Sika kann das Potenzial erst jetzt entfalten

Sika: Am 11. Juni gibt sich der Bauzulieferer eine moderne Kapitalstruktur. Foto: Jason Alden/Bloomberg/Getty Images

In wenigen Wochen gibt sich Sika eine moderne Kapitalstruktur, und zwar an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 11. Juni. Gleichzeitig sollen die Vinkulierung und das Opting-out aus den Statuten gestrichen werden. Das macht die Aktien aus meiner Sicht deutlich attraktiver – wie auch die Einigung mit der französischen Saint-Gobain und der Gründer­familie Burkard. Nach dreieinhalb Jahren der Unsicherheit ist die Zukunft klar, Sika bleibt ein selbstständiges Unternehmen und kann den Wachstumskurs fortsetzen. Saint-Gobain verzichtet auf die Kontrolle über den Bauzulieferer, wird aber mit gut 10 Prozent grösster Einzelaktionär – damit kann Sika gut leben. Das Management, das in den vergangenen Jahren einen eindrücklichen Leistungsausweis lieferte, kann nun in Ruhe weiterarbeiten. Die stolze Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 für das Jahr 2018 spiegelt die hohe Qualität des Unternehmens. Für mich haben die Aktien noch Potenzial, erst recht nach dem 11. Juni. Kaufen

Sonova muss aufpassen

In der Medizinaltechnik gibt eine grosse Fusion zu reden. Mit dem Zusammengehen der Hörgerätehersteller Sivantos und Widex wird der globale Markt nur noch von fünf Grosskonzernen beherrscht. Sonova, gemessen am Umsatz der Primus, muss also aufpassen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung könnten steigen, um nicht abgehängt zu werden. Im Geschäftsjahr 2017/18, das im März endete, hat das Unternehmen den versprochenen Umsatzanstieg leicht verfehlt. Mit einem Plus von 3,8 Prozent – Übernahmen ausgeklammert – blieb es unter der anvisierten Spanne von 4 bis 6 Prozent. Positiv ist, dass die Gesellschaft die Profitabilität konzernweit deutlich gesteigert hat. Sonova hat an Effizienz zugelegt und damit die Kosten der Übernahme der Retailkette Audionova und eine Margenverwässerung aufgefangen. Wachstum durch Akquisitionen einberechnet, ist Sonova beim Umsatz gut 10 Prozent gewachsen. Für das Geschäftsjahr 2018/19 ist CEO Arnd Kaldowski etwas vorsichtiger, er erwartet ein Umsatzplus von 2 bis 4 Prozent – weniger, als der Markt zulegen dürfte. Sonova reduziert in den USA die Zahl der Retail­filialen von 300 auf 200. Zugleich verspricht die Unternehmensführung, die Profitabilität weiter zu verbessern. Das sind mehr Chancen als Risiken. Anleger können Kursrücksetzer für einen Einstieg nutzen. Abwarten

Titel haben sich erholt

Bleiben wir in der Medizinaltechnik. Der Aktienkurs von Ypsomed liegt ein Drittel unter dem Niveau von vor einem Jahr. Allein Ende vergangener Woche haben die Valoren in der Spitze 9 Prozent verloren, nachdem das Management am Donnerstag erneut den Ausblick für den Betriebsgewinn im nächsten Geschäftsjahr (April 2019 bis März 2020) gesenkt hat. Grund ist, dass Ende Juni 2018 ein Vertriebsvertrag für die Insulinpumpe Omnipod des US-Herstellers Insulet ausläuft. Als Ypsomed mitten im vergangenen Jahr das Ende der Vereinbarung angekündigt hatte, verloren die Titel gut 30 Prozent, erholten sich aber wieder. Das hat zwei Gründe: Einerseits bekommt Ypsomed 2018 noch eine Abschlagzahlung von den Amerikanern, zudem versprach die Ypsomed-Spitze, das zweite grosse Segment (Injektionslösungen für Grosskunden in der Pharmaindustrie) könne die Delle auffangen. Doch spätestens jetzt wurde klar, dass der Wegfall des Insulet-Vertrags frühestens in zwei Jahren kompensiert werden kann – Stand heute. Die Abhängigkeit vom Umsatz mit dem Omnipod hat zuletzt sogar noch zugenommen. Erst wenn der Umsatz mit Injektionslösungen viel stärker anzieht, kann an einen Kauf der Aktien gedacht werden. Meiden

Investition in E-Commerce

Eine andere Nummer als Sonova ist Walmart, die grösste Supermarktkette der USA. Doch genau diese Grösse wurde dem Unternehmen fast zum Verhängnis. Mit seinen 5000 Filialen und dem Prädikat «billig» hatte es den Onlinehandel völlig verschlafen. So konnte der IT-Gigant Amazon Walmart mühelos Kunden wegschnappen. Das wollte Walmart aber nicht auf sich sitzen lassen. In den vergangenen Jahren hat der Konzern auf der ganzen Welt in den E-Commerce investiert. In China und Japan arbeitet Walmart mit führenden Onlinehändlern zusammen. In den USA baut der Detailhandelsriese das Geschäft selbst auf, ergänzt mit gezielten Zukäufen. Der letzte Streich war Anfang Mai die Übernahme einer 77-Prozent-Beteiligung von Flipkart für 16 Milliarden Dollar. Flipkart ist der grösste Onlinehändler in Indien. Von Analysten wurde die Transaktion gelobt. Investoren waren skeptischer. Kritisiert wurde der hohe Preis, der den Gewinn von Walmart in den nächsten Quartalen belasten wird. Langfristig wird Walmart auch dank dieser Transaktion aber der grösste Gegenspieler von Amazon im ­Onlinehandel werden. Kaufen

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