, aber nicht die Bewertung», schrieb Anfang Woche ein Finanzanalyst der Credit Suisse. Das sehe ich auch so. Das Unternehmen ist in einer dynamischen Branche positioniert, der sogenannten Intralogistik. Dort wächst die Nachfrage 4 bis 7 Prozent pro Jahr, weil der Bedarf nach Automation des Warenflusses ständig zunimmt. Interroll fügt sich mit Sortieranlagen, Förderrollen und -bändern sowie Fliess­lagern bestens in die moderne Warenlogistik ein – auf Flughäfen, in Nahrungsmittelfabriken, Postzentren und im Onlinehandel. Seit Jahren wächst die Gesellschaft doppelt so rasch wie der Markt. Derzeit nimmt das Management mehr Geld für die Entwicklung neuer Produkte in die Hand als üblich. Ziel ist es, den Anteil des Service am Gesamtumsatz in einigen Jahren auf 20 Prozent zu verdoppeln. Das wird das Umsatz- und Margenwachstum verstetigen. Nur: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 für 2018 sind die Interroll-Aktien für einen Einstieg sehr teuer. Abwarten

700 Millionen Franken Umsatz

Bleiben wir in der Industrie. Dort ist der Beweis erbracht, dass Burckhardt Compression das Schwie­rigste hinter sich hat. Die vom Winterthurer Spezialisten für Kolbenkompressoren am Dienstag präsentierten Jahreszahlen haben die Erwartungen übertroffen, vom Auftragseingang über den Umsatz bis zum Gewinn. Die dreissig Initiativen zur kurzfristigen Verteidigung des Ergebnisses greifen, die längerfristigen Programme zeigen Wirkung, die wichtigen Absatzmärkte für Kolbenkompressorsysteme signalisieren eine Erholung, das Servicegeschäft gedeiht. Kurz: Die Strategie stimmt, und es geht aufwärts, wenn auch langsam. Das Management sieht das Unternehmen auf Kurs, die für 2022 anvisierten Ziele zu erreichen. Die nächsten zwei Jahre überschauend, erkennt Burckhardt-Compression-Chef Marcel Pawlicek nichts, was die Firma aus der Bahn werfen könnte. Bis in fünf Jahren sollen 700 Millionen Franken Umsatz und eine Betriebsgewinnmarge von 10 bis 15 Prozent erreicht werden. Obwohl der Aktienkurs schon einiges vorwegnimmt, eröffnet ihm der obere Rand des Margenzielbands weiteres Potenzial. Noch ist nicht erkennbar, ob es ausgeschöpft wird. An Leistungsvermögen fehlt es der Gesellschaft auf jeden Fall nicht. Halten

Zukunft gehört dem Streaming

Zum Schluss noch eine vermeintlich einfache Frage: Ein Unternehmen aus der Medienbranche erwirtschaftet einen Umsatz von 55,1 Milliarden Dollar im Jahr, einen Gewinn von 8,9 Milliarden und hat einen freien Barmittelzufluss in fast derselben Höhe. Der Rivale kommt auf einen Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar, einen Gewinn von 559 Millionen – und verbrennt Geld. Welches Unternehmen kommt an der Börse besser an? Die verblüffende Antwort: Unternehmen zwei, nämlich Netflix. Die Papiere der Onlinevideothek haben sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Die Aktien von Unternehmen Nummer eins, Disney, haben dagegen leicht verloren. Der Grund: An der Börse wird die ­Zukunft gehandelt, und die liegt im Streaming von Filmen und Serien über das Internet. Dafür steht Netflix. Disney dagegen ist ein traditioneller Medienkonzern, verankert in der Fernseh- und Kino­welt, die immer weniger gefragt ist. Der Rückstand des Alten gegenüber dem Neuen muss allerdings nicht bleiben. Das Management von Disney reagiert, wenn auch spät, auf die Trends in der Medienwelt. Im kommenden Jahr startet eine eigene Streamingplattform. Dann könnten die Disney-Aktien an der Börse reüssieren. Kaufen

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