Die wahren Perlen liegen vor der Haustüre

Jagd nach der Dividendenperle: Wer regelmässige Erträge will, investiert besser in Europa. Foto: iStock

Auf Anraten der UBS kaufte ich vor Jahren den Fonds UBS (CH) Emerging Markets High Dividend USD P (UBF). Leider blieb dieses Wertpapier seither einer der uninteressantesten Posten, ja sogar ein Verlustposten in meinem Depot. Wie sehen Sie diesen Fonds? J.V.

Der von Ihnen gehaltene Anlagefonds investiert global in Aktien von Firmen aus aufstrebenden Schwellenländern. Dazu zählen Investments in China, Russland, Taiwan, Thailand, Brasilien, Indien, Mexiko und weiteren Emerging Markets. Am meisten Kapital ist derzeit in Taiwan parkiert. Zusätzlich hat sich der Fonds zum Ziel gesetzt, in diesen Märkten Dividendenperlen zu nutzen, also Aktien, welche eine hohe Dividendenrendite aufweisen.

Aus meiner Sicht gehen Sie mit diesem Fonds hohe Risiken ein – und zwar gleich in dreifacher Hinsicht.

Erstens beinhalten Anlagen in Schwellenländer per se sehr hohe Risiken. Typisch für diese Emerging Markets ist, dass deren Aktien extrem hohen Schwankungen ausgesetzt sind und die wirtschaftliche und politische Entwicklung der einzelnen Staaten oft schwer einschätzbar ist. Länder wie Russland oder auch Brasilien sind zum Beispiel stark von den Rohwarenmärkten abhängig. Wenn diese tauchen, muss man schnell mit beträchtlichen Buchverlusten auf Aktienengagements in diesen Staaten rechnen. Darüber hinaus werden die Börsen in den Emerging Markets oft durch die instabilen politischen Rahmenbedingungen beeinflusst.

Zweitens tragen Sie ein hohes Risiko aufgrund der Tatsache, dass es sich bei diesem Finanzvehikel um einen reinen Aktienfonds handelt. Dieser bietet zwar eine breite Diversifikation nach Ländern und Unternehmen. Der hohe Aktienanteil führt aber dazu, dass nur schon aufgrund der Anlageklasse mit enormen Schwankungen zu rechnen ist.

Zu den grössten Positionen des Fonds gehören denn auch Unternehmen wie Taiwan Semiconductor Manufacturing, die russische Sberbank oder die Industrial & Commercial Bank of China, welche auch als Einzelunternehmen deutliche Kursschwankungen aufweisen.

Drittens tragen Sie ein beträchtliches Währungsrisiko. Geschmälert wird die Rendite für Sie ausserdem durch die dem Fonds belasteten Gebühren. Mit einer Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio von 1,23 Prozent geht ein Teil der erwirtschafteten Rendite schon mal weg.

Trotz Fokus auf Unternehmen mit schönen Dividendenzahlungen halte ich diesen aktiv geführten Emerging-Markets-Aktienfonds aufgrund der hohen Risiken für eher konservative Anleger nicht für geeignet. Sinn macht der Fonds allenfalls als Abrundung eines global breit diversifizierten Depots. Ob dies in Ihrem Fall zutrifft, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.

Wenn jemand an regelmässigen Erträgen aus Dividenden interessiert ist, würde ich dafür sicher nicht in einen Emerging-Markets-Fonds investieren, sondern Finanzvehikel nutzen, welche sich auf Schweizer Dividendenperlen wie Swiss Re, Zürich, Swisscom oder Nestlé fokussieren oder auch europäische Titel mit hoher Dividende wie Royal Dutch oder ProsiebenSat1 nutzen.

Auch bei solchen Papiere müssen Sie Kursschwankungen tragen. Im Vergleich zu den Emerging Markets sind die Schwankungen und Risiken der europäischen Märkte deutlich geringer und die einzelnen in den Fonds berücksichtigten Unternehmen für Sie als Privatanleger eher überschaubar.

 

3 Kommentare zu «Die wahren Perlen liegen vor der Haustüre»

  • Tinu Berger sagt:

    Herr Spieler: Warum sie im Moment ProsiebenSat1 empfehlen bleibt ihr Geheimnis. Vielleicht mal die aktuellen News studieren. Man könnte z. B. verschiedene, dividendenstarke Aktien aus UK vorschlagen, wie sie das zumindest mit RDS gemacht haben. Vorteile in UK: Dividende quellensteuerfrei, Dividende unterjährig, möglicher langfristiger Währungsgewinn / relativ geringes Währungsrisiko…

  • Vinzenz Bieri sagt:

    Hinsichtlich dieser Empfehlung des Anlageberaters würde Kostolany sagen: „Dem Broker glaube nicht“.

  • Alain Surlemur sagt:

    Eine hohe Dividende ist normalerweise ein Zeichen dass die Firma wenig wächst ( Swiss Re, Zürich, Swisscom oder Nestlé), oder dass die Dividende hoch ist weil der Aktiekurs aus guten Gründen abgeschmiert ist. Royal Dutch ist stark vom Ölpreisabhängig, da können die Gewinne schonmal ausbleiben. Und von ProsiebenSat1 würde ich eh die Finger lassen. Nicht jede Aktie mit einer optisch hohen Dividende ist ein Schnäppchen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.