Wie Sie das Enkelgeld im Auge behalten können

Sparen für den Enkel: Irgendwann wird der Junge selber entscheiden, was er mit dem geschenkten Geld tun will. Den richtigen Zeitpunkt können Sie bestimmen. Foto: Getty Images

Wir haben für unsere Enkeltöchter je ein Jugendsparkonto bei der UBS eröffnet, wo wir je 100 Franken monatlich einzahlen. Jetzt hatten wir eine Diskussion mit anderen Grosseltern. Man sagte uns, diese Form des Kontos sei nicht optimal, da die Kinder beim erfüllten 18. Lebensjahr automatisch über das ganze Geld verfügen könnten. Und man wisse ja nicht, in was für einer Phase sie sich dann befinden würden. Sie könnten das Geld eventuell innert kurzer Zeit verpulvern. Man empfahl uns, ein Geschenkkonto bei einer Raiffeisenbank zu eröffnen. Was ist Ihre Meinung? Empfehlen Sie überhaupt ein Sparkonto oder gibt es bessere Möglichkeiten? E.D.

Sie müssen nach Art des Kontos unterscheiden. Beim Jugendsparkonto ist es tatsächlich so, dass die Eltern oder Grosseltern das Konto bis zur Volljährigkeit des Kindes verwalten. Sobald das Kind volljährig ist, geht die Vollmacht über das Konto automatisch an das inzwischen erwachsene Kind über.

Beim Geschenksparkonto von Raiffeisen, welches Sie erwähnt haben, geschieht dies indes nicht. Sie als Grosseltern bestimmen den Zeitpunkt, an dem Sie den von Ihnen über die Jahre angesparten Batzen dem jungen Erwachsenen überreichen möchten. Bis zur von Ihnen ausgelösten Übergabe bleibt die Vollmacht über das Konto bei Ihnen, selbst wenn das Enkelkind das 18. Lebensjahr erreicht hat.

Im Klartext: Sie behalten die Kontrolle.

Allerdings gibt es den Vorzugszins bei diesem Konto nur bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres des Enkels. Beachten Sie zudem, dass im Todesfall des Kontoinhabers das Guthaben auf dem Geschenksparkonto zur Erbmasse gezählt wird. Damit das Guthaben in diesem Fall immer noch der Enkelin zugutekommt, müssten Sie in einem Testament eine Begünstigung für die Enkelin vorsehen. Diese Aspekte gehören zu den Rahmenbedingungen.

Mindestens so wichtig für Ihre Enkel ist allerdings, was mit dem von Ihnen auf die Seite gelegten Sparbatzen passiert. Ich rate Ihnen, das Geld nicht einfach auf dem Konto liegen zu lassen, obwohl Sie auf dem Jugendsparkonto und dem Geschenksparkonto einen etwas besseren Zins bekommen. Stattdessen würde ich das Geld regelmässig in Aktienfonds investieren. Damit erreichen Sie über die Jahre eine weit bessere Rendite.

Damit verbunden sind zwar starke Kursschwankungen. Weil das Geld aber während wenigstens 18 Jahren liegen bleibt, spielen die Schwankungen keine grosse Rolle mehr und gleichen sich aus. Unter dem Strich können Sie davon ausgehen, dass Ihre Enkel später deutlich mehr Geld bekommen, als wenn Sie das Kapital einfach auf dem Konto parkieren.

Die besten Renditechancen sehe ich bei einem passiv verwalteten reinen Aktienfonds mit günstigen Gebühren oder bei einem kostengünstigen Exchange Traded Fund, der an einen Aktienindex gekoppelt ist.

Wenn Sie das Geld in Wertpapiere investieren, gibt es übrigens einen anderen positiven Nebeneffekt: Auch wenn die Vollmacht über das Jugendsparkonto und das damit verbundene Depot mit der Volljährigkeit an Ihre dann erwachsenen Enkel übergeht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese das Geld gleich aufbrauchen – oder wie Sie schreiben: verpulvern – geringer. Weil es nicht liquide ist, sondern zuerst die Wertschriften verkauft werden müssten. Alleine diese Hürde dürfte den einen oder anderen zögern lassen und eher inspirieren, selbst weiterzusparen.

Darüber hinaus rate ich Ihnen, ein wenig loszulassen: Die Jungen werden später ohnehin selbst entscheiden, was sie mit dem geschenkten Geld machen. Wie sinnvoll es dann eingesetzt wird, ist ihre Entscheidung – und auch ihre Freiheit.  

2 Kommentare zu «Wie Sie das Enkelgeld im Auge behalten können»

  • Kündig sagt:

    Vom Kindersparheft zum ETF! Wie die Zeiten sich geändert haben! Vielen Dank für die Guten Ratschlägen an Grosseltern, die etwas für Ihre Enkelkindern machen wollen…

  • Anh Toàn sagt:

    „Sie als Grosseltern bestimmen den Zeitpunkt, an dem Sie den von Ihnen über die Jahre angesparten Batzen dem jungen Erwachsenen überreichen möchten. “ und „Beachten Sie zudem, dass im Todesfall des Kontoinhabers das Guthaben auf dem Geschenksparkonto zur Erbmasse gezählt wird.“

    Das heisst auf Deutsch, dass man mit einem Geschenksparkonto bei der Raiffeisen gar nichts verschenkt: Die Guthaben dort gehören dem Schenker in spe, sind von ihm zu versteuern solange er lebt:

    Ich schenke jedem der will, 10 Millionen CHF, aber ich behalte mir vor selber zu bestimmen, wann. Was bin ich grosszügig!

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