Nestlé findet langsam aus der Wachstumsflaute

Bei Nestlé überzeugt vor allem der Gesundheitsbereich. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Nestlé ist ein wichtiger Schritt aus der Wachstumsflaute gelungen: Im ersten Quartal 2018 wuchs der Riese wieder etwas schneller und übertraf damit die Erwartungen. Es zeigen sich erste Erfolge der von Unternehmenschef Mark Schneider angestrebten Fokussierung auf wachstumsstarke Segmente. Besonders der Gesundheitsbereich überzeugt. Hier konnte der Nahrungsmittelkonzern mit Atrium Innovations Anfang März eine vielversprechende Übernahme vollziehen. Zudem bestätigte sich der Aufwärtstrend im asiatischen Markt. Gerade in den wichtigen Bereichen Säuglingsnahrung und Wasser hat Nestlé aber noch viel Arbeit vor sich. Sie blieben in den ersten drei Monaten 2018 hinter den Erwartungen zurück und konnten das Potenzial nicht vollständig ausschöpfen. Auch der Verkauf der zuletzt rückläufigen US-Süsswarensparte wird sich erst gegen Ende des laufenden Jahres auf die Kennzahlen auswirken. Anleger brauchen also noch etwas Geduld. Doch nach dem Kursrückgang seit Anfang Jahr sind die Aktien für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont mittlerweile attraktiv. Kaufen

BKW stellt Konkurrenz in den Schatten

Wer im Schweizer Stromsektor eine attraktive Aktie sucht, hat ­wenig Auswahl. Das liegt zum einen daran, dass viele Versorger gar nicht kotiert sind, und zum ­anderen daran, dass etliche grössere Branchenvertreter seit Jahren ziemlich im Regen stehen – allen voran Alpiq, die mangels Endkunden und Verteilnetze vom Preiszerfall im Stromsektor voll getroffen wurde. Einige Konstruktionsmängel des 2009 gegründeten Unternehmens – vor allem die hohe Verschuldung – haben da nicht geholfen. Ganz anders BKW. Der Berner Versorger stellt die Konkurrenz seit Jahren in den Schatten, auch dank eines vorteilhaften Geschäftsmodells. Ihm gelingt der Spagat zwischen dem traditionellen Versorgungsgeschäft und dem Ausbau der Energiedienstleistungen. Im Geschäftsjahr 2017 stiegen Umsatz und bereinigter Gewinn, zudem sollen die Anleger 13 Prozent mehr Dividende erhalten. Die Aktien sind gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1 moderat bewertet. Auch mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für das laufende Jahr sind die Titel nicht ausgereizt. Sollte sich die bisher leichte Strompreiserholung im Grosshandel fortsetzen, könnte BKW zusätzlich profitieren. Kaufen

Gewohnt gutes Ergebnis bei Vontobel

Der Vermögensverwalter Vontobel hat laut Aussagen von Chef Zeno Staub an der Generalversammlung letzte Woche ein «starkes Quartalsergebnis erzielt». 2018 habe besser begonnen als das bereits schon starke Vorjahr. Die Privatbank verwaltet mittlerweile rekordhohe Vermögen von 186,6 Mil­liarden Franken, ein Plus von fast 3 Milliarden zum Jahresanfang. Seit Jahren liefert die solide geführte Vontobel unaufgeregt ein gutes Ergebnis nach dem anderen und lässt die Aktionäre daran teilhaben. Das blieb dem Markt natürlich nicht verborgen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 (2018) und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2 sind die Titel weder zur Vergleichsgruppe noch zur eigenen Historie günstig. Doch überteuert kommen die Valoren auch nicht daher. Für sie spricht weiter das stabile Wachstum. Die Bank diversifiziert ihre Standbeine sukzessive und kann Marktturbulenzen so besser abfedern. Sie ist gut kapitalisiert, die Dividenden­rendite von 3,3 Prozent liegt über dem Schnitt des breiten Schweizer Markts, und die hohe Eigenkapitalrentabilität sucht in der Branche ihresgleichen. Kaufen

Marge fällt bei Komax derzeit zurück

Ich mag es eher einfach als kompliziert, auch was Unternehmen betrifft. Seit zwei Jahren ist der Technologiekonzern Komax dank verschiedener Devestitionen wieder ein Pure Player. Zufall oder nicht: Das Kerngeschäft Kabelverarbeitungsmaschinen läuft seither wie geschmiert. Die globale Nachfrage nach Automobilen steigt, vor allem in Südostasien und China; zudem gibt es in den Fahrzeugen immer mehr Elektronik und folglich mehr Kabel. In einem Audi A8 stecken sieben ­Kilometer Leitungen. Allgemein nimmt der Bedarf an Automation in der Fertigung zu. Der Auftragsbestand ist auf Rekordstand und sichert zumindest ein gutes erstes Semester 2018. Wegen hoher Vorleistungen und wachsenden Investitionsaufwands fällt derzeit aber die Marge zurück. Ich erwarte, dass sie sich ab 2019 wieder verbessert. Komax dürfte in den kommenden Jahren kräftig weiter wachsen, auch durch Übernahmen. Mehr Gewinn und Dividenden je Aktie sind in Sicht. Kaufen

Musterknabe bei Kapitalerfordernis

Der Versicherer Vaudoise ist gänzlich auf die Schweiz konzentriert, den weltweit lukrativsten Versicherungsmarkt. Das genossenschaftlich geprägte Unternehmen – die Genossenschaft hält die Mehrheit von Kapital und Stimmen – leistet ergänzend zur Dividende aus dem Gewinn einen Prämienrabatt an die Versicherten. Dieser Extra-Service kommt über den Effekt einer stärkeren Kundenbindung indirekt auch den Publikumsaktionären zugute. Kommt dazu, dass Vaudoise Assurances der am kräftigsten gepolsterte kotierte Versicherer ist. Das Kapitalerfordernis der Finanzmarktaufsicht wird gleich in dreifachem Umfang erfüllt. In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres sind die Einnahmen knapp 3 Prozent gestiegen. «Finanz und Wirtschaft» geht davon aus, dass Vaudoise dieses Jahr die Verdienstmarge halten kann und dass geringere Aufwendungen für Investmentabsicherungen den Gewinn steigen lassen. Die Papiere notieren zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 auf günstigem Niveau. Weil aber oft nur wenige Stücke im Handel sind, sollten Börsenaufträge mit Preislimiten versehen aufgegeben werden. Dosiert kaufen

1 Kommentar zu «Nestlé findet langsam aus der Wachstumsflaute»

  • Margrit Ryssel sagt:

    In Sachen BKW wäre ich an Ihrer Stelle nicht so optimistisch: Früher oder später der BKW der Rückbau des AKW Mühleberg ins Haus. Und das wird teuer, sauteuer…..

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