Sind Ramschanleihen eine Alternative?

Der Schein trügt: Mit Ramschanleihen lassen sich durchaus Renditen einfahren. Wenn man das Risiko nicht scheut. Foto: Shutterstock

Es ist ein Jammer mit den Zinsen: Mit Obligationen verdient man fast nichts mehr. Was soll man noch kaufen? Ich habe auch schon von Junk Bonds gehört, welche attraktiv sein sollen. Ich weiss aber nicht genau, was das ist. T.B.

Junk Bonds sind Obligationen von Schuldnern mit schlechtem Rating und erhöhtem Ausfallrisiko. Kritisch werden solche Papiere an den Finanzmärkten oft auch Ramschanleihen oder ebenso wenig schmeichelhaft als Schrottanleihen bezeichnet. Neutraler werden solche Papiere auch als High Yield Bonds eingestuft – also Hochzinsanleihen.

In einem Punkt sind sich solche Anleihen immer gleich: Sie verfügen über ein schlechtes Kreditrating – unter BBB – oder zum Teil über gar kein Rating. Und sie repräsentieren einen schwachen Schuldner. Weil für die Besitzer solcher Junk Bonds die Ausfallgefahr deutlich erhöht ist, werden sie mit einem attraktiveren Zins entschädigt.

Nachdem man mit erstklassigen Schuldnern grösste Mühe hat, in der Anlageklasse Obligationen eine anständige Rendite zu erzielen, weichen auch Privatanlegerinnen und -anleger vermehrt auf Hochzinsanleihen aus und nehmen das höhere Risiko in Kauf – bewusst oder manchmal auch unbewusst.

Tatsächlich konnte man im letzten Jahr mit einigen High-Yield-Obligationen und entsprechenden Fonds und Exchange Traded Funds (ETF) erfreuliche Renditen erreichen. Die Risikoprämien sind teilweise erstaunlich tief gefallen. Solange die Konjunktur in Fahrt ist und die Zinsen tief bleiben, kann eine High-Yield-Bond-Strategie aufgehen. Sollte der Wirtschaftsmotor irgendwann dann doch wieder ins Stocken geraten und die Zinsen steigen, befürchte ich bei vielen Hochzinsanleihen heftige Korrekturen.

Auch wenn man sich wie Sie darüber ärgert, dass man mit Anleihen von guten Schuldnern nur sehr geringe Renditen erzielt, welche oft noch durch Gebühren aufgefressen werden, sollte man nicht vergessen, welche Risiken man eingeht, wenn man auf der Suche nach Alternativen mit mehr Zins ins High-Yield-Segment ausweicht.

Immer beliebter werden auch bei Privatanlegern nachrangige Anleihen und Coco-Bonds. Doch auch diese weisen ein im Vergleich zu Papieren von erstklassigen Schuldnern deutlich erhöhtes Ausfallrisiko auf. Ein Lehrstück, was einem mit Coco-Bonds blühen kann, bekam man im vergangenen Sommer vor Augen geführt, als der spanische Banco Popular in Schieflage geriet und viele Anleger mit Coco-Bonds des Institutes Geld ans Bein streichen mussten.

Sichere Franken-Anleihen von guten Schuldnern dürften auch in diesem Jahr sehr tiefe Renditen bringen, was eine Anlage reizlos macht. Wenn Sie die höheren Renditemöglichkeiten bei Anleihen von Schuldnern mit schlechtem Rating locken, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie den höheren Zins mit den erhöhten Risiken bezahlen.

Hier würde ich weniger auf Einzelanleihen setzen, sondern Fonds und Exchange Traded Funds vorziehen. Zwar müssen Sie auch hier mit Ausfällen rechnen, deren Risiken werden aber durch die Vielzahl von verschiedenen Bonds und Schuldnern abgefedert – aber keineswegs ausgeschlossen.

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