Selbst langfristige Anlagen können riskant sein

Für viele ein Vorbild: US-Börsenlegende Warren Buffett wurde mit der «Kaufen und Halten»-Strategie reich. Foto: Reuters

Oft höre ich den Ratschlag, man müsse Aktien nur lange liegen lassen, dann könne nichts schiefgehen. Meine Bankberaterin aber sagt, man müsse seine Wertschriften immer wieder umschichten. Wie sehen Sie das? N.S.

Aktien möglichst langfristig zu halten, basiert auf der Erfahrung und der Empfehlung der US-Börsenlegende Waren Buffett, der mit seiner «Buy and Hold»-, also «Kaufen und Halten»-Strategie zu einem der reichsten Menschen der Welt wurde. Viele seiner Fans und Aktionäre, welche in seine Anlagevehikel investiert haben und dabei geblieben sind, konnten über Jahre hinweg ebenfalls ein Vermögen generieren.

Verbunden mit der langfristig ausgerichteten Aktienstrategie ist die Überlegung, dass man bei kurzfristigem Trading meist nicht den idealen Kauf- und Verkaufszeitpunkt trifft. Offensichtlich ist dies bei politischen Ereignissen, wenn Investoren verunsichert und hektisch ihre Wertschriften abstossen und oft etwas später, wenn sich die Lage beruhigt hat, wieder zu
schlechteren Kursen einsteigen, weil sie befürchten, etwas zu verpassen. Auch bei unerwarteten Firmennachrichten reagieren die Kurse meist stark. Nicht selten ist man in solchen Situation gut gefahren, wenn man die Nerven behalten hat. «Hin und her macht die Taschen leer» ist ein oft gehörtes Börsensprichwort.

Zudem: Je häufiger man seine Wertschriften umschichtet, desto mehr Gebühren fallen an. Zwar bieten Banken vermehrt Pauschalgebührenmodelle an, in denen sämtliche Gebühren inbegriffen sind. Die Pauschalen sind allerdings oft hoch und für viele Kunden nicht wirklich lohnend.

Aktien blind liegen zu lassen, kann ins Fiasko führen. Aktien zu kaufen und möglichst lange zu halten, funktioniert nur bei Top-Qualitätstiteln, wie sie Buffett in vielen Fällen mit günstiger Bewertung erworben und dann behalten hat. Abgesehen von der komplexen Bewertungsfrage ist auch die Definition von Qualitätsaktien keineswegs banal. Kriterien sind etwa langfristig konstantes Wachstum, eine solide Kapitalbasis, verlässliche Dividendenausschüttung, vielversprechende Marktperspektiven, eine überzeugende Firmenkultur und Governance mit fähigem Management, um nur einige Aspekte aufzuführen.

Allerdings gehen auch Spitzenfirmen wie Nestlé, Roche, Novartis oder Swiss Re durch unterschiedliche Phasen. Und selbst heute robuste Versicherer wie die Zurich und die Swiss Life oder der Automationstechnikriese ABB bewegten sich in der Vergangenheit schon nahe am Abgrund.

Noch eindrücklicher sind die Beispiele der Schweizer Grossbanken: Wer vor zehn Jahren Aktien der CS und der UBS kaufte und diese im Rahmen einer «Buy and Hold»-Strategie blind im Depot behielt, sitzt heute noch auf hohen Buchverlusten, die er wohl lange nicht aufholen wird. Jene, die langfristig auf Swissair-Aktien setzten und darauf vertrauten, dass doch noch alles gut kommt, verloren gar ihr Geld.

Persönlich schätze ich die Aktienstrategie von Warren Buffett, warne aber davor, diese nur auf den «Buy and Hold»-Grundsatz zu reduzieren. Seine Aktien einfach blind liegen zu lassen, kann sich, wie die Beispiele Schweizer Grossbanken oder der Swissair zeigen, als fatal erweisen. Auch wenn man bewusst eine langfristige Strategie – fern von hektischem Trading – wählt, muss man sein Depot überwachen und die Zusammensetzung regelmässig überprüfen.

Dies bedeutet nicht, dass man bei jedem Marktausschlag nervös umschichtet. Vielmehr sollte man im Grundsatz an einer zuvor sorgfältig ausgearbeiteten, auf seine persönlichen Bedürfnisse ausgerichteten Strategie festhalten. Wenn sich bei Unternehmen, einer Branche oder einem Markt aber fundamentale Voraussetzungen zum Negativen verändern, ist es falsch, stur darauf zu hoffen, dass sich langfristig alles wieder zum Guten wendet.

14 Kommentare zu «Selbst langfristige Anlagen können riskant sein»

  • Klaus Zimmermann sagt:

    Buy and hold, recht und gut. Aber woher nehme ich das Geld für immer wieder nur buy ?

  • ROLAND BONT sagt:

    die notenbanken stehen im blindflug. was wissen die notenbanken schon, wie die weltwirtschaft in 1 jahr steht. niemand hat die finanzkrise vorausgesehen. niemand ging von solch einer aktienhausse aus. niemand ging von solch eine chf-stärke der letzten jahre aus. niemand ging ab frühling 2017 nach der macron-wahl von solch einer abschwächung des chf aus. lesen sie mal derkursstimmt. vergessen sie echte zinserhöhungen. auch die us-notenbank versucht nur vorzugaukeln, dass sie alles unter kontrolle hat. nein, die notenbanken stehen in einem noch nie gesehenen experiment. ein erstes resultat daraus ist der exzess am krypto-markt. wie kann ein anstieg des bitcoin von usd 1000 anfang 2017 auf 20.000 gerechtfertigt werden. wir bleiben im blindflug.

  • Anh Toàn sagt:

    „Aktien kaufen und schlafen, lange, lange schlafen“ ist die beste, mit Abstand die beste und jetzt kommt die wichtige Einschräkung, aller ganz einfachen Strategien. Andere, vermutlich bessere Strategien sind ambivalent, verunsichernd, widersprüchlich und reizen damit zu fehlentscheiden.

    Wer 10 Aktien kauft und 25 Jahre hält, wird auf mehrere Positionen 100 Prozent verlieren. Mehr geht nicht als Verlust pro Position, aber es gehen auch Tausende von Prozenten Gewinn auf eine Position. (Forest Gump war überzeugt, Lft. Dan hätte in eine Obstgesellschaft für ihn investiert, weil „Apfel“).

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Das Problem ist aber leider , die Experten wissen es dann halt erst wieder im Nachhinein, wann man eine Aktie im besten Zeitpunkt hätte kaufen oder verkaufen müssen. Praktisch niemand trifft den idealen Kauf-Verkaufszeitpunkt, darum ist vieles an der Börse reine Glücksache. Aber unter dem Strich ist die Langzeit-Investition in ein breit-gestreutes Portfolio immer noch die Richtige.

    • Karl Knapp sagt:

      Das Wort „breit“ fehlt leider in den Empfehlungen von Herrn Spieler. Wer sich gleichzeitig CS und UBS ins Depot legt und auch noch glaubt, er habe damit das Risiko ein wenig verteilt, lebt mit einem doch eher engen Horizont…

      • R. Wenger sagt:

        „breit“ heisst nicht nur, Aktien von div Firmen, sondern auch verschiedener Branchen. In meiner Frühzeit z.B. war Eastman-Kodak ein sicherer Wert. Wer diese Papiere gehalten hat, schaute in den Mond. Ganze Industrien kommen und verschwinden. Ohne Hayek hätte unsere Uhrenindustrie das gleiche Schicksal getroffen.

  • Peter Wermelinger sagt:

    Wer Dividenden möchte, kaufe Funds mit dividenenstarken Aktien. Keine ETFs denn genau da werden CS und UBS NICHT verkauft, wenn es kesselt. Und hört mal endlich mit den Gebühren auf! Ein Fund, der seinen Benchmarkt oft übertrifft (ist leider selten), darf ruhig etwas kosten!
    Also Herrn Spielers Anlageideen würde ich nicht umsetzen, da erkundige ich mich lieber bei div. Bankern bei div. Banken. Bei Herrn Spieler hätte ich vielleicht das billigste Produkt, wäre aber sicher (fast) immer unter Benchmark…

    • Peter Schneider sagt:

      Der Banker empfiehlt die Produkte, die am meisten retrozession liefern, insofern erachte ich die Idee als völlig untauglich…

    • R. Wenger sagt:

      Der „Kundenberater“ der Bank ist eine Mogelpackung. Er will den Kunden nicht beraten, sondern ihm das andrehen, an dem die Bank und vor allem er am meisten verdient.

  • Barry Houdini sagt:

    Kommt draufan, was man unter ’schief gehen‘ versteht. Erwartet man eine positive Entwicklung der Aktienmärkte, so nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes mit der Zeit zwar ab. Allerdings weitet sich der Streubereich möglicher Renditen um die Zielrendite laufend aus.

    Spart man auf die Rente und hat einen Zielbetrag vor Augen, ist es im Allgemeinen keine Gute Idee auf die ‚Zeitdiversifikation‘ zu setzen und nur in Aktien zu investieren.

    Die Anlage in gut diversifiziertes Portfolio setzte ich mal voraus. Da kann man das Portfolio getrost über längere Zeiträume liegen lassen.

    • R. Wenger sagt:

      Die Börse ist wie ein Paternoster. Durch den Keller fahren ist nicht gefährlich, man darf nur keine Angst haben. Bei einer langfristigen Anlage interessiert mich der Kurs nur bei Kauf/Verkauf. Sonst ist mir die regelmässige Dividende wichtiger.

  • Walter Scharnagl sagt:

    An die Bankberaterin: Hin und her macht Taschen leer!

  • B.Bischof sagt:

    Der Rat des Spezialisten ist etwas verwirrend.
    Der Rat der Bank ist sicher falsch. Die Kunst des Value Investing ist es, Titel abseits vom Mainstreet zu finden, die nicht von Managern geplündert werden (also keine Bankaktien) sondern wo die Aktionäre Nutznießer von steigendem Wert des Unternehmens sind. Kaufen Sie Fonds von Leuten die gleiche Interessen haben wie Sie (also nicht die Banken) sondern eben zB Warren Buffet und seine Berkshire Hathaway und mit seiner langjährigen Durchnittsrendite können sie damit rechnen, dass sich Ihr Kapital in ca. 4-5 Jahren verdoppelt (und damit ärgern Sie auch Ihren Anlageberater oder wenn er etwas Grips hat lernt er von Ihnen)! Ich war selber mal Banker und kann Ihnen sagen dass die Banker mit Ihrer Trading-Strategie meist selber schlechte Anleger sind

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