Credit Suisse verdient eine höhere Bewertung

Die Credit Suisse profitiert von steigenden Erträgen und sinkenden Kosten. Foto: Urs Jaudas

Die Grossbank Credit Suisse befindet sich auf der Zielgeraden, was die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms betrifft. Nun erntet das Institut die Früchte der 2016 eingeleiteten Massnahmen. Das erste Vierteljahr hat den Trend bestätigt: Credit Suisse profitiert von steigenden Erträgen und sinkenden Kosten. Das dürfte sich in den kommenden Quartalen fortsetzen. Was mir besonders gefällt, ist, dass sie die Kostensparmassnahmen selber steuern kann. Allein in den verbleibenden drei Quartalen sollen 800 Millionen Franken eingespart werden. Die Aktien wurden an dieser Stelle im September zum Kauf empfohlen, damals mit einem Verweis darauf, dass noch nicht alle Restrukturierungsmassnahmen umgesetzt seien und sich die Aktien vor allem für risikofreudige Anleger eignen. Heute handeln die Papiere 20 Prozent höher, sind aber nicht weniger attraktiv. Die Klarheit um den Erfolg der Restrukturierungsmassnahmen sorgt für Sicherheit und rechtfertigt eine höhere Bewertung. Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1 sind die Titel immer noch günstiger als jene der Konkurrentin UBS, wo das Momentum eher rückläufig ist. Kaufen

Management rechnet mit sechs Milliarden Neugeld

Die deutliche und temporeiche Abschwächung des Frankens zum Euro haben die wenigsten vorausgesehen. Ich gehöre leider nicht zu diesem Kreis, das muss ich zugeben. Nun schaue ich auf die Profiteure dieser Entwicklung, etwa Partners Group. Das Investmenthaus betreut gut 70 Milliarden Franken Kundengelder, wovon etwas mehr als die Hälfte auf Euro lauten. Viele europäische Pensionsfonds und Versicherer verlangen, dass ihnen Anlagen am Privatmarkt – wie Private Equity und Private Debt – in ihrer Heimwährung angeboten werden. Das erledigt Partners Group. Sie profitiert dabei, weil ­lediglich 5 Prozent ihrer Gesamtkosten im Euroraum anfallen, während mehr als die Hälfte ihrer Verwaltungsgebühren in Europas Einheitswährung erzielt wird. Der Gewinn wird folglich zunehmen, wenn die Aufwertung des Euros das ganze Jahr anhält. Die Aktien sind zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 teuer. Das Management verspricht, im laufenden Jahr netto mindestens 6 Milliarden Franken Neugeld anzuziehen. Damit stehen die Chancen gut, dass die Verwaltungsgebühren und folglich der Überschuss weiterhin deutlich steigen. Dosiert kaufen

Wachstum dürfte sich erneut beschleunigen

Noch ein Euro-Profiteur: Der Sanitärtechniker Geberit realisierte 2017 gut 80 Prozent seiner Einnahmen von 2,9 Milliarden Franken im Euroraum. Das Unter­nehmen versucht, die Folgen von Währungsschwankungen zu minimieren, indem es die Kosten möglichst in dem Währungsraum anfallen lässt, in dem es den Umsatz generiert. Die Währungs­effekte beschränken sich damit im Wesentlichen auf die Umrechnungen der lokalen Ergebnisse in Franken. Ein 10 Prozent schwächerer Franken steigert Umsatz und Ebitda von Geberit um jeweils 9 Prozent. Für 2018 kann wieder mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden. Die Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 aber angemessen bewertet. Abwarten

Hoffen auf die Zulassung von Methylene Blau

Das Pharmaunternehmen Cosmo kommt an der Börse derzeit nicht vom Fleck. Das könnte sich jedoch schon bald ändern. Am 21. Mai entscheidet die US-Gesundheitsbehörde FDA über die Zulassung von Methylene Blau. Ein positiver Bescheid könnte Schwung in die Aktien bringen. Bei Methylene Blau handelt es sich um ein Färbemittel zur Detektion von Polypen. Eingesetzt wird es vor Darmspiegelungen. Cosmo rechnet in sieben bis acht Jahren für Methylene Blau mit einem Spitzenumsatz von 600 bis 700 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Antibiotikum (Rifamycin), das derzeit im Zulassungsprozess für die Behandlung von Reisedurchfall ist. Bei Rifamycin handelt es sich um eine optimierte Form des Valeant-Produkts Xifaxan, das 2017 rund eine Milliarde Dollar Umsatz erzielt hat. Cosmo rechnet sicherheitshalber dennoch nur mit 200 bis 250 Millionen Euro Umsatz in sieben bis acht Jahren. Weiter besitzt sie einen Anteil von 45 Prozent an Cassiopea. Die Biotech-Gesellschaft wird bis Ende Juni für das Akne-Mittel Winlevi zulassungsrelevante klinische Daten präsentieren. Analysten trauen Winlevi einen Spitzenumsatz von rund 300 Millionen Euro zu. Sowohl das Potenzial von Methylene Blau, Rifamycin als auch von Cassiopea beziehungsweise Winlevi sind meiner Ansicht nach noch nicht voll im Kurs von Cosmo reflektiert. Das bietet risikofähigen Anlegern Chancen. Dosiert kaufen

Deutsche Spitzenreiter genau anschauen

Ein wahrer Geldregen erwartet die Investoren deutscher Aktien in der laufenden Saison der Generalversammlungen. Erstmals schütten die Aktiengesellschaften der Nachbarn zusammen mehr als 50 Milliarden Euro aus, ein Plus von 11,6 Prozent. Von einem «Wirtschaftswunder 2.0» spricht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, ein Lobbyverband für Aktionäre, die das er­mittelt hat. Investoren sollten dennoch nicht blind auf Spitzenreiter setzen wie etwa Telefónica O2 Deutschland, deren Papiere mit 6,2 Prozent rentieren. Das Unternehmen zahlt zum wiederholten Male die Dividende aus der Substanz. Das Geld fehlt für Investitionen. Unternehmen aus der – vermeintlich – zweiten Reihe sind interessanter: Munich Re mit einer Rendite von 4,7 Prozent etwa, Deutsche Euro Shop mit 4,3 oder Allianz mit 4,2. Die drei haben in den vergangenen zehn Jahren jedes Mal gezahlt, erhöhten in sieben der zehn Jahre die Dividende. Der Ausblick ist jeweils positiv. Solche Konstanz macht sich im Depot bezahlt. Dosiert kaufen

1 Kommentar zu «Credit Suisse verdient eine höhere Bewertung»

  • Hans Müller sagt:

    Die CS ist nach wie vor ein Problemkind! Wer Aktien dieser Firma kauft, ist hirnverbrannt!

    Der volkswirtschaftliche Schaden, den diese Firma mit den Entlassungen anrichtet, ist weit höher als der Gewinn, den die CS macht. Und dieser Gewinn kommt nur durch das wirtschaftliche Umfeld zustande, aber sicher nicht durch die idiotischen Management Uebungen der letzten Jahre. Da wurde und wird nur Geld vernichtet!

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