Altersvorsorge: Warum Frauen im Nachteil sind

Glückliche Familie: Altersvorsorge und Todesfallrisiko sind gesichert. Aber was wäre bei einer Scheidung?

Die UBS hat mir empfohlen, eine 3. Säule zu eröffnen und Geld in Fonds einzuzahlen. Ich bin aber unsicher, was mir das bringt. Mein Mann hat bereits eine gute Pensionskasse und eine 3. Säule. Auch hat er eine Lebensversicherung, sodass für unsere zwei kleinen Kinder und mich auch im Todesfall gesorgt wäre. Was denken Sie? C.W.

Wie Sie schreiben, hat Ihr Mann schon einiges für die Altersvorsorge angespart und auch das Todesfallrisiko abgesichert, sodass Sie und Ihre Kinder finanziell versorgt wären.

Nicht genügend abgesichert ist aber Ihre eigene Altersvorsorge. Da Sie momentan nur in einem kleinen Teilzeitpensum berufstätig sind, können Sie selbst nur wenig im Rahmen der Pensionskasse ansparen. Für Ihr eigenes Alter ist schlecht gesorgt.

Ich halte es für einen fatalen Fehler, wenn junge Frauen wie Sie sich finanziell einfach auf Ihren Mann abstützen – erst recht, wenn es um die Altersvorsorge geht. Als Frau sollten Sie sich bewusst sein: Wenn Sie nicht dafür sorgen, dass Sie eine gute eigene Altersvorsorge haben, müssen Sie damit rechnen, dass es für Sie im Alter finanziell eng wird.

Es reicht nicht, dass nur Ihr Mann zusätzlich freiwillig fürs Alter spart. Auch wenn man es ungern ausspricht, sollten Sie sich die Tatsache vor Augen halten, dass es keine Garantie gibt, dass Ihre Ehe ein ganzes Leben hält. Wenn Ihre Ehe geschieden wird, was ich Ihnen natürlich nicht wünsche, würde zwar das während der Ehedauer von den beiden Eheleuten angesparte Vorsorgegeld geteilt.

Unter dem Strich fehlt Ihnen dann doch einiges an Vorsorgekapital, um im Alter einen angenehmen Lebensstandard zu geniessen. Je nachdem, was Sie vor der Ehe schon in der Pensionskasse angespart haben, kann es für Sie trotz des Vorsorgeausgleichs nach einer Scheidung finanziell eng werden.

Frauen sollten sich unabhängig von ihren Ehemännern selber um ihre Altersvorsorge kümmern. Die beste Vorsorge besteht darin, dass Frauen möglichst immer berufstätig bleiben und damit auch Vorsorgekapital in der Pensionskasse bilden. Weil viele Frauen nur noch in einem Teilzeitpensum arbeiten, genügt dies meist nicht.

Ich empfehle Ihnen, dass Sie über die Pensionskasse hinaus auch freiwillig im Rahmen der steuerbegünstigten Säule 3a für Ihr Alter sparen und den für Sie maximal möglichen Betrag jeweils jährlich einzahlen. Weil dieses Geld langfristig liegen bleibt, würde ich es, wie es Ihnen Ihre Bank vorgeschlagen hat, in Vorsorgefonds investieren, wobei Sie bei Letzteren unbedingt auch auf die Gebühren achten sollten, da diese Ihre Rendite vermindern.

Gleiche Rechte – gleiche Pflichten: Nicht nur Männer, auch Frauen sollten sich aktiv um ihre Altersvorsorge kümmern und sich nicht auf andere verlassen, sonst riskieren sie, dass sie ein böses Erwachen erleben – spätestens nach einer Scheidung.

16 Kommentare zu «Altersvorsorge: Warum Frauen im Nachteil sind»

  • Markus Künzli sagt:

    Das böse Erwachen trifft im übrigen nicht nur die Frau. Wie geschrieben wird, wird auch das während der Ehe angesparte Alterskapital des Mannes halbiert und an die Ehefrau gezahlt. Es ist also nicht so, dass es für die Frau im Alter eng wird, sondern auch für den Mann.
    Es sollte folglich auch im Interesse des Mannes liegen, dass die Frau möglichst selber arbeitet und vorsorgt, damit er im Scheidungsfall weniger an die Frau zahlen muss, bzw. von ihrer Seite auch Geld erhält.
    Lange Rede kurzer Sinn: Gleichberechtigung hilft unter dem Strich, auch finanziell, beiden Geschlechtern.

  • Hans Hödli sagt:

    Das böse Erwachen kommt erst recht für den Mann, wenn er dann mit einem halbierten PK Kapital und nach über 10 Jahre lang Alimente abdrücken sich gleich beim Sozialamt anmelden kann oder dann lieber gleich auswandern sollte.

  • beat graf sagt:

    Im Prinzip gilt, dass bei Scheidung im höheren „Alter“ zwei Sozialbezüger produziert werden…. (bei Normalverdienern).

    • Zufferey Marcel sagt:

      Diese Einsicht muss sich aber zuerst einmal durchsetzen: Eine Scheidung können sich viele Paare nur deshalb leisten, weil es die sozialen Sicherungssysteme gibt. Das ist weder ein Votum gegen den Sozialstaat, noch gegen Scheidungen. Aber man sollte den Tatsachen in die Augen blicken.

    • Karl Hugentobler sagt:

      So wie unsere Altersvorsorge konzipiert ist (als Schneeballsystem), sind eh alle schon Sozialbürger. Irgendwann werden sich die Historiker fragen, wie konnten die nur so dumm sein? Und warum laufen die Erfinder der AHV/EL/PK frei herum, während Dieter Behring im Gefängnis sitzt?

  • Sportpapi sagt:

    Auch wenn es immer wieder wiederholt wird, verstehe ich es nicht. Wenn die Vorsorgegelder bei der Trennung vollständig geteilt werden, dann ist es doch egal, auf welchen Namen sie davor einbezahlt wurden. Und die Altersarmut trifft dann beide Ex-Partner genau gleich.
    Der Unterschied entsteht wohl erst bei den letzten Einzahlungsjahren nach Trennung (und allenfalls den Jahren vor der Partnerschaft).

    • Lydia sagt:

      Es ist zutreffend, dass die während der Ehe angesparten Gelder geteilt werden. Wenn aber wie bei der früher üblichen klassischen Rollenverteilung ein Einkommensgefälle zwischen Mann und Frau besteht, ist die Frau (als direkte Folge der Ehe und dieser klassischen Rollenverteilung) in den Jahren NACH der Scheidung benachteiligt. Sie arbeitet dann zu einem Mindestlohn und kann ihre Altersvorsorge nicht gross weiter ausbauen, derweil ihr geschiedener Mann, dem sie stets den Rücken freigehalten hat, damit er ungehindert Karriere machen kann, seine Altersvorsorge mit dem hohen Lohnniveau sichern kann.

      • Sportpapi sagt:

        @Lydia: Das stimmt. Auf der anderen Seite sind die bereits vor der Ehe bestehenden Lohnunterschiede meist die Ursache für die klassische Rollenverteilung. Das heisst, die Frau profitiert während der Ehe von einem höheren Lebensstandard und nach der Trennung von einer höheren Pension, als sie selber sich verdient hätte.

      • Sportpapi sagt:

        So oder so macht es keinen Unterschied, ob die Altersvorsorge nun auf den Mann oder die Frau abgeschlossen wurde. Und das war doch das Thema.

  • Herbert Berger sagt:

    Wieso sollen die Frauen im Nachteil sein? Denn die alles, was während der Ehe angespart wurde (auch die AHV), der gesamte Vermögenszuwachs, wird geteilt. Also ist niemand im Nachteil. Zudem kann sich die Frau, wenn sie noch minderjährige Kinder betreut, sich bei der AHV Erziehungsgutschriften gutschreiben lassen (können übrigens alleinerziehende Väter auch – die sind aber in einer absoluten Minderheit). D.H. der Vater bezahlt und die Mutter bekommt die Erziehungsgutschriften.

  • Mina Peter sagt:

    Der Maximalbetrag im engen Familienbudget bleibt für viele sicher der Wunschtraum. Gerade wenn der Mann das Geld braucht für seine Vorsorge. Darum bleibt eigentlich nur: mehr arbeiten, Haushalt, Kinder richtig aufteilen.

  • Urban Zuercher sagt:

    Ist das jetzt ein Text aus dem Jahr 2018? Mann = Ernährer, der den Chlötter heimbringt und Frau = Huscheli, die aufs Haushaltgeld vom angetrauten Herrn wartet….? Es gäbe ja schon noch andere Modelle, oder? Wenn die Frau Haupterwerbstätige ist, ist die Problematik für den Mann doch dieselbe, oder? Was hat das ganze jetzt mit dem Geschlecht zu tun?

  • Werder sagt:

    Die Frauen von kleinen Kindern mehr arbeiten zu lassen, ist der falsche Ansatz. Richtig wäre, die Frauen, solange sie sich Tag und Nacht im die Kinder kümmern ( weit mehr als eine 1normale Arbeitszeit im Büro ) und eine kleine Teilzeitstelle haben, BVG-technisch besser abzusichern – ohne den unseligen Koordinatilonsabzug. Und eine Möglichkeit, eine Einzahlung ins BVG auch leisten zu können bzw. dem BVG als Hausfrau angeschlossen zu sein. Hausfrau muss endlich mehr Wertschätzung erhalten. Hier muss eine Gesetzesänderung her, nichts anderes! Oder wollen Sie noch mehr Frauen mit burn out ?

  • Urban Zuercher sagt:

    Ein Unterschied hab ich noch gefunden: Immerhin bekommt die Frau eine Witwenrente, wenn ihr Gebieter stirbt. Wenn die Frau als Haupternährerin das Zeitige segnet, ist der hinterlassene Hausmann der Gelackmeierte. Also müsste der Titel und die Schlussfolgerung doch lauten: „Altersvorsorge: Warum Männer im Nachteil sind“

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