Planen Sie die eigene Pensionierung frühzeitig

Gut geplant ist halb gewonnen: Es lohnt ich doppelt, die Pensionierung sorgfältig vorzubereiten. Foto: Shutterstock

Im Januar wird meine Lebensversicherung in der Höhe von 70’000 Franken ausbezahlt. Was soll ich mit diesem Geld machen? Ich besitze zusammen mit meiner Partnerin eine kleine Immobilie mit einer Hypothek von 400’000 Franken und habe vier 3.-Säule-Konten. K.S.

Ihrem Schreiben entnehme ich, dass Sie 60 Jahre alt und noch erwerbstätig und einer Pensionskasse angeschlossen sind. Bevor Sie das Geld, welches nun aus der Lebensversicherung fällig wird, investieren, empfehle ich Ihnen, eine Gesamtsicht vorzunehmen und eine detaillierte Pensionsplanung erstellen zu lassen.

Sie haben zwar bereits gut vorgesorgt, indem Sie über die Pensionskasse eine Lebensversicherung und eine steuerbegünstigte 3. Säule mit vier Konten besitzen. In Ihrem Fall sollten Sie systematisch planen, zu welchem Zeitpunkt Sie die 3.-Säule-Konten beziehen, wann Sie genau in Pension gehen und welche Folgen dies für Ihre Hausfinanzierung und Ihre finanzielle Situation im Alter als Ganzes hat.

Da Sie mir ebenfalls schreiben, dass Sie mit Ihrer Lebenspartnerin unverheiratet sind, würde ich mir überlegen, ob Sie nach Ablauf der Lebensversicherung nicht eine reine Todesfallrisikoversicherung abschliessen möchten. Das kostet Sie nicht viel, gibt Ihrer Lebenspartnerin aber einen zusätzlichen Schutz, zumal Sie die Immobilie gemeinsam besitzen.

Da die Lebensversicherung im Januar ausläuft, sollten Sie aus Steuergründen nicht im gleichen Jahr auch bereits ein 3.-Säule-Konto beziehen. Das wäre zwar möglich, dann zahlen Sie aber mehr Steuern. Darum würde ich das erste Konto erst mit 61 auszahlen lassen und die weiteren mit 64, vorausgesetzt, dass Sie nicht nach der Pensionierung erwerbstätig bleiben.

Schon frühzeitig müssen Sie sich auch Gedanken machen, ob Sie bei der Pensionskasse eine Rente oder das Kapital beanspruchen. Wenn Sie sich mit dem ordentlichen Pensionsalter pensionieren lassen und das Kapital wünschen, würde ich die Pensionskasse erst mit 65 auszahlen lassen, dann haben Sie wegen der 3.-Säule-Konten keine steuerlichen Nachteile.

Sie sehen, das sind über Ihre eigentliche Anfrage hinaus wichtige Aspekte, die eng miteinander zusammenhängen und bei denen es sich lohnt, dass Sie sich von Ihrer Bank und Ihrer Versicherung beraten lassen und einen Auszahlungsplan in Hinblick auf Ihre Pensionierung erstellen lassen. Dadurch können Sie einiges an Steuern sparen. Da Sie noch eine Hypothek von 400’000 Franken halten, würde ich zudem eine Teilamortisation dieser prüfen. Erfahrungsgemäss sind die Banken bei der Immobilienfinanzierung für Rentnerinnen und Rentner aufgrund strengerer Tragbarkeitsregeln deutlich zurückhaltender als früher. Es könnte sein, dass Ihre Bank von Ihnen mit der Pensionierung eine Amortisation verlangt.

Abgesehen davon, zahlt sich für Sie eine Teilamortisation auch aus. Denn jetzt zahlen Sie der Bank mehr Zinsen als Sie auf Ihrem Sparbatzen bekommen. Sie fahren mit der Amortisation somit finanziell besser.

Die Frage ist aber, wie viel übrige Reserven Sie noch haben. Jedenfalls dürfen Sie nicht davon ausgehen, dass die Bank nach einer Teilamortisation Ihre Hypothek im Pensionsalter wieder aufstockt. Dennoch halte ich eine solche in vielen Fällen für sinnvoll. Theoretisch können Sie Ihren Sparbatzen mit deutlich höheren Renditechancen in Aktien oder Fonds anlegen. Damit tragen Sie aber ein erhöhtes Schwankungs- und Verlustrisiko. Darum hat eine Teilamortisation der Hypothek aufs Alter hin aus meiner Sicht einige Pluspunkte.

Nun habe ich Ihrem Schreiben allerdings entnommen, dass Sie eine Festhypothek haben, die noch vier Jahre läuft. Bis dahin können Sie also gar nicht amortisieren. Darum würde ich in der Zwischenzeit die liquiden Mittel, welche Sie nicht benötigen, eher konservativ anlegen – möglich ist dies mittels Anlagefonds oder kostengünstige Exchange Traded Funds. Wobei Sie bei allen Vehikeln vor dem Kauf die Gebühren vergleichen sollten.

Obwohl Aktien eine höhere Rendite versprechen, würde ich den Aktienanteil eher tief halten, da Sie das Geld in vier Jahren allenfalls für die Teilamortisation der Hypothek benötigen. Mit breit diversifizierten Anlagefonds erreichen Sie aber doch eine deutlich höhere Rendite, als wenn Sie das Geld einfach auf dem Konto liegen lassen. Dabei bleiben die Risiken überschaubar, vorausgesetzt, dass Sie eine eher konservative Strategie wählen. Nach vier Jahren können Sie entscheiden, ob für Sie eine Teilamortisation sinnvoll ist oder wie Sie das Kapital sonst nutzen möchten.   

5 Kommentare zu «Planen Sie die eigene Pensionierung frühzeitig»

  • reto studer sagt:

    herr spieler: was halten sie von umkehrhypotheken?

  • Ike sagt:

    Die Auszahlung einer Lebensversicherung wird nicht besteuert. Sie muss in der Steuererklärung nur darum deklariert werden, um den Vermögenszuwachs zu erklären. Darum spielt es keine Rolle, wenn man im gleichen Jahr auch ein normales 3.-Säule-Konto auflöst. Der Rückkaufswert von Lebensversicherungen (3.-Säule-b) muss aber im Gegensatz zur 3.-Säule-a während der ganzen Laufzeit als Vermögen versteuert werden und die Prämien sind nur beschränkt abzugsberechtigt (zusammen mit den übrigen Versicherungsprämien und Zinsen von Sparkapitalien).

  • Karl von Bruck sagt:

    In altfeudalen Zeiten rollten die Koepfe und rauchten die Burgen, wenn den Erschaffern der Werte mehr als 10 Prozent zur Umverteilung abgezockt wurde. Heute bleibt einem Arbeiter nach leistungsloser oder wucherischer Abzocke von den Lohnprozentabzuegen bis hin zur (Ex-)Familiensippenhaftung immer oefter kaum mehr als 10 Prozent des Erschafften. Pensionierte werden sowohl auf Kapital als auch Renten horrend abgezockt. Ausgenommen sind nur Spaetlohndoemper mit einer minimalen AHV-Teilrente unter der Besteuerungsschwelle und viel groesseren EL, die steuerfrei sind. Neben dem Fehlen einer Betreuungsversicherung ist die Besteuerung die Hauptursache fuer die grassierende Altersarmut, die ueber 1/3 der „Nachlaesse“ beim Konkursrichter, statt den von Erbschuldsklaverei bedrohten „Erben“ lan

    • mario simion sagt:

      Richtig geschrieben!
      Dazu kommt der Eigenmietwert, lachhaft!
      Dann im falle, wie hier im Beispiel, einer Frühpensionierung, noch eine Strafahv Zahlung
      bis zum regulärem AHV Alter. Also man zahlt AHV als Frühpensionierter bis man 65 ist, dazu kommt noch von den ABZOCKERN dazu das einem die Beiträge nicht mal mehr gut geschrieben werden.
      Was ist dann eigentich die Frühpensionierung noch Wert?

  • ROLAND BONT sagt:

    banken sind verkäufer und keine sozialen berater. vergessen sie dies nie. meistens passieren die gebühren indirekt und der normal-kunde sieht dies nicht. auch denken sie daran, sie sind kein kunde wenn sie geld aufs sparkonto legen, sondern sie sind kreditgeber, der einer drittpartei, also der bank, einen kredit zu 0 prozent ausleiht, und dafür noch mittels gebühren bezahlen muss. lesen sie swissmaster .ch. schräge welt. alles angefacht von den zentralbanken, unser heutiges fiat-papiergeldsystem steht in einer sehr reifen phase und muss erneuert werden. noch mehr schulden bringen die wirtschaft nicht weiter. warum sind die zinsen 0, wenn wir schon so lange einen aufschwung haben.

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