Geld aus der Pensionskasse ins Trockene bringen

Bundesrat Alain Berset beim Alphornblasen am Jodlerfest in Brig: PK-Kapitalbezug soll erschwert werden. Foto: Andy Mettler

Bundesrat Alain Berset beim Alphornblasen am Jodlerfest in Brig: PK-Kapitalbezug soll erschwert werden. Foto: Andy Mettler

Ich werde 62 Jahre alt und beabsichtige in drei Jahren mein ganzes BVG-Kapital zu beziehen. Ich möchte in diesem Jahr noch eine beträchtliche Summe in die 2. Säule einzahlen, um Steuern zu optimieren. Nun will der Bundesrat den Kapitalbezug aus der 2. Säule beschneiden. Glauben Sie, dass der Vorschlag auch beim Nationalrat durchkommt? C. H.

Der Ständerat hat im Rahmen der Beratung über die Reform der Ergänzungsleistungen bereits beschlossen, dass Guthaben aus dem obligatorischen Teil der Pensionskasse künftig nur noch als Rente bezogen werden dürfen. Ganz so eindeutig war der Entscheid allerdings nicht. Eine gewichtige Minderheit hatte sich dagegen ausgesprochen. Ich rechne damit, dass das Geschäft im Nationalrat auf mehr Widerstand stossen wird. Immerhin wird die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger bei einer Beschneidung des Kapitalbezugs stark eingeschränkt.

Aus meiner Sicht sollte es Sache der Versicherten sein, ob sie das Pensionskassenguthaben als Rente oder als Kapital beziehen. SP-Bundesrat und Sozialminister Berset argumentiert, dass die Kosten der Ergänzungsleistungen stark angestiegen sind, weil einige Versicherte das Pensionskassengeld nach einem Bezug verprasst und nachher Ergänzungsleistungen bezogen hätten. Natürlich sind solche Fälle mehr als nur ärgerlich. Leider gibt es auch in anderen Bereichen Sozialschmarotzer. Dies bedeutet aber nicht, dass man alle übrigen rechtschaffenen Bürger bevormunden soll.

Tatsache ist, dass der finanzielle Aufwand bei den Ergänzungsleistungen nicht wegen der erwähnten schwarzen Schafe explodiert ist, sondern weil angesichts der gestiegenen Lebenserwartung weit mehr Leute im Alter gepflegt werden müssen und die teuren Pflegekosten oft dazu führen, dass jemand Ergänzungsleistungen in Anspruch nehmen muss. Indem man die Wahlfreiheit der Bürger über das von ihnen mit harter Arbeit gesparte Vorsorgegeld abwürgt, wird das Kostenproblem bei den Ergänzungsleistungen keineswegs gelöst.

Das politisch umstrittene Geschäft wird derzeit in der Nationalratskommission beraten. In der Wintersession ist es noch nicht so weit, dass es vom Nationalrat behandelt werden kann, da die Beratungen in der zuständigen Kommission der grossen Kammer noch nicht abgeschlossen sind. Ich gehe davon aus, dass es frühestens in der Frühlingssession 2018 in den Nationalrat kommt. Angesichts der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat rechne ich damit, dass der Nationalrat zur Beschneidung der Wahlfreiheit beim Kapitalbezug, wie es Bundesrat Alain Berset wünscht, Nein sagen wird.

Darauf verlassen können Sie sich als Versicherter aber nicht. Zwar würde es bei einer allfälligen Inkraftsetzung eine Übergangsfrist brauchen. Falls beide Räte dem Vorschlag von Sozialminister Berset zustimmen und auch die gesamte Reform zustande käme, würde der Gesetzespunkt mit grösster Wahrscheinlichkeit aber in Kraft treten, noch bevor Sie Ihr ordentliches Rentenalter von 65 erreicht hätten.

Angesichts dieser Ausgangslage würde ich Ihnen empfehlen, nicht nur den weiteren politischen Prozess genau zu verfolgen, sondern falls möglich auch einen Kapitalvorbezug für selbst genutztes Wohneigentum in Erwägung zu ziehen. Noch ist dies problemlos möglich. Damit können Sie eine allfällige Hypothek auf einer selbst genutzten Liegenschaft amortisieren und hätten einen Teil des Kapitals bereits ins Trockene gebracht.

Zudem können Sie selbst bei einer Annahme der Beschneidung der Wahlfreiheit über den Kapitalbezug den überobligatorischen Teil Ihres PK-Geldes auch künftig als Kapital beziehen. Nicht mehr als Kapital beziehen dürfen Sie ja lediglich den obligatorischen Teil. Falls Sie keinen Vorbezug aus der Pensionskasse für selbst genutztes Wohneigentum machen können oder wollen, erwägen Sie, wie Sie mir schreiben, eine freiwillige Einzahlung in Ihre Pensionskasse zur Steueroptimierung. Dies würde ich nur machen, wenn die Kasse finanziell robust dasteht. Ausserdem muss sichergestellt sein, dass diese freiwillige Einzahlung auf jeden Fall in den überobligatorischen Teil fliesst.

Ich gehe davon aus, dass dies in Ihrem Fall so ist, würde mich aber bei der Pensionskasse diesbezüglich absichern. Dann könnten Sie dieses Kapital auch wieder beziehen, selbst wenn die umstrittene Beschneidung der Wahlfreiheit des Pensionskassengeld-Bezuges doch noch Realität würde.

65 Kommentare zu «Geld aus der Pensionskasse ins Trockene bringen»

  • peter huber sagt:

    Wenn der von Berset angegebene Grund der richtige wäre, gäbe es eine ganz einfache Lösung. Bezogenes PK Kapital wird auf eine (sonst erhaltene) Rente umgerechnet und von eventuellen Ergänzungsleistungen abgezogen.
    Damit würden PK-Kapitalbezüger, auch wenn sie alles verprasst haben, mit Rentnern gleichgestellt. Da dies nie vorgeschlagen wurde, ist klar worum es geht: denn Komplettbezug zu verhindern.
    Ich finde, jeder soll selber entscheiden was und wie er das Geld beziehen will. Rente ergibt ja schon die AHV. Wenn keine Entscheidungsfreiheit mehr besteht, gibt es keinen Grund zwei Renten zu führen. Damit kann die PK abgeschafft und in die AHV integriert werden. Vielleicht ist das das eigentliche Ziel.

    • Peter Sieber sagt:

      Ich denke eher, dass das Ziel ist, die „armen“ Anbieter von PK-Lösungen zu unterstützen. Wenn mehr und mehr Leute ihr PK-Guthaben beziehen, dann schwimmen diesen Unternehmen die lukrativen, weil schwach verzinsten, Kapitaleinlagen davon mit welchen sie sich eine goldene Nase verdienen. Berset ist ein ziemlich antisozialer Minister in meinen Augen, ihm ist das Wirtschaftswohl wesentlich wichtiger als das Volkswohl.

  • loulou55 sagt:

    Ich weiss nicht was der Fragesteller für Pläne nach der Pensionierung hat. Aber ganz unvermögend scheint er nicht zu sein, wenn er noch eine „beträchtliche Summe“ einzuzahlen vermag.
    Da frage ich mich, warum er überhaupt bis 65 arbeiten will. Job schmeissen und mal eine Weile ins Ausland gehen. Wenn es mehr als 6 Monate sind, muss man sich abmelden und kann somit das ganze PK-Geld beziehen.
    Die AHV kann er weiter einzahlen, damit es dort keine Verlustjahre gibt und zurück kommen kann er auch jederzeit wieder und sich anmelden (aber nicht mehr arbeiten).
    Ich danke heute meinem ehem. Chef, dass er mich mit 58 rausgeworfen hat. Ich lebe und geniesse jetzt und da wo ich bin, werde ich auch mit einer gekürzten AHV ein besseres Leben haben, als in der CH mit AHV/EL.
    Altern in Würde…!

  • maja sagt:

    Da braucht es aber auch die Zustimmung vom Volk, schliesslich wurde die 2. Säule nur angenommen weil man sich das Guthaben auszahlen lassen kann.
    Viele Leute planen fürs Alter wie auch immer das aussehen mag, diese Freiheit
    kann Berset niemandem nehmen. Wenn er nur Lösungen bringt, die zulasten der Bevölkerung geht soll er den Hut nehmen.

  • Frank Zuber sagt:

    Ein ganz gewichtiges Problem wird hier gar nicht beleuchtet: Viele Steuerämter, z.B. im Kt. Zürich, schauen bei Einkäufen in die PK, die im Zeitraum von 3 Jahren oder weniger vor der Pensionierung erfolgen, sehr genau hin. Eine gesonderte (reduzierte) Besteuerung beim späteren Kapitalbezug wird eventuell verweigert! Der Laie vergisst gerne, dass die Steuerkommissäre hier durchaus Entscheidungsbefugnis haben, welche Sätze auf welchen Anteil des Kapitals angewendet werden, wenn ein Vorgang zu sehr nach „Steuerumgehung“ ausschaut. Der Fragesteller sollte also weniger über Berset und Co. grübeln und lieber bei seinem Steueramt nachfragen, wie sein Einkaufsbegehren steuerlich gehandhabt wird!

  • magerius sagt:

    Nein Herr Berset so nicht – das Geld ist persönlich und gehört persönlich. Und dann noch der Diebstahl der PK an Kapital, wenn Person und Ehepartner ableben vor dem erreichen der möglichen durchschnittlichen Rentenalter -nein, nein Herr Berset -das gibt Revolte!

  • Orli Pelo sagt:

    Zitat: Die Versicherten beziehen dann Ergänzungsleistungen. Das stimmt so nicht. In meinem, Bekanntenkreis kenne ich so ein Fall. Der Mann hatte einen Hirnschlag. Er konnte nicht mehr zu Hause sein. Die Frau ging nachher ins selbe Heim aber in die Altersabteilung. Das kostet im Monat 15’000 SFr. im Monat. Das sind die wahren Gründe für das Ansteigen der EL und nicht das Verprassen des Rentenkapitals.

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