Für Swisscom wird es ­ungemütlich

Swisscom: Die Aktien des Marktführers haben rund 8 Prozent verloren. Foto: Urs Jaudas

Auch ein Schweizer Telecomriese ist nicht vor Wettbewerb gefeit, und das ist gut so: Nachdem Salt, die Nummer drei im Mobilfunkmarkt, am Dienstag sein neues Festnetzangebot lanciert hat, haben die Aktien des Marktführers Swisscom bis Freitagmittag rund 8 Prozent verloren. Noch schlechter erging es dem Sunrise-Kurs, der 11 Prozent nachgegeben hat. Salt hat mit viel Tamtam ein sehr attraktives Angebot für Breitband-Internet, Telefonie und Fernsehen lanciert, was Swisscom mit ihrer Discount-Marge Wingo am Mittwoch auch gleich zu einer Tarifsenkung provoziert hat. Die Margen kommen weiter unter Druck. Auch sonst dürfte das Klima für Swisscom rauer werden, denn schon seit Monaten steht ein Schulterschluss der Konkurrenten im Raum. Auf der einen Seite dürfte der Kabelnetzbetreiber UPC gesetzt sein, zur Auswahl auf der anderen Seite stehen mit Sunrise und Salt zwei Mobilfunkanbieter. Festnetz- und Mobilfunkangebote aus einer Hand machen zu können, war schon in vielen europäischen Märkten ein Treiber für Fusionen und Übernahmen. Swisscom steht meiner Meinung nach erst am Beginn härterer Zeiten. Abwarten

Nichts wie weg

Gerade noch war Facebook Liebling der Investoren, nun trennen sich die Anleger in Scharen von den Papieren. Innerhalb einer Woche haben die Valoren des weltweit grössten Netzes ein Zehntel an Wert verloren. Dem Unternehmen wird ausgerechnet sein Erfolgsgeheimnis zum Verhängnis: das intime Wissen über die Nutzer. Über eine längst geschlossene Lücke im Facebook-System hat die Gesellschaft Cambridge Analytica an diesem Wissen partizipiert – und so wahrscheinlich US-Präsident Donald Trump durch gezielte Werbung mit zum Wahlsieg verholfen. Die Empörung ist gross. Unter #deletefacebook erklären Nutzer weltweit in den sozialen Medien ihren Austritt aus dem grössten sozialen Medium. Der Imageschaden für Facebook wiegt schwer und könnte sich im Geschäft widerspiegeln. Facebook bleibt Goldstandard, was Onlinewerbung angeht. Anleger warten dennoch ab, bis sich der Sturm der Entrüstung gelegt hat. Meiden

In der Börsen-Grümpelliga

Bescheidenheit ist keine Eigenschaft, die ich mit Nestlé-Erbe und Partyvogel Patrick Liotard-Vogt in Verbindung bringe. So erstaunt wenig, dass sich sein Millionärsnetzwerk Asmallworld bei der Aktienbewertung mit Linkedin oder Facebook vergleicht. Dabei spielt das Unternehmen mit derzeit rund 5 Millionen Franken Umsatz und halb so viel Verlust eher in der Börsen-Grümpelliga. Die Papiere wurden am Dienstag für 9.75 Franken pro Stück erstmals an der Börse angeboten und haben seither einen Kursgewinn von 45 Prozent verbuchen können. Der gelungene Börsenstart gibt Anlass für Partylaune – doch mit Aufmerksamkeit und Publizität kommen auch Erwartungen. In diesem Fall, dass Asmallworld sein Wachstumsversprechen einlösen kann, den Umsatz jährlich um 30 Prozent zu steigern und eine Ebitda-Marge von 15 Prozent zu erreichen. Ich fürchte, dass Liotard-Vogt zu hoch greift und bald übelste Katerstimmung droht. Meiden

Hohe Marketingausgaben

Und weiter geht es mit Internet und Online, aber mit anderen Produkten: Der Schweizer Medikamentenhändler Zur Rose erwirtschaftet fast die Hälfte des Umsatzes über die niederländische Tochter DocMorris im deutschen Onlinehandel. Die Aktien sind seit Anfang Februar mehr als 20 Prozent eingebrochen, mit rund 105 Franken liegen sie deutlich unter dem Angebotspreis von 140 Franken von vergangenem Frühsommer. Der Grund: Die neue deutsche Regierung strebt ein Verbot des rezeptpflichtigen Versandhandels an. Die Apothekerlobby macht schon lange ausländische Anbieter für ein Apothekensterben mitverantwortlich. Denn im Gegensatz zu heimischen Medikamentenhändlern dürfen auslän­dische Versandhändler Rabatte anbieten. Walter Oberhänsli, Chef von Zur Rose, ist aber nach wie vor davon überzeugt, dass ein Verbot gegen die deutsche Verfassung verstossen würde, weswegen es nicht kommen werde. Optimistisch stimme ihn zudem eine Studie des deutschen Wirtschaftsministeriums, die aufzeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen Onlinehandel und Apothekensterben gibt. Und so bleibt Oberhänsli bei seinem Geschäftsmodell, mit hohen Marketingausgaben die Marktführerschaft auszubauen. Mit ­steigendem Umsatz, so das Ziel, rutscht DocMorris dann automatisch in die Gewinnzone. Für risikofähige Anleger ist der Zeitpunkt zum Einstieg gekommen. Kaufen

Auf Rückschläge warten

Richtig Spass gemacht hat vergangene Woche der Börsengang der Stäfner Sensirion – zumindest ­allen, die dabei waren, also ich nicht, denn ich habe keine Titel zum Emissionspreis bekommen. Ein altes Thema, aber seis drum. Der Sensorenspezialist erinnert jedenfalls an Börsenlieblinge wie VAT oder AMS – und da will keiner den Zug verpassen. Manche Investoren sind deshalb bereit, buchstäblich jeden Preis für die Papiere zu zahlen. Der von den Banken gesetzte erste Aktienpreis von 36 Franken wurde schon vor Handelsbeginn pulverisiert. Die Papiere gingen für 47 Franken in den Verkauf – 30 Prozent teurer. Am Freitagnachmittag kosteten sie dann rund 45 Franken. Das gibt dem Unternehmen auf einen Schlag einen Börsenwert von über 690 Millionen Franken oder 4,6-mal den Umsatz. Das ehemalige ETH-Start-up bietet attraktive Wachstumsperspektiven, das ist unbestritten. Angesichts der Euphorie und des bereits hohen Preisniveaus sollten Anleger jedoch auf Rückschläge warten oder den Zug vorbeifahren lassen. Abwarten

1 Kommentar zu «Für Swisscom wird es ­ungemütlich»

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