Warum Senioren mehr amortisieren sollten

Ein Leben, eine Immobilie: Festhypotheken bieten zwar Sicherheit. Aber sind sie auch ein gutes Geschäft? Foto: Keystone

Ich hatte meine Festhypothek zu zwei Dritteln auf zehn Jahre und zu einem Drittel auf drei Jahre abgeschlossen. Ich bezahle für die zehnjährige Laufzeit 1,9 Prozent. Heute sind die Zinsen tiefer. Die Hypotheken laufen 2018 aus. Was raten Sie: wieder eine Festhypothek abschliessen oder keine mehr? S. P.

In der Vergangenheit war für Sie die lang laufende Festhypothek eindeutig ein schlechtes Geschäft. Sie hätten in den letzten zehn Jahren Ihre Hausfinanzierung deutlich günstiger haben können und hätten je nach Produkt nur die Hälfte an Zinsen bezahlt. Im Nachhinein ist man natürlich immer klüger.

An Ihrem Beispiel zeigt sich aber die Problematik von langen Festverträgen. Niemand kann eine verbindliche Prognose zu den künftigen Zinsen machen. Wenn man mit seinem Zinsszenario falsch liegt, was ebenso wie bei Währungsprognosen einfach und oft der Fall ist, wirkt sich dies bei langen Festhypotheken brutal aus, wie Sie erleben mussten. Man zahlt lange Zeit zu viel, da man nicht locker aussteigen kann.

Nach Jahren sinkender und tiefer Zinsen glauben nun viele, dass die Zinsen in Zukunft steigen werden. Zwingend ist dies nicht. Es ist durchaus möglich, dass die Sätze hierzulande noch einige Zeit tief bleiben, bevor sie dann wahrscheinlich langsam anziehen. Falls die Zinsen aber schnell und kräftig in die Höhe gehen, wären Sie nun mit dem Abschluss einer länger laufenden Festhypothek gut bedient.

Was wirklich sinnvoll ist, hängt somit von Ihrem Zinsszenario ab. Allerdings sollten Sie bei Ihren Erwägungen nicht allein nur auf die Zinsen achten. Machen Sie sich auch Gedanken, welche Pläne Sie mit Ihrem Haus oder Ihrer Eigentumswohnung haben.

Sie schreiben, dass Sie 70 Jahre alt sind. Da die Banken gegenüber Rentnern restriktiver bei der Verlängerung von Hypotheken geworden sind und oft wegen der strengeren Tragbarkeitsregeln eine Teilamortisation verlangen, wäre es in Ihrem Fall möglicherweise ein Pluspunkt, wenn Sie eine zehnjährige Festhypothek abschliessen könnten. Die Zinsen sind weiter sehr tief, und Sie haben die Sicherheit, erstens sowohl die tiefen Sätze zu binden und zweitens die Hypothek behalten zu können.

Dennoch müssen Sie sich auch mit heiklen Fragen auseinandersetzen: Wie lange wollen und können Sie in Ihrer eigenen Immobilie wohnen bleiben? Festhypotheken schaffen Berechenbarkeit und Sicherheit, was in Ihren Fall ein Pluspunkt sein könnte. Sie werden aber im wörtlichen Sinn zu einer lästigen Hypothek, falls sich die Lebenssituation überraschend verändert und man die Finanzierung nicht mehr wünscht.

Sie müssen sich überlegen, was Ihnen lieber ist: hohe Flexibilität oder möglichst grosse Sicherheit aufs höhere Alter hin. Wenn Sie Letzterem den grösseren Stellenwert einräumen, wäre eine Festhypothek auf acht bis zehn Jahre wohl keine schlechte Wahl.

Bevor Sie aber einen Vertrag abschliessen, noch ein anderer Hinweis: Ich würde auch prüfen, ob Sie nicht mit allenfalls vorhandenen liquiden Mitteln einen Teil der Hypothek amortisieren möchten. Denn auf den Cashbeständen bekommen Sie kaum mehr Zins und gehen bei sehr grossen Beträgen über 100’000 Franken erhöhte Risiken im Fall eines Bankkonkurses ein. Vor allem aber sparen Sie sich bei einer Teilamortisation die Zinskosten.

Wer viel Cash hat, der sollte meines Erachtens die Hypothek reduzieren. Unter dem Strich machen Sie so ein besseres Geschäft.

11 Kommentare zu «Warum Senioren mehr amortisieren sollten»

  • Anton Schneider sagt:

    Noch einmal zu dieser Frage: Cash is King – besonders im Alter und wenn ohne monatliches Einkommen um den Alltag zu bestreiten. Was nützt mir ein Haus ohne Hypothek mit einem Wert von einer Million ohne Cash um den Alltag bestreiten zu können? Verkaufen und ab in eine teuerere Mietwohnung? Steigen die Hypotheken, steigen auch die Ertragschance für sichere Anlagen, das Delta zu den zu bezahlenden Hypotheken dürfe also nicht in die Höhe schiessen.

    • werner boss sagt:

      Ihr „Ertrag“ wird aber mit Sicherheit um Jahre hinterher hinken! Zu erst wollen immer die Banken profitieren, das ist ja ganz logisch , besonders nach dem Minuszins-Debackel .
      Was zu beachten ist sind die leidlichen Steuern, welche uns Alten die Vermögen wegfressen!!

      • Niklas Meier sagt:

        Eigentlich sollte man sich im Alter nur noch überlegen, wie man am meisten Geld für die nächsten 20 Jahre zur Verfügung hat. Werterhalt? Steuern? Langzeithypothek? Tut was immer ihr wollt und noch könnt und schaut, dass ihr das finanzieren könnt. Wen interessieren die Erben und mitnehmen kann man nichts.

  • Karl-Heinz sagt:

    Es gab für mich immer nur eine Richtung: möglichst schnelle Amortisation, in jüngeren Jahren Verbunden mit einer Teilabsicherung durch eine Risiko-Lebensversicherung. Wir haben mehrere Beispiele im Bekanntenkreis, wo in einem Alter von 50 – 63 Jahren der Hauptzahler durch Arbeitsunfähigkeit wegbrach und nun die Familie auf dem Scherbenhaufen sitzt.

    • I. Bissig sagt:

      Ob man mit der Kohle amortisiert oder Vermögen bildet, spielt doch in so einem Fall keine grosse Rolle. Das Haus springt beim Vermögensverzehr früher oder später über die Klinge, wenn zu wenig da ist.

  • Peter Wermelinger sagt:

    Wenn vor 10 Jahren zu 1.9% abgeschlossen hat, hat meines Erachtens hervorragend gehandelt. Natürlich im Nachhinein wäre Libor günstiger gewesen. Vielleicht ist der Herr aber 1. konservativ und 2. haben alle Banken immer von steigenden Zinsen gelavert.
    Herr Spieler gebehtmühlenartiges Gerede über Spesen und immer das Warnen von Bankenkonkursen ist doch nur lächerlich! Ich würde 10 Jahre zu knapp mehr als 1% abschliessen und garantiert nicht reduzieren, denn die Wahrscheinlichkeit, auch schon mit konservativen Anlagen (max. 25% Aktien) ist extrem hoch, im Schnitt in den nächsten 10 Jahren mehr als den Hypothekarzins zu erwirtschaften!

    • Thomas sagt:

      Das Problem ist aber noch ein anderes. Die Laufzeit ist an die Tragbarkeitsberechnung der Banken gekoppelt. Banken nutzen dies sehr gerne um tiefe Hypotheken von Rentnern loszuwerden. Gerade deshalb sollte in diesem Fall ein Teil des Kapitals in liquiden Mitteln verbleiben. Immer daran denken, eine Bank ist nie ein Freund.

  • Peter Berger sagt:

    Wenn nur die ungerechtfertigten hohen Eigenmietwertsteuern nicht wären. Seit Jahren hört man dass Politiker einen neuen Vorstoss zu einer Einigung und eines neuen Vorschlages bemühen wollen. Doch nun hört man wieder nichts mehr. Rüttelt diese mal wieder wach!

  • Josipovic Zlatko sagt:

    Für die Alten ein Betrug, zuerst werden sie von den Banken ausgenommen, dann keine Zinsen mehr, dann Negativzinsen und schliesslich nimmt sie der Staat aus, Eigenmietwert, Vermögenssteuer, obwohl man das Vermögen schon versteuert hat, am Besten es weiss niemand dass sie Baargeld haben, ,genug bis zum Lebensende, schliesslich haben sie das Gesparte ordentlich versteuert !!!

  • Michael sagt:

    Ich konnte einem Eigenheim nie etwas abgewinnen. Klar ist es verlockend, niemanden fragen zu müssen, wenn man eine Wand streicht oder einen Nagel in die Wand schlägt. Aber tropft der Hahn, streikt die Waschmaschine, fehlt Öl im Tank, muss man sich immer selber drum kümmern. Ich rufe den Vermieter an und es wird geregelt. Will ich vielleicht auch noch mal umziehen, geht das ratzt fatz über die Bühne.

  • beat graf sagt:

    Eigenmietwert Fr. 19’000.– jährlich. Hypothek Fr. 5400.– jährlich. Mit der Kostenpauschale sind es immer noch rund Fr. 10’000.– Einkommen, welches zu versteuern ist. Als Rentner überlege ich mir, die Immobilie zu verkaufen und mit dem „Gewinn“, der zu erzielende Verkaufspreis liegt fast mit dem Doppelten des damaligen Kaufpreises an, mir ein lustiges Leben zu ermöglichen. Rente und AHV reicht ja so schon zum Leben.

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