Verwaltungsgebühren fressen Vermögen weg

Ausser Spesen nichts gewesen: Mit konservativen Anlagestrategien ist momentan kaum Geld zu verdienen. Foto: Keystone

Wir haben bei unserer Hausbank, mit Start 2013, über 400’000 Franken in ein Vermögensportfolio angelegt. Stand Ende 2017: 404’000 Franken und Gebühren von 17’000 Franken. Wenn ich dieses Geld in Top-Aktien mit drei bis vier Prozent Dividendenrendite angelegt hätte, wäre der Stand höchstwahrscheinlich 480’000 bis 500’000 Franken. Was raten Sie? Das Mandat aufzulösen und über längere Zeit in Top-Aktien zu investieren? H.B.

Die Performance Ihrer Bank ist in der Tat bescheiden und für Sie ärgerlich: Ausser Spesen ist für Sie nichts gewesen. Nun weiss ich allerdings nicht, nach welchen Vorgaben Ihre Bank das Geld angelegt hat. Ich nehme an, dass die Bank den Auftrag hatte, das Kapital konservativ zu investieren. Dann hat sie mit grosser Wahrscheinlichkeit vor allem auf sehr konservative Frankenanleihen gesetzt, welche im aktuellen Tiefzinsumfeld kaum mehr eine Rendite abwerfen.

Oft resultiert bei konservativen Frankenanleihen von erstklassigen Schuldnern nach Abzug der Gebühren sogar eine Negativrendite. Man legt also Geld drauf.

Tatsächlich wären Sie wohl sogar besser gefahren, wenn Sie das Geld einfach auf einem sicheren Konto parkiert hätten. Für Sie besonders irritierend ist zweifellos, wenn Sie die schwache Leistung der Bank mit den Berichten über die erfreuliche Entwicklung an den Aktienmärkten vergleichen. Darum kann ich Ihre Überlegung nachvollziehen, Ihr Geld in einige Renditeperlen zu investieren.

Mit solchen Aktien mit einer hohen Dividendenrendite können Sie auch in Schweizer Franken durchaus Renditen zwischen zwei bis fünf Prozent erzielen. Die Papiere des Rückversicherer Swiss Re oder des Versicherers Zürich beispielsweise bringen eine Dividendenrendite von rund fünf Prozent. Auch andere Schweizer Blue Chips wie Swisscom, Swiss Life, Nestlé, Novartis oder Roche erreichen Dividendenrenditen von zwei bis drei Prozent.

Leider hat die Sache einen Haken: Erstens sind die Dividenden nie garantiert. Obwohl Sie bei den erwähnten Firmen durchaus eine hohe Dividendenstabilität erwarten dürfen, gibt es keine Garantie, dass die Dividendenrendite immer so hoch bleibt und dass tatsächlich immer eine Dividende ausgeschüttet wird. Im Krisenfall kann auch auf eine Ausschüttung einer Dividende verzichtet werden, wie man es im Zuge der Finanzkrise bei den Grossbanken erlebte.

Zweitens sind die Schwankungsrisiken bei Aktien deutlich höher als bei Anleihen. Im aktuell positiven Börsenumfeld hätten Sie mit den Dividendenperlen nicht nur schöne Erträge erwirtschaftet, sondern zum Teil auch beträchtliche Buchgewinne erreicht. Doch auch diese sind keineswegs garantiert. Im Gegenteil: Nachdem die Aktienmärkte schon deutlich gestiegen sind, müssen Sie jederzeit mit einer Korrektur rechnen. So kann es sein, dass Sie bei Dividendenperlen plötzlich auf beträchtlichen Buchverlusten sitzen. Da müssen Sie die nötige Risikofähigkeit und die Nerven besitzen, um dies aushalten zu können.

Bevor Sie eine Strategieänderung wie von Ihnen beschrieben vollziehen, empfehle ich Ihnen, genau zu überlegen, wie viel Risiko Sie eingehen wollen und können. Dividendenperlen sollten Sie nur halten, wenn Sie Buchverluste problemlos verkraften können und die Papiere mit einem langen Anlagehorizont von mindestens fünf bis acht Jahren halten möchten.

Wichtig ist auch, dass Sie eine breite Diversifikation sicherstellen. Mit einigen wenigen Dividendenperlen gehen Sie nämlich ein Klumpenrisiko ein, was zu vermeiden ist.

11 Kommentare zu «Verwaltungsgebühren fressen Vermögen weg»

  • Anh Toàn sagt:

    Vor kurzem haben Sie Einzahlungen in die 3 Säule empfohlen, man könne da sein Geld auch anlegen, in Fonds: Und das passt nicht zu diesem Beitrag:
    Mindestens die Hälfte der 3. Säule muss in solch sicheren CHF Bonds angelegt werden, welche nach Verwaltungskosten sicher eine negative Rendite bringen. Knapp die andere Hälfte wird in klassischen Schweizer Blue Chips oder Indexfonds angelegt, mit völlig überteuerten Verwaltungsgebühren: Das kann jeder Banklehrling im dritten Lehrjahr!

    Sie nehmen an, die Bank hatte den Auftrag, das Geld konservativ zu investieren, und erklären sich damit das unbefriedigende Resultat: Das BVG verlangt, das Geld konservativ zu investieren. Aber das darf man nicht selber, man muss teuere Gebühren zahlen für Berater, welche konservativ investieren.

    • Karl von Bruck sagt:

      Bingo!

      Die Banken zocken 25 % auf dem Eigenkapital ab (Joe Ackermann: Entweder es aendern sich die Zahlen, oder die Gesichter!). Fuer Megaanleger gibts noch rund 10 %. Konsumenten legen drauf. Fuer Verwaltung und Handel zocken Baenkster Prozente ab. Dabei wuerde eine Tobintax von ein paar Promille kaum mehr auffallen. Missbraucht ein Bankhelot Insiderwissen fuer die persoenliche Bereicherung, wird er gehaengt, „braucht“ er es aber „nur“ zur Ueberfettung der Oberbaenkster und der Bankaktionaere, wird er belohnt und vor Strafverfolgung beguenstigt…..

    • Anh Toàn sagt:

      Zum BVG muss ich noch loswerden: Wenn Sie recht haben, das BVG lohne sich für den Einzahler, wegen den Steuervorteilen, macht der Einzahler ein im Kern dummes Geschäft für ihn mit seiner Bank. Er macht es, weil er dank dem Steuerabzug einen Vorteil hat. Die Bank hat aber auch einen Vorteil, sie kann so die Gebühren kassieren: Dank dem Steuerabzug beim Kunden können die Banken diesem überteuerte Produkte andrehen: Die steuerliche Bevorteilung der Säule 3a kommt mindestens so sehr den Banken zu Gute, wie dem Einzahler:
      Es ist (auch) eine Subvention der Banken aus Steuermitteln: Die Banken kassieren einen Teil der Steuern, die wir sparen wollen.

  • Guter Rat ist nicht teuer sagt:

    Dem ursprünglichen Frage-Steller kann ich nur raten, „Direkt-Investitionen“ zu tätigen: D.h. CH blue chips Aktien mit guter und konstanter Dividendenrendite über die letzten Jahre. Natürlich, wie M.S. erläutert, muss der Anlagenhorizont sicher 5 – 10 Jahre dauern. Ich selber habe vor ca. 10 Jahren damit angefangen (mit konsequentem buy and hold) … jetzt steh ich bei knapp 80k Dividendeneinkommen pro Jahr (und Buchgewinne nicht vergessen). Mit meinen 47 Jahren, werde ich per Ende Jahr auf 80% Arbeit reduzieren (Steueroptimierung!); fertig schaffe in max 5 Jahren.. ;-); schöns Tägli. G.A.

    • Keller sagt:

      Bei einer Anlagesumme von 2. Mio. Haben Sie ca. 80K Dividende im Jahr, aber nicht alle haben diesen Investitionsbetrag!

      • Guter Rat ist nicht teuer sagt:

        Lieber Hr. Keller
        Leider haben Sie meine Kernaussagen verkannt.
        1. Empfehle ich Aktiensparen (und zwar Direktinvestitionen) als langfristige Strategie (> 10 Jahre)
        2. Fängt man am besten früh und mit regelmässigen Beträgen an (monatlich / quartalsweise); hilft auch den Einstandspreis zu nivellieren bei Marktbewegungen;
        3. Falls möglich, Netto-Dividende gleich reinvestieren um den Hebel zu vergrössern (mehr Aktien = mehr Dividende)
        Im Falle von H.B. oben hätte eine Investition von 400k in ZURN und SREN ca. 20k Bruttodividende pro Jahr abgeworfen… und nach 5 Jahren wäre ca. 500k Kapital vorhanden gewesen…
        Extra Tipp: 1. Finger weg von Strukkis, Oblifonds, Aktienfonds u.ä. .. gibt nur hohe Gebühren und lausige Performance. 2. Depot- und Tradinggebühren vergleichen! Good luck. G.A.

  • Bigger René sagt:

    Mit der Vermögensverwaltung machten wir leider die gleiche Erfahrung wie
    Herr H.B. Auch mit dem empfohlenen Anlagehorizont von 5 Jahren hat es für
    uns keine Rendite gebraucht. Schade um die vergangenen Jahre, aber zum Trost ohne Buchverlust. Entscheiden Sie sich Ihr Depot der Vermögensverwaltung aufzugeben oder stark zu reduzieren. Entgegen den Empfehlungen der Bänkler zahlen Sie eventuelle Kredite teilweise zurück und mit dem Rest kaufen Sie etwas wenig Aktien oder machen Sie eine Schenkung an Ihre Kinder und gehen Sie in den nächsten Jahren öfters in die Ferien.

  • P.Meier sagt:

    Denkfehler: Die Inflation wurde nicht berücksichtigt, effektiv hat die Anlegerin heute mit ihren 404`000.- weniger Kaufkraft, als sie es mit den 400`000.- vor 4 Jahren hatte. Ergo sie hat Vermögen verloren. Die Vermögenssteuer ist zwar nur im Promille Bereich, sie sollte aber ebenfalls in die Berechnung mit einfliessen.

    • Andreas Willy Rothenbuehler sagt:

      Gut angelegt war das Geld sicher nicht.Aber mit der Inflation ist es so eine Sache.Wenn zum Anlage Zeitpunkt mit dem Geld ein Rustico im Calancatal gekauft worden wäre, wäre es vielleicht heute schlicht unverkäuflich. Das Zeitalter der „absoluten“ Anlage ist vorbei.

  • Alain Surlemur sagt:

    Beispiel eines Bekannten:

    Eine Kantonalbank schlug ihm vor: Vermögensverwaltungsmandat, 3/4 in einem Obligationenfond ( garantiert negative Rendite, aber Spesen für die Bank ) und 1/4 in einem aktiv gemanagten Aktienfond ( kräftig Spesen, Performance fraglich ). Für diese Meisterleistung sollte er nochmals 1.1% p. a. An „Vermögensverwaltungsgebühr“ abdrücken. Ich kann nur den Kopf schütteln…

    3/4 auf dem Sparbuch und 1/4 über einen Discountbroker in ETFs würden bessere Ergebnisse bringen….

  • Peter Schuler sagt:

    1. Eine Bank arbeitet grundsätzlich für sich und nicht für Sie. Wenn für Sie noch etwas abfällt, ist das ein schöner Nebeneffekt.
    2. Erfolg ist immer mit Risiko verbunden. Wenn Sie den Auftrag so erteilen, dass ein Kapitalverlust praktisch ausgeschlossen ist, schliessen Sie damit den Erfolg auch gleich aus. Dazu kommen dann noch die Spesen und die Verwaltungsgebühren.
    3. Also selber machen. Riskieren Sie nur jenen Teil Ihres Vermögens, dessen Verlust Sie überleben würden. Mit 400’000 Fr. können Sie ein ausgeglichenes Depot mit 10 gut diversifizierten Einzeltiteln zusammenstellen. Die Depotkosten sind ca. 0,25 % pro Jahr, die Rendite etwa 6 % im langjährigen Schnitt. Und in einem schlechten Jahr nicht gleich die Nerven verlieren!

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