Wie Sie die günstigste Hypothek finden

Es führen viele Wege zur optimalen Hypothek: Wer aber auf Konkurrenzofferten verzichtet, zahlt oft mehr als nötig. Foto: Reuters

Als Kunde kann man online anhand seines Kreditprofils mit überschaubarem Aufwand nützliche Vergleichsangebote einholen. Sie raten bei der Hypothek-Erneuerung, man solle mit der Hausbank, zwei Konkurrenten und einer Versicherung reden. Sind Hypothekenversteigerungen oder andere Onlineangebote gemäss Beilage nicht ratsam? B.W.

Doch. Je grösser Sie den Kreis für Ihre Hypothekenofferten ziehen, desto grösser sind Ihre Chancen, dass Sie einen Hauskredit günstiger bekommen.

Wenn ich rate, dass man nicht nur mit seiner Bank, sondern zumindest mit weiteren Bankkonkurrenten sowie Versicherungen vor einem Hypothekenabschluss sprechen sollte, dann deshalb, weil ich immer wieder feststelle, dass viele Leute auf Konkurrenzofferten ganz verzichten. Dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man für seinen Kredit mehr bezahlt, als man eigentlich am Markt berappen müsste.

Der Hypothekenmarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Anbieter sind nicht nur Banken und Versicherungen, sondern auch Pensionskassen. Auch Hypothekenvermittler, welche die aufwendige Vergleichsarbeit übernehmen, gewinnen zunehmend Marktanteile. So ist es kein Zufall, dass ausgerechnet der Versicherer Helvetia den Finanzdienstleister Moneypark, der stark im Vermittlungsgeschäft von Hypotheken tätig ist, übernommen hat. Auch andere Anbieter wie Comparis, Hypoplus oder Homegate erstellen Hypothekenvergleiche und vermitteln Verträge. Plattformen wie Hyposcout bringen hingegen Kreditgeber und Kreditnehmer direkt zusammen.

Wer nicht selbst Offerten für Hypotheken einholen möchte, kann versuchen, mittels Hypothekenversteigerungen zum günstigsten Vertrag zu kommen. Solche bietet die Plattform Hypotheken-versteigerung.ch, hinter der der Finanzdienstleister Vermögenspartner steht. Dabei geht es nicht einfach nur um Zinsvergleiche, sondern um konkrete Angebote für Ihr persönliches Kreditprofil. Liegt dieses vor, können Anbieter wie Banken, Versicherungen oder Pensionskassen anhand des anonymisierten Dossiers online Offerten für die von Ihnen gewünschte Hypothek abgeben.

Ziel ist es, über einen standardisierten Versteigerungsprozess den günstigsten Anbieter zu finden und den Aufwand in Grenzen zu halten. Da das Kreditprofil nur einmal erarbeitet und eingereicht werden muss, kann der bürokratische Aufwand für die verschiedenen Offerten für Sie als Kunde deutlich reduziert werden. Allerdings haben Sie keine Garantie, dass wirklich das günstigste Angebot resultiert, da ja nie alle Marktteilnehmer mitbieten. Banken und andere Anbieter sind frei, überhaupt Offerten zu stellen. Immerhin entsteht aber ein Konkurrenzkampf um Ihr Kreditprofil, den Sie zu Ihren Gunsten nutzen können.

Aus meiner Sicht sind solche Versteigerungsplattformen und Hypothekenvermittler durchaus eine sinnvolle Alternative für Kunden, welchen die Gespräche bei mehreren Anbietern zu aufwendig sind. Nützlich sind Vergleichsangebote allerdings nur, wenn die Offerten auf den konkreten Rahmenbedingungen Ihres effektiven Kreditprofils basieren. Ansonsten vergleicht man nur Richtwerte, die je nach Kreditprofil in der Praxis schliesslich stark variieren können.

Bevor man die Dienstleistungen von Vermittlern und Plattformen nutzt, sollte man von diesen Transparenz über ihre Einnahmequellen verlangen. Konkret: Welche Provisionen bekommen sie für die Vermittlung von Verträgen, wer bekommt diese und inwieweit ist aufgrund von Provisionen die Unabhängigkeit bei der Beurteilung der Angebote wirklich gegeben. Ansonsten geht man das Risiko ein, dass man in der Hoffnung, den günstigsten Anbieter zu finden, einen Vertrag mit jenem abschliesst, welcher dem Vermittler die höchste Provision bezahlt.

Inzwischen haben übrigens auch viele Banken die Offertstellung für Hypotheken stark vereinfacht. Verschiedene Institute bieten schon seit einiger Zeit online Hypotheken an. National einen Namen gemacht hat sich dafür die Glarner Kantonalbank. Doch auch etliche andere Anbieter bieten heute die Möglichkeit, dass man bei ihnen online Hypotheken abschliessen oder verlängern kann.

Nichtsdestotrotz halte ich es weiterhin für einen guten Weg, mit verschiedenen Banken und Versicherungen das Gespräch zu suchen. Das bedeutet zwar einen höheren Aufwand. In der Regel lernt man aber bei jedem Gespräch auch als Kunde etwas dazu und erhält über den reinen Zinssatz hinaus einiges an meist kostenloser Beratung und weitere Entscheidungskriterien.

Für mich gibt es nicht den einzig richtigen Weg zur guten Hypothekenofferte. Wichtig ist meines Erachtens aber, dass man überhaupt Gegenofferten einholt – sei dies über mehrere persönliche Gespräche oder aber über Vermittler oder Versteigerungsplattformen. Das lohnt sich auf jeden Fall. Immerhin geht es bei Hypotheken immer um viel Geld.

4 Kommentare zu «Wie Sie die günstigste Hypothek finden»

  • Gerhard Cihak sagt:

    Ich hätte niemals gedacht, dass es Leute gibt, die sich keine weiteren Angebote
    einholen würden. Das sind doch die einfachsten kaufmännischen Grundlagen.
    Ausserdem gibt es viele monatlich-erscheinende Wirtschaftsjournale die
    Vergleiche anstellen. Bei einer maßgeschneiderten Immobilien-Finanzierung
    in welche man:
    – zu erwartende Erbschaften, Abfindungen, etc.,
    – den Zinszyklus für etwaige Zinsfestschreibungen,
    – etc,etc,
    einbeziehe, kann man sich auf die gesamte Hypotheken-Finanzierungs-Laufzeit Zig-Tausende von CHF ersparen !

    • Rolf Rothacher sagt:

      Es gibt andere Kriterien, als immer bloss der niedrigste Preis, gerade bei Hypotheken. Ist man mit seiner Hausbank insgesamt zufrieden, spielt es doch keine Rolle, wenn die Hypothek am Ende pro Jahr ein paar hundert Franken teurer ist.
      „Geiz ist geil“ macht niemanden glücklich.

  • Peter Schneider sagt:

    Mit der Einstellung, es gehe nur um ein paar Hundert Franken, bleibt man phlegmatisch bei der Hausbank. Meine Kantonalbank nimmt z.B. für Währungswechsel zwischen 1-2% (bei Transferwise kommt das auf 0.5% https://transferwise.com/u/07935 ) und verlangt pro Konto und Monat 5 CHF Gebühr. Fazit: ich liess mein USD-Konto löschen und wechsle CHF/EUR bei TW.
    Ein Jugendsparkonto würde ich z.B. bei der CA Nextbank eröffnen. Warum sollte mein Kind mit 0.3% zufrieden sein, wenn es auch 1.5% geben könnte?
    Bei den Hypotheken sieht es übrigens ähnlich schlimm aus. Wir sprechen hier nicht von „Hunderten“, sondern von mehr als Tausend CHF pro Jahr. Die Hausbank taugt nur noch als Automatenbank, weil sie sich überhaupt keine Mühe machen, kompetitiv zu sein. Die Kunden sind halt nicht flexibel.

  • Martin Interbizin sagt:

    Die BSU Bank bietet Online sehr günstige Konditionen (https://www.hypoclick.ch/hypo/start). Die Abwicklung ist sehr einfach. Der Kunde wird noch als Kunde behandelt. Dafür gibt es 5 Sterne.

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