Viele Hypotheken mit neuem Referenzzinssatz

Bald steht für Hausbesitzer ein Termin mit der Bankerin an: Bestehende Libor-Hypotheken müssen angepasst werden. Foto: Reuters

Wir haben mehrere Tranchen mit Libor-Hypotheken. Doch in drei Jahren ist Schluss mit dem Libor. Ich werde dann aber weiter eine Hypothek brauchen. Worauf muss ich mich einstellen? M.R

Beim Libor wird 2021 der Stecker gezogen. Mehrere Tausend Milliarden von Krediten und andere Finanzinstrumente hängen daran. Der Todesstoss kam für den wichtigen Referenzzinssatz im letzten Jahr, als angekündet wurde, dass die Banken nicht über 2021 hinaus verpflichtet sind, an der Umfrage zur Berechnung des Libors mitzumachen. Da der Libor auch in der Schweiz eine grosse Bedeutung hat, haben Banken und Versicherungen in den letzten Monaten nach Alternativen gesucht.

Die nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze, welcher Vertreter von Grossbanken, Kantonalbanken, Privatbanken, Versicherungen, Clearinghäusern und andere Finanzmarktakteuren angehören, empfiehlt den Saron als Ersatz für den Franken-Libor. Saron steht für Swiss Average Rate Overnight. Berechnet wird der Saron von der Schweizer Börsenbetreiberin SIX Group, welche den Referenzsatz 2009 zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank kreiert hat.

Während der Libor mittels einer Umfrage unter Banken festgelegt wird, sind die Basis für den Saron besicherte Geschäfte und effektiv über die SIX ausgeführte Transaktionen. Noch wird innerhalb der Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze weiter diskutiert und die genauen Konsequenzen einer Saron-Einführung auf Hypotheken und andere Finanzprodukte wie Derivate im Detail geprüft. Ich gehe aber davon aus, dass sich der Saron hier in der Schweiz durchsetzen wird und sich die hiesigen Banken und Versicherungen dem Saron als Referenzzinssatz anschliessen werden.

Problematisch wäre aus Kundensicht, wenn sich die Banken nicht auf einen einheitlichen Referenzsatz einigen würden. Denn dann wäre es schwieriger, die entsprechenden Zinsen unter den einzelnen Instituten zu vergleichen. Da der Libor aktuell negativ ist, bezahlen Sie faktisch die Marge der Bank, was interessante Vergleiche zulässt.

Im Grundsatz dürfte sich mit einer späteren Saron-Einführung für Sie nicht viel ändern. Zwar braucht es eine Anpassung von bestehenden Hypothekarverträgen, welche jetzt an den Libor gebunden sind. Doch die grundsätzliche Konstruktion ist sehr ähnlich: Wie beim Libor wird es auch beim Saron so sein, dass Ihr Hypothekarzins steigt, wenn der Saron in die Höhe geht und umgekehrt sinkt er, wenn der Saron verliert. Ihr Hypozins ist also wie beim Libor direkt an den Saron gekoppelt.

Negative Auswirkungen für Sie sehe ich derzeit keine. Auch künftig wird es Hypothekenprodukte geben, die sich wie Liborhypotheken auf die kurzfristige Zinsentwicklung ausrichten. Sobald Klarheit über den künftigen Referenzzinssatz herrscht, muss sich die Bank für die nötigen Vertragsanpassungen an Sie wenden. Falls Ihnen die neuen Konditionen nicht entsprechen, können Sie diese immer noch ablehnen und in andere Finanzierungsprodukte wechseln.

1 Kommentar zu «Viele Hypotheken mit neuem Referenzzinssatz»

  • Frank Hauser sagt:

    Danke. Dass die Korrelation und Kopplung mit dem Saron besteht, auf das wäre keiner gekommen! Die Frage ist eher: wie berechnet sich dieser? Und: wird schlussendlich mehr bezahlt, weil er anders berechnet wird? Weil das ist vermutlich die Konsequenz, von Banken ist nichts anderes zu erwarten.

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