So halten Sie Hypozinsen langfristig tief

Hypothek mit fünf oder zehn Jahren Laufzeit? Eine aktuelle Frage für neue Hausbesitzer. Foto: Getty Images

Ich bin 60 Jahre alt und möchte eine Eigentumswohnung kaufen. Diverse Banken würden mir eine Hypothek von 250’000 Franken gewähren. Da die Zinsen am steigen sind, überlege ich mir, ob ich den Zinssatz jetzt fixieren soll. Ich möchte präzis kalkulierbare Kosten, und darum kommt für mich nur eine Festhypothek infrage. Raten Sie eher zu einer fünf- oder zehnjährigen Hypothek? M.M.

Nach fast zehn Jahren rekordtiefen Hypozinsen sind die Hyposätze in den letzten Wochen etwas in Bewegung gekommen. Vor allem die Konditionen für zehnjährige Festhypotheken haben sich leicht verteuert.

Der Grund dafür liegt bei den Kapitalmarktzinsen. Die Obligationenrenditen haben angezogen, da die Investoren befürchten, dass die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr schneller und auch stärker anheben könnte, als man das bislang erwartet hatte, nachdem die Lohnkosten und die Inflation in Amerika unerwartet deutlich in die Höhe gegangen sind. In der Folge haben die meisten Banken ihre Richtsätze für zehnjährige Festhypotheken leicht angehoben. Die kürzer laufenden Festhypotheken sind nicht gross in Bewegung gekommen.

Es ist tatsächlich so, dass die Zinsen in den USA eindeutig nach oben zeigen. Nicht aber in Europa. Da hält die Europäische Zentralbank weiterhin an ihrer Tiefzinspolitik fest. Die Zinsen in der Schweiz sind stark von Europa abhängig. Zwar ist der Franken zum Euro nicht mehr ganz so fest, was der Schweizerischen Nationalbank mehr Spielraum gibt, dennoch wird die Nationalbank an den Sätzen in der Schweiz erst dann grundlegend etwas verändern, wenn die Europäer an den Zinsen schrauben.

Für Sie bedeutet das: Die zehnjährigen Festhypotheken tendieren zwar leicht nach oben, die Hypozinsen sind aber im historischen Vergleich nach wie vor sehr tief. Ein rascher und massiver Anstieg der Hypotheken in der Schweiz über diese Bewegung bei den Langfristzinsen hinaus erwarte ich nicht.

Die Tendenz bei den Hypotheken zeigt zwar nach oben, das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Hypozinsen generell stark ansteigen werden. Ich gehe davon aus, dass die Zinsen bei uns noch längere Zeit recht tief bleiben. Die Phasen mit sinkenden Zinsen sind aber definitiv vorbei. Künftig kennen die Zinsen wohl nur noch eine Richtung: nach oben.

Wenn es Ihnen wichtig ist, dass Sie Ihre Finanzierungskosten für Ihre Eigentumswohnung genau kalkulieren können, ergibt es durchaus Sinn, wenn Sie die nach wie vor tiefen Zinsen für sich langfristig anbinden. Da Sie 60-jährig sind, spricht aus meiner Sicht einiges dafür, dass Sie eine zehnjährige Festhypothek wählen.

Erstens können Sie so die tiefen Sätze binden, und zweitens sind Sie sicher, dass Ihnen die Bank dann nicht plötzlich kurz nach der Pensionierung die Hypothek kündigt. Daher würde ich in Ihrem Fall eine zehnjährige Hypothek einer fünfjährigen vorziehen.

Unabhängig davon müssen Sie sich allerdings Gedanken machen, ob Sie die Hypothek nach zehn Jahren (teil-)amortisieren möchten. Viele Banken drängen ältere Kunden im Rentenalter zu einer Teilamortisation, da die Tragbarkeit der Immobilienfinanzierung im Alter zum Teil nicht mehr gegeben ist.

9 Kommentare zu «So halten Sie Hypozinsen langfristig tief»

  • Hans Schmid sagt:

    Gemäss OECD beläuft sich die Verschuldung der privaten Haushalte in der Schweiz auf sagenhafte 211%! Der Leerstand an Immobilien steigt und steigt…bei Büroflächen erübrigt sich ein Kommentar. Eine Korrektur am Immo-Markt ist wahrscheinlich bis unausweiglich…..auch wenn Medien in allen Sprachen dazu schweigen. Einher geht das Risiko bei den PK. Der Gesetzgeber sollte unverzüglich die Abbezahlung von Hypotheken steuerlich begünstigen, anstelle wie bisher – das Gegenteil zu tun. Viel Zeit bleibt nicht mehr….Erinnerung hoch 10 an 1990 werden wach…die Menschen haben ein kurzes Gedächnis

  • Karl Knapp sagt:

    Finanziell hat er wie immer recht, der Herr Spieler. Nur, es kann sein, dass das Leben vielleicht mit 63 oder 64 schon ganz anders aussieht als mit 60. Die Pensionierungsberater reden immer nur über das Geld – geschenkt, denn das ist meist das geringste Problem – Sie werden sich noch ganz anderen Fragen stellen müssen. Die Viertelmillion könnten Sie auch mit einem WEF-Bezug aus der PK nehmen, da kriegt man auch keinen Zins mehr. Nur so als Alternative.

    • Tom Sivers sagt:

      Bis 50 darf man das gesamte Pensionskassenguthaben vorbeziehen. Ältere erhalten den Betrag, den sie mit 50 hätten vorbeziehen können, oder die Hälfte des aktuellen Guthabens je nachdem, welche Summe höher ist.
      Bei diversen Pensionskassen sind Vorbezüge bis fünf Jahre vor Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters nicht mehr möglich.

  • lüthi sagt:

    Die Verschuldung der privaten Haushalte mit Hypotheken wird doch staatlich gefördert! Schuldzinsabzug als die top Steuersenkungsmassnahme wegen dem absolut unverständlichen, leider noch immer vorhandenem “ Eigenmietwert.“ Langsam sollten auch die Politiker erwachen.

    • Hans Schmid sagt:

      @lüthi, KORREKT! Langsam sollten WIR erwachen! Die Banken haben doch kein Interesse auf Amortisation! Sie verdienen dadurch ja weniger, und sie werden ja von der Politik unterstützt, welche stur am Eigenmietwert festhält. Sauhäfeli Saudeckeli. Die Bürger werden regelrecht dazu verführt, ihre Immobilien nicht vollständig abzuzahlen bzw., die Grundschuldeintragung aufrechtzuerhalten. Somit, treibt der Staat seine Bürger den Banken als Kunden scharenweise zu. Alle nicht abbezahlten Immobilien bleiben den Banken als Pfand. Der Staat bleibt somit mithilfe seiner systemrelevanten Banken in Position, seine an sich (noch) recht wohlhabenden Bevölkerung viel rigider unter Kontrolle zu halten. Den PK droht ein Mega-Abschreiber……Eine tickende Zeitbombe…

      • Peter Meyer sagt:

        @Herr Schmid,
        es wird ja niemand gehindert, die Hypothek abzuzahlen.
        Wer nicht rechnen kann, glaubt halt der Bank, das „Schulden ja gut und günstig sind“…

    • Christoph Bögli sagt:

      Die Steuerabzüge kompensieren niemals die Kosten des eigentlichen Zinses, weshalb das ziemlich absurd ist. Dass der Eigenmietwert ein unsinniges und schädliches Konstrukt ist, steht auf einem anderen Blatt, aber deswegen möglichst hohe Hypotheken zu halten, ist und bleibt trotzdem eine denkbar dämliche Strategie.

      Die Problematik liesse sich wesentlich einfacher lösen, indem Banken dazu verpflichtet würden, dass jede Hypothek über einen bestimmten Zeitraum abgezahlt werden muss anstatt dass diese einfach stehen gelassen und wieder erneuert wird. Heute ist ja bereits das Amortisieren während der Laufzeit oft eingeschränkt oder teuer, was definitiv auch nicht sein sollte.

    • Hans Schmid sagt:

      @Peter Meyer, die Realität hält sich nicht ans Drehbuch. Politisch gewollt. Ökonomisch riskant. Die Leerstände steigen weiter. Darauf sinken die Preise.
      Die Politik und die Pensionskassen verschliessen die Augen. Schaue ich ich herum in der Schweizer Medienlandschaft, so wird die BRISANZ dieses Themas unter dem Deckel gehalten.

  • Anton Schneider sagt:

    Cash ist King – kann auf Pensionierte gelten. Ein abbezahltes Heim aber keine Bar-Reserven ist ebenfalls nicht zu raten. Mit zB 300000 Schulden kann ich mir 20 Jahre lang 15’000.- für die Rentenaufbesserung leisten.

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