Finger weg von Diamanten als Geldanlage

«Diamonds Are a Girl’s Best Friend»: Als Geldanlage sind Diamanten für Private allerdings schlecht geeignet. Foto: Reuters

Ich habe einen Grossneffen, der mir unbedingt Diamanten anbieten wollte. Ich hab ihn vermutlich etwas brutal ausgelacht und ihm gesagt, er solle die Finger davon lassen. Bin ich mit meinem Sicherheitsfimmel generationenabhängig überholt? Was sagen Sie dazu? F.G.

Diamanten beinhalten durchaus Wertsteigerungspotenzial. Die Nachfrage nach erstklassigen Diamanten ist weltweit stark – insbesondere in vielen Ländern Asiens. Dank des höheren Wirtschaftswachstums ist dort eine breitere Schicht an Menschen zu mehr Vermögen gelangt.

Das Angebot an Spitzendiamanten ist aber beschränkt, was die Preise stützt. Das würde zwar durchaus für ein Engagement in Diamanten sprechen. Dennoch rate ich Ihnen als Privatanlegerin davon ab. Erstens müssen Sie bei den Diamanten-Notierungen jederzeit mit starken Kursschwankungen rechnen. Zweitens ist für eine Anlage in Topdiamanten viel Kapital nötig und drittens stufe ich die Risiken einer solchen Anlage als sehr hoch ein.

Regelmässig höre ich von längst nicht immer seriösen Diamantenhändlern, welche Privatleuten angebliche Spitzendiamanten zum Schnäppchenpreis offerieren und die wildesten Geschichten erzählen, warum sich zufälligerweise gerade diese einmalige Kaufgelegenheit bietet. Leider sind längst nicht alle Diamanten echt. Und auch nicht alle Ware ist von erstklassiger Qualität. Als Privatanleger und in Sachen Edelsteinen ein Laie ist man kaum in der Lage, die Werthaltigkeit von Diamanten richtig einzustufen.

Hilfe bekommt man von Gemmologen und den von ihnen erstellten Diamant-Zertifikaten, welche bescheinigen, dass ein Diamant echt ist, und Auskunft geben über dessen Eigenschaften sowie dessen Herkunft. Herausgeber von solchen nummerierten Zertifikaten sind zum Beispiel das Gemological Institute of America (GIA), Hoge Raad voor Diamant (HRD) und das International Gemological Institute (IGI).

Allerdings können auch Fälscher Fantasiezertifikate basteln, welche Seriosität vorgaukeln. Darum ist es wichtig, dass man nur Edelsteine mit Zertifikaten von international bekannten und renommierten Instituten erwirbt und sich vor einem möglichen Kauf von unabhängigen Gemmologen beraten lässt. Ansonsten geht man das Risiko ein, übers Ohr gehauen zu werden. Diamanten ohne Zertifikate sollte man ohnehin nicht kaufen, selbst wenn ein Käufer eine noch so gute Story auftischt.

Doch selbst wenn der Diamant bewiesenermassen echt und von guter Qualität ist, stellt sich für Sie die Frage, wo und wie Sie diesen aufbewahren. Aus Sicherheitsgründen kommt in der Regel nur ein Bankfach infrage, das Sie allerdings wieder Gebühren kostet.

Angesichts des für Spitzendiamanten nötigen hohen Kapitalbedarfs, der schwer erreichbaren Diversifikationsmöglichkeiten und der erhöhten Risiken wäre es ohnehin sinnvoller, in Edelsteine wie Diamanten nicht direkt, sondern über Fonds zu investieren. Allerdings gibt es international nur wenige entsprechende Fonds, welche in der Regel punkto Gebühren auch noch teuer sind.

Sicher kennen Sie den berühmten Song von Marilyn Monroe «Diamonds Are a Girl’s Best Friend». In Anlehnung daran, würde ich Diamanten unabhängig von der Hoffnung auf eine mögliche Wertsteigerung nur als schönen Schmuck erwerben.  Das stellt durchaus auch einen Wert dar. Von Diamanten als Geldanlage würde ich aufgrund der hohen Komplexität und des Risikogrades persönlich aber die Finger lassen.

 

9 Kommentare zu «Finger weg von Diamanten als Geldanlage»

  • Peter Müller sagt:

    Das erinnert mich an meine Jahre im Diamantenland Kongo (RDC). Auch mir und meiner Frau wurden Geschäfte mit Diamanten angeboten. Angesichts der zahlreichen „Verschwundenen“ in diesem Bereich kam ich zur Erkenntnis, Hände weg, wenn du nicht ein Diamantenexperte bist. Ich selbst könnte kaum einen Diamanten von einem Stück Glas unterscheiden. Das erinnert auch an den Fall, als eine Fälschung in Genf von Experten als echt bescheinigt wurde.

    Grundsächlich ist es empfehlenswert, in Realwerte zu investieren, um sich vor den Kapriolen der Finanzmärkte zu sichern. Aber man sollte Werte wählen, die auch Rendite abwerfen und nicht nur Kosten erzeugen wie Edelsteine und Edelmetalle.

  • Urs Zetterer sagt:

    Sehr guter Beitrag! Vielen Dank! Er wird, so hoffe ich, den einen und die andere vor unbedachten Anlagen bewahren.

  • Marcel Senn sagt:

    Ich habe in den 80er Jahren mal als Diamantensortierer für Rohdiamanten bei De Beers in der Central Selling Organisation (CSO) gearbeitet. Damals gingen rund 85% aller Rohdiamanten weltweit durch jenes Haus und wurden dann an einen exquisiten Händlerkreis zum schleifen in sogenannten „Sights“ ca 10x pa verkauft.
    .
    Das interne Preisbuch für die über 2000 Qualitäts- und Grössenklassen war dabei eines der bestgehüteten Geheimnisse, da der Quasimonopolist De Beers damals die Preise über die Bestände in den vielen Tresoren „gemacht“ hat, weils es vorher extreme Preisschwankungen gab von Jahr zu Jahr – ein Diamant soll aber eher wertbeständig sein.
    Seit 2000 ist DeBeers kein Quasimonopol mehr, aber von Diamanten als Wertanlage würde ich als Laie definitv die Finger lassen.

  • Susanne Pirsig sagt:

    Vielen Dank! Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt! Als ö.b.u.v. Sachverständige für Diamanten, Perlen sowie Juwelen, Gold- und Silberschmuck muss ich leider relativ häufig Menschen über ihre vermeintliche Wertanlage aufklären. Dabei erlebe ich, wie sehr sie enttäuscht und auch z. T. verärgert sind.
    Schmuck als Anlage….. am sinnvollsten beispielsweise als Ring an der Hand des Lieblingsmenschen.

  • Miro Riva sagt:

    Diamanten bringen nicht den Schätzwert!
    Schätzwerte sind nur Scheinwerte!

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass qualitativ hochwertige Diamanten, trotz je 2 erstklassichen Zertifikaten von unabhängigen ausgewiesen Gemmologen, kaum oder nur zu einem Drittel der Schätzgutachten verkauft werden können. Zudem ist die Suche nach einem Käufer sehr aufwendig.

    Diamanten haben einfach keinen echten Markt um von Werthaltigkeit zu sprechen. Das ganze ist eigentlich nur eine riesige Promo-Show.

  • Sven Henkel sagt:

    Natürlich ist der Diamant eine wichtige Anlage. Man sollte zuerst einmal feststellen, ob der Diamant für Sie ein Allutrope aus Kohlenstoff oder das Symbol für Liebe ist. Sein größter Vorteil ist die geringe Größe. Er lässt sich im Vergleich zu Edelmetallen hervorragend Verstecken und Transpotieren. Ein Stein mit internationerl Zertifiizierung und Laserinscription kann überall auf der Welt von einem Fachmann leicht identifiziert werden. Besonders günstig wird ein Invesstment, wenn es gelingt die Volatilität des Dollars zu nutzen und Steine von Privat mit Hilfe eines Diamantfachmannes zu erwerben. Ein ausschließlich in Gemmologie ausgebildeter Fachmann wird da eher die zweite Wahl sein. Wie bei allem gilt. Im Einkauf liegt der Gewinn und Gier frißt Hirn. Sven Henkel Hameln

    • Otto Guldenschuh sagt:

      „Besonders günstig wird ein Invesstment, wenn es gelingt die Volatilität des Dollars zu nutzen“
      .
      Wer schon so argumentiert, der sollte von Diamanten definitiv die Finger lassen!
      Wenn Sie Volatilität bei der Zahlungswährung wollen, dann kaufen Sie wenn schon Diamanten besser mit Kryptowährungen, aber auch da kann man auf die Nase fallen.
      Der Gewinn oder auch Verlust liegt immer noch im Verkauf!

  • Max Blatter sagt:

    Dem Artikelverfasser, Herrn Spieler, würde ich raten: Wenn Sie überschüssiges Geld haben, „spielen“ Sie nicht damit, indem Sie es in Diamanten, Gold, Aktien, Marihuana oder was immer anlegen. Investieren Sie lieber in ein eigenes Unternehmen, auf einem Gebiet, von dem Sie etwas verstehen. Vielleicht bleibt es bei einer „Ich-Firma“, vielleicht können Sie aber auch zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. – Aus meiner Sicht gbit’s viiieeel zu wenig Frauen und Männer, die diesen Weg gehen. Es ist AUCH ein risikoreicher Weg (wie die Diamanten), aber HIER lohnt sich das Risiko auch aus gesellschaftlicher Sicht.

  • Rolf Zibung sagt:

    Lieber Herr Spieler
    Ein interessanter Artikel. Allerdings gehe ich nicht mit Ihnen einig. Geld in Diamanten anzulegen, kann durchaus Sinn machen. Wie Sie richtig schreiben, ist es sinnvoll, in Spitzendiamanten zu investieren. Ich weiss, dass es nicht einfach ist, einen qualitativ hochstehenden Diamanten von einem ’normalen‘ Diamanten zu unterscheiden. Wenn Sie ein Top-Produkt kaufen, dürfte der Verkauf wenig Mühe bereiten. Ihre Aussage, dass man bei Diamanten-Notierungen jederzeit mit starken Kursschwankungen rechnen muss, ist falsch! Das Gegenteil ist der Fall. Da jeder Stein individuell berechnet wird, bewegt sich dieser Markt sehr träge. Ihr Hinweis, dann lieber auf Fonds zu setzen, ist – leider – typisch. Als ob der Finanzmarkt nicht kollabieren könnte… Swissair lässt grüssen.

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