Einlagenschutz: Ein Restrisiko bleibt immer

Trotz gesetzlichem Schutz: Die Garantien für Ihre Einlagen gelten nicht absolut. Foto: Shutterstock

Sie haben auf Ihrem Blog wiederholt über die Einlagensicherung geschrieben. Doch wie sicher sind diese Einlagen auch unter 100’000 Franken wirklich? M.S.

Die Einlagegarantie für Gelder bei Banken in der Schweiz bis zu einem Maximalbetrag von 100’000 Franken pro Kunde – nicht pro Konto – ist gesetzlich abgestützt. Wenn man diese verändern möchte, müsste man zuerst das Gesetz anpassen, was hierzulande nicht auf die Schnelle geht und von den Eidgenössischen Räten abgesegnet werden müsste. Dennoch gibt es auch bei der Einlagensicherung keine absolute Garantie. Theoretisch kann das entsprechende Gesetz später durchaus verändert werden, wofür ich derzeit indes keine Anzeichen sehe.

Wichtiger aus meiner Sicht ist die Frage, inwiefern denn die Banken den gesetzlich vorgegebenen Einlagenschutz wirklich in der Praxis gewährleisten können. Solange an den Finanzmärkten nicht gleich die ganz grosse Krise ausbricht, besteht diesbezüglich kein Problem. Sollte sich an den internationalen Finanzmärkten die Lage aber irgendwann doch deutlich verschlechtern und, so wie damals in der Finanzkrise 2008, sogar Grossbanken wie die US-Bank Lehman Brothers in Konkurs gehen, würde sich die Frage nach der Einlagengarantie auch hierzulande durchaus stellen. Wie die Krise bei der UBS zeigte, können auch bei uns vermeintlich sichere Institute plötzlich in eine gefährliche Schräglage geraten.

Als Sparer und Anlegerin sollte man sich bewusst sein, dass der Einlagenschutz nicht absolut gilt, sondern begrenzt ist. Konkret besteht derzeit in der Schweiz eine Systemobergrenze von sechs Milliarden Franken. Das sieht auf den ersten Blick nach viel Geld aus. Würden aber in einem Krisenfall nicht nur eine Bank, sondern aufgrund einer Systemkrise gleich mehrere Institute zusammenbrechen, würden die sechs Milliarden Franken für die Einlagengarantie möglicherweise nicht mehr reichen.

Theoretisch könnten dann noch gesunde Banken zu weiteren Hilfen beigezogen werden und auch der Staat würde wohl wie damals bei der UBS in der Finanzkrise den gefährdeten Instituten unter die Schultern greifen. Eine Garantie, dass dies wirklich passiert, haben Sie aber nicht. Selbst die Staatsgarantie der meisten Kantonalbanken, welche einen sehr hohen Schutz bietet und viel weiter geht als der gesetzliche Einlagenschutz, ist beschränkt. Wenn der Kanton, welcher für die Einlagen unbeschränkt haftet, selbst in Schräglage geraten würde, wäre auch die Einlagengarantie bei den Staatsinstituten nicht mehr so sakrosankt.

Meines Erachtens verfügen wir in der Schweiz über einen verlässlichen und hohen Einlagenschutz. Das Risiko, dass man im Rahmen der gesetzlich garantierten maximal 100’000 Franken pro Kunde sein Geld verliert, stufe ich als eher gering ein.

Dennoch sollte man nicht naiv sein: Ein Restrisiko bleibt. Wenn alle Stricke reissen und der Finanzsektor weltweit in Schräglage geriete, könnte man sich auch hierzulande nicht mehr sorglos auf die gesetzliche Einlagensicherung verlassen. Dieses Restrisiko sollte man sich als auf Sicherheit bedachter Sparer und Anleger immer vor Augen halten und seine Risiken entsprechend diversifizieren.