Lassen Sie die Zeit für sich arbeiten

Absolute Sicherheit gibt es nicht: Ein langer Anlagehorizont hilft jedoch, das Risiko zu senken. Foto: iStock

Wir amortisieren die Hypothek für unsere 4,5-Zimmer-Wohnung doppelt. Zum einen über die dritte Säule, damit wir den Steuerabzug tätigen können. Wir haben uns jedoch entschieden, die 700 Franken pro Monat zusätzlich auf die Seite zu legen, damit wir dieses Geld dann zur Tilgung der Hypothek haben. Wie kann ich nun dieses Geld gewinnbringend, mit kleinem bis mittlerem Risiko langfristig anlegen? Wir sind jetzt beide 50 Jahre alt und haben die Wohnung vor einem Jahr gekauft. A.B.

Ich gehe davon aus, dass Sie planen, die Hypothek mit der ordentlichen Pensionierung zumindest teilweise zu amortisieren. Dies würde bedeuten, dass Sie rund fünfzehn Jahre Zeit haben, um weiteres Geld zu sparen und dieses Kapital arbeiten zu lassen.

Der Anlagehorizont ist entscheidend bei der Frage, welche Strategie Sie beim Investment nutzen möchten. Falls Sie das Geld tatsächlich über zehn Jahre und bis zu fünfzehn Jahre gar nicht antasten möchten, könnten Sie für die Geldanlage auch einen höheren Aktienanteil wählen. Der bewirkt zwar, dass Sie mit vermehrten Kursschwankungen leben müssten.

Wenn Sie das Geld aber ohnehin in Hinblick auf die spätere Amortisation nicht antasten möchten, spielen die Kursschwankungen nur für Ihre psychologische Verfassung eine gewisse Rolle. Gleichzeitig haben Sie aber deutlich höhere Renditechancen. Möglicherweise machen Ihnen solche Kursschwankungen aber Mühe, da Sie schreiben, dass Sie Ihr Geld gewinnbringend, mit kleinem bis mittlerem Risiko langfristig anlegen möchten.

Darin liegt derzeit die Problematik: Wenn Sie praktisch keine Risiken eingehen möchten, was ich durchaus verstehe, erreichen Sie etwa mit sehr sicheren Frankenanleihen oder mit entsprechenden Fonds, welche sich auf solche Frankenobligationen fokussieren, nur eine miserable Rendite. Dann könnten Sie gleich Ihre Hypothek teilamortisieren und sparen dann wenigstens Bankzinsen.

Etwas mehr Rendite möglich wäre immerhin mittels Fremdwährungsobligationen in Euro und Dollar. Doch auch da tragen Sie ein Währungsrisiko.

Mehr Rendite wäre selbst im Schweizer Franken möglich. Mit Anleihen von etwas weniger guten Schuldnern – also von Unternehmern mit einem schlechteren Kreditrating. Auch das bedeutet, dass Sie mehr Risiko tragen. Eine höhere Rendite gibt es nicht gratis.

Ein Mittelweg besteht darin, das Geld in verschiedenen Portfoliofonds mit unterschiedlichem Aktienanteil zu investieren oder sich selbst ein Depot mit kostengünstigen Exchangen Traded Funds, welche an Obligationen-, Aktien-, Rohstoff- und Immobilienindexe gekoppelt sind, zusammenstellen lassen. Je nach Gewichtung der einzelnen Anlageklassen können Sie die Risiken erhöhen oder senken.

Vor allem bei den Portfoliofonds lohnt es sich, auch auf die Gebühren zu achten, da Ihnen diese einen Teil der Rendite wegfressen. Hier lohnt sich ein Vergleich der Kostenkennziffer Total Expense Ratio der verschiedenen Fonds. Ich würde mir von der Bank entsprechende Anlagevorschläge zusammenstellen lassen.

Überlegen könnten Sie sich auch etwas ganz anderes: Allenfalls haben Sie die Möglichkeit, bei Ihrer Pensionskasse freiwillige Einzahlungen zu leisten. Damit könnten Sie jährlich einen Betrag sicher in der zweiten Säule parkieren und zusätzlich Steuern sparen und dieses Geld dann bei der Pensionierung für die Amortisation als Kapital zu beziehen.

Sie dürfen nicht nur die Einzahlungen in die Säule 3a, sondern auch freiwillige Einzahlungen in die 2. Säule von den Steuern abziehen. Damit können Sie während vieler Jahre einiges an Steuern sparen. Dies empfiehlt sich allerdings nur, wenn sich Ihre Pensionskasse in einer robusten Verfassung befindet.