Dividendenperlen glänzen im Sturm

Trotz Kursschwankungen: Die Unternehmensgewinne der Dividendenperlen entwickeln sich derzeit erfreulich.   Foto: Shutterstock

Wir sind ein Ehepaar, über 70-jährig und beide bei guter Gesundheit. Ich las in der «SonntagsZeitung» Ihren Artikel über Dividendenperlen, insbesondere über den erwähnten ETF SPI Select Dividend 20 Index. Es reizt mich, 40’000 bis 50’000 Franken zu investieren. Wäre der Zeitpunkt für einen Kauf jetzt gut, oder wäre es besser, bis nach den Zinszahlungen von Roche und Novartis zu warten? B. B.

Gleich vorweg: Den idealen Zeitpunkt, um bei Aktien oder Indexprodukten, welche an einen Aktienindex gekoppelt sind, einzusteigen, gibt es nicht. Zwar sind viele Aktien aufgrund der Korrektur etwas günstiger geworden. Sie wissen aber nicht, ob es im Laufe dieses Jahres vielleicht noch viele weitere Korrekturen gibt. Dann hätten Sie teuer gekauft.

Da Sie primär an den Dividenden interessiert sind und weniger an der eigentlichen Kursentwicklung, spielen die Kursschwankungen für Sie eine sekundäre Rolle. Dies trifft allerdings nur zu, wenn Sie wirklich die nötige Risikobereitschaft und vor allem auch gute Nerven haben. Denn Sie müssen sich bewusst sein, dass nach den Jahren mit tiefen Zinsen und steigenden Aktienkursen die Märkte noch weit stärker korrigieren könnten, als wir es jetzt im Februar gesehen haben. Manch einer bekommt dann eben doch kalte Füsse, wenn die Kurse massiv tiefer notieren.

Rational kann Sie die Kursentwicklung aber kaltlassen, solange Sie bei den Dividendenperlen die gewünschten Erträge erwirtschaften. Und dafür sieht es momentan nicht schlecht aus. Die erhöhte Nervosität an den Finanzmärkten ändert nichts daran: Die Unternehmensgewinne entwickeln sich derzeit sehr erfreulich, und einige Börsenfirmen haben sogar eine Erhöhung der Dividende angekündigt. Aktuelles Beispiel ist der Versicherer Zurich Allied, welcher der Generalversammlung beantragt, die ohnehin schon hohe Dividende zu steigern und zusätzlich ein Aktienrückkaufprogramm zu starten.

Unabhängig von der Situation an den Finanzmärkten, die schwer beurteilbar ist, ist der Zeitpunkt für den Kauf von Dividendenperlen wegen der bevorstehenden Dividendenausschüttungen momentan attraktiv: Denn wenn Sie jetzt noch kaufen, kommen Sie bei den meisten Firmen bereits in den nächsten paar Wochen und Monaten in den Genuss der Dividende. Dies gilt auch, wenn Sie einen Exchange Traded Fund erwerben, der etwa an den SPI Select Dividend 20 Index gekoppelt ist.

Nun haben Sie mir geschrieben, dass Sie eine grössere Position Roche-Genussscheine besitzen. Auch diese werfen eine schöne Dividende ab. Allerdings tragen Sie bei diesem Titel ein Klumpenrisiko, da dies weitaus die grösste Position in Ihrem Depot ist. Da rate ich Ihnen zu mehr Diversifikation. Das geht einfach, indem Sie weitere Dividendenperlen wie Zurich, Swiss Re, Swisscom, Nestlé, Swiss Life oder Adecco kaufen oder indem Sie eben einen ETF nutzen, welcher an einen Dividendenperlen-Index gekoppelt ist.

Abwarten mit einem Kauf eines solchen würde ich trotz Ihrem Klumpenrisiko bei Roche nicht. Zwar ist es so, dass gerade Dividendenperlen und entsprechend auch ETFs, welche an Aktien mit hoher Dividendenrendite gebunden sind, nach der Dividendenausschüttung sinken – weil ja die Dividende weggeht. Sie können dann in der Tat günstiger kaufen.

Gleichzeitig verpassen Sie aber kurzfristig die Dividenden, welche nun in den kommenden Wochen ausgeschüttet werden. Der Kurs wird ohnehin stark schwanken – die Dividenden hingegen hätten Sie auf sicher. Wenn Sie also mit dem deutlich erhöhten Kursschwankungsrisiko gut leben können, halte ich derzeit den Zeitpunkt, um noch von den Dividenden zu profitieren, für interessant.

4 Kommentare zu «Dividendenperlen glänzen im Sturm»

  • Markus Mühlbacher sagt:

    Lieber Herr Spieler, zu bedenken wäre noch der steuerliche Aspekt: Dividenden sind voll einkommensteuerpflichtig – Kursgewinne jedoch nicht. Wer die Papiere kurz vor der Ausschüttung verkauft, streicht steuerfreie Kursgewinne ein. Nach der Ausschüttung fällt der Kurs ungefähr in der Höhe der Dividende, und das Papier kann entsprechend günstiger gekauft werden.

  • ROLAND BONT sagt:

    was bringt mir eine dividendenrendite von 4 prozent, wenn der aktienmarkt vor einem top des schon 9-jährigen bullenmarktes steht. banken sind keine berater, sondern in erster linie verkäufer. die banken stehen mit der tiefzinspolitik und dem sich verbesserten makrobild glogal in einem befristeten schönwetterfenster. sobald die aktienmärkte fallen, wir stehen in den letzten monaten des börsenhaussezyklus seit 2009, beginnt das banken-kartenhaus mit der immer noch horrenden überschuldung global zu kippen. gelesen unter derkursstimmt. vor allem china tritt immer dominanter auf, die usa versuchen ihr noch-weltimperium zu halten, mit jeglichen mitteln, auch einer bewusst gewählten usd-schwäche-politik seit der trump-wahl.

  • Karl von Bruck sagt:

    Stimme den beiden Kommentatoren bei. Bei allen Aktien sollte auch das immer horrendere Missverhaeltnis der kuenstlich hoch getriebenen Kurse mit dem mickrigen Buchwert ausgewiesen werden. Bei den meisten Dividenden“perlen“ werden schon heute Gewinne verteilt, die – vielleicht – erst in Jahren oder Jahrzehnten verdient oder jetzt auf dem Puckel von Personal und Kunden errafft werden….

  • Anh Toàn sagt:

    „The trend is your frind“ „Never catch a falling knife“

    Sieht es so aus, als sei die Korrektur abgeschlossen und neue Höchstwerte werden angepeilt? Für mich nicht:

    Als unbedarfter Kleinanleger wird einem nur sehr selten der Einstieg nahe den Tiefständen gelingen. Warum heute kaufen, auch wenn es billig erscheint, was morgen billiger sein könnte? Kurzfristige Verluste schmälern den langfristigen Gewinn!

    Persönlich habe ich mich lange gegen diese Einsicht gewehrt. Ich halte noch immer nichts von Charttechnik als Strategie, aber zumindest deren Grundlagen für taktische Entscheide zu nutzen, halte ich für elementar.

    Zur Zeit stellt sich einem defensiven Anleger eher die Frage, ob dies tatsächlich nur eine Korrektur ist, Bärenmärkte sehen zu Anfang wie eine Korrektur aus.

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