«BVG-orientiert» ist keine Garantie gegen Verluste

Oft reicht ein heftiger Windstoss: Bei Turbulenzen auf den Märkten können selbst BVG-Gelder plötzlich schwinden. Foto: Getty Images

Das Vermögenszentrum VZ bietet für das ausbezahlte Pensionskassenkapital das Produkt «BVG-orientiert» an. Wie beurteilen Sie dieses Produkt? E.B.

Wie es der Name sagt, richtet sich dieses Produkt auf die Anlagerichtlinien des BVG aus. Diese schreiben zum Beispiel vor, dass der Aktienanteil bei der Anlage des Pensionskassengeldes nicht mehr als 50 Prozent ausmachen darf. Auch der Immobilienanteil ist auf maximal 30 Prozent beschränkt. Alternative Anlagen dürfen nur zu maximal 15 Prozent eingesetzt werden und der Fremdwährungsanteil ohne Absicherung beträgt höchstens 30 Prozent.

Beim Produkt «BVG-orientiert» des VZ, welches faktisch ein Vermögensverwaltungsmandat ist, werden die BVG-Anlagerichtlinien zwar nicht vollständig, aber zu einem sehr grossen Teil umgesetzt. Konkret werden bei 80 Prozent des Wertschriftendepots die Anlageklassen ähnlich gewichtet, wie es der Durchschnitt der Schweizer Pensionskassen tut.

Dabei muss man sich als Anleger bewusst sein, dass Pensionskassen ihr Kapital stark langfristig ausrichten und mit Kursschwankungen gut umgehen können, was nicht jedem Privatinvestor gleich gut gelingt. Immerhin erreicht man eine professionelle Verteilung des investierten Geldes auf die unterschiedlichen Anlagegruppen wie Aktien, Anleihen und Immobilien und erzielt eine Gewichtung, die als recht ausgewogen eingestuft werden darf.

Über diese Strategie hinaus liegt der Pluspunkt des Produktes darin, dass man diese mittels kostengünstiger Exchange Traded Funds umsetzen kann. So verhindern Sie, dass ein Grossteil der erwirtschafteten Rendite gleich wieder von den Bank- oder Fondsgebühren aufgefressen wird. Die ETFs und Indexfonds haben zudem den Vorteil, dass auch mittels dieser Instrumente eine breite Diversifikation erreicht wird, was die Risiken etwas abfedert.

In einem gewichtigen Punkt muss ich Sie aber warnen: Wenn Sie auf dieses Produkt setzen, dürfen Sie trotz der erwähnten Pluspunkte nicht davon ausgehen, dass Sie von Kursrückschlägen verschont bleiben. Trotz professioneller Strategie und breiter Diversifikation müssen Sie auch bei diesem Instrument damit rechnen, dass Sie je nach Marktgegebenheit plötzlich auf erheblichen Buchverlusten sitzen.

«BVG-orientiert» bedeutet keineswegs, dass Sie eine Garantie gegen Verluste haben, sondern umschreibt lediglich die Art der Anlagestrategie. Eine Sicherheit, dass Sie kein Geld verlieren, haben Sie nicht. Vor allem haben Sie keine Garantie, dass damit Ihr Vermögen tatsächlich bis ins hohe Alter hundertprozentig gesichert ist. Auch Pensionskassen arbeiten ja unterschiedlich erfolgreich. Und in schlechten Anlagejahren kommt es auch in der Zweiten Säule bei einigen Kassen immer wieder zu heftigen Rückschlägen, was teilweise den Deckungsgrad der Kassen schwer beeinträchtigt hat.

Das Label «BVG-orientiert» darf Sie nicht dazu verleiten, sorglos zu sein. Lassen Sie sich die Strategie und die damit verbundenen Risiken im Detail aufzeigen und prüfen Sie dann für sich, ob Sie in der Lage sind, die damit verbundenen Risiken zu tragen. Vor allem sollten Sie über eine langfristige Anlageperspektive verfügen und genügend Nerven haben, falls die Finanzmärkte nach der langen Hausse doch wieder längere Zeit durch schwierige Phasen gehen und die Renditen mal enttäuschen.

1 Kommentar zu ««BVG-orientiert» ist keine Garantie gegen Verluste»

  • Karl Knapp sagt:

    Wer sich Kapital aus der PK auszahlen lässt (ohne WEF für Renovationen oder Rückzahlung von Hypotheken), muss sich bewusst sein, dass ER die Verantwortung übernimmt und nicht irgendeine Institution. VZ in allen Ehren, aber ich würde da auch noch mehr diversifizieren.

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