So wird Anlegen kein Balanceakt

Flexibles Anlegen: In wirtschaftlich guten Zeiten lohnt es sich, mit mehr Risiko zu investieren. Foto: Getty Images

Flexibles Anlegen: In wirtschaftlich guten Zeiten lohnt es sich, mit mehr Risiko zu investieren. Foto: Getty Images

Meine Bank schlägt mir vor, den Swisscanto (CH) Portfolio Fund I – Balance AA CHF (Valor Nummer 2379276) zu kaufen. Die Bank verlangt keine Depotgebühren. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihre Meinung über diesen Fond bekannt geben würden. M.M.

Der Swisscanto (CH) Portfolio Fund I – Balance AA CHF fokussiert auf Anlagen in Schweizerfranken und legt das Kapital weltweit in Anleihen, Aktien und weiteren Wertschriften an. Dabei hat die Fondsleitung einen breiten Spielraum. Der Aktien- und Anleihenanteil kann je nach Opportunitäten an den Finanzmärkten stärker variieren.

Allerdings ist festgelegt, dass mindestens 30 Prozent und höchstens 70 Prozent des Vermögens in fest oder variabel verzinsliche Forderungswertpapiere und -rechte investiert werden. Wenigstens ein Fünftel wird in Aktien angelegt. Die Obergrenze für den Aktienanteil liegt bei maximal 65 Prozent.

Dies zeigt Ihnen, dass die Fondsmanager die Gewichtung der wichtigsten Anlageklassen den Umständen an den Märkten stark anpassen können. In der gegenwärtigen Tiefzinsphase macht ein zu hoher Obligationenanteil wenig Sinn. Die meisten Frankenanleihen von guten Schuldnern werfen praktisch keine Rendite mehr ab. Die Rendite der Bundesobligationen der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist sogar negativ.

Da ist es ein schlechtes Geschäft, Gelder in solchen Papieren zu parkieren. Dafür sind derzeit an den Aktienmärkten weit höhere Renditen möglich. Doch das Börsenumfeld bleibt nicht immer so positiv, wie wir es in den letzten Haussejahren erlebt haben. Und die Bewertungen vieler Aktien sind stolz. Wenn sich die Aussichten an den Aktienmärkten verdüstern, hat die Fondsleitung bei diesem Vehikel die Möglichkeit, den Aktienanteil deutlich zurückzunehmen und den Anleihenanteil hochzufahren, weil etwa die Zinsen steigen und somit wieder attraktivere Renditen mit Obligationen möglich sind.

Bei der Auswahl der Schuldner im Obligationenteil setzt die Fondsleitung auf hohe Sicherheit. Derzeit zählen zu den grössten Schuldnern etwa die Zürcher Kantonalbank, welche ein AAA-Schuldnerrating aufweist. Aber auch weitere Schweizer Kantonalbanken, die Eidgenossenschaft und die Grossbank Credit Suisse. Auch bei den Aktien fliesst das meiste Kapital in qualitativ gute Werte wie Novartis, Nestlé, Roche oder Swiss Re. Beim Swisscanto Portfolio Fund bekommen Sie eine aktive Vermögensverwaltung mit einer professionellen Strategie.

Dies gibt es indes nicht gratis. Mit einer Kostenkennziffer Total Expense Ratio von 1,49 Prozent ist der Fonds nicht günstig, liegt aber im Rahmen vergleichbarer Portfolio-Fonds. Der Fonds eignet sich aufgrund seines üblicherweise hohen Obligationenanteils für Anlegerinnen und Anleger, welche nicht übermässig hohe Risiken eingehen möchten, sich aber doch etwas Ertrag wünschen und einen langen Anlagehorizont von wenigstens fünf Jahren haben.

Die Rendite ist ansprechend, doch darauf dürfen Sie sich nicht verlassen. Sie müssen auch damit rechnen, dass es in einem Jahr mal eine Negativperformance gibt, wie es bei diesem Fonds im Jahr 2015 der Fall war. Kursschwankungen sind jederzeit möglich. Der Fonds bietet Ihnen die Möglichkeit, am Wachstum an den Finanzmärkten zu partizipieren und einen Ertrag zu erwirtschaften. Dafür müssen Sie aber bereit sein, etwas Risiko zu tragen und das Geld während mehrerer Jahre liegen zu lassen. Wenn Sie mit Kursschwankungen nicht oder nur schlecht leben können, würde ich Ihnen von diesem Fonds abraten.

 

5 Kommentare zu «So wird Anlegen kein Balanceakt»

  • Fannie Goldmann sagt:

    nicht kaufen. sondern S&P 500 Index ETF kaufen, zB von Vanguard, hat aber keinen Sinn nur kurz zu halten, sondern länger als 10 Jahre.

  • Felix Eichmann sagt:

    „Die Bank verlangt keine Depotgebühren“. Soviele Kunden werden durch Ihre Banken ausgenommen und in die Irre geführt. Keine Depotgebühren dafür sehr hohe Fondgebühren Werter M.M.! Eine Bank die Depotgebühren von 0.2% oder 0.3% nehmen würde, und Ihnen einen oder mehrere ETF ins Depot legt, mit 0.5% TER wäre noch ehrlicher als was Ihr Bank-Verkaufsberater Ihnen aufschwätzt. Unglaublich wieviele Leute mit diesen Fonds über’s Ohr gehauen werden. Rechnen Sie den Performance-Unterschied über die Anlagedauer aus. Sie bezahlen am Schluss z.B. 0.8% hoch Anzahl Jahre (10? 20?) zuviel. DIREKTANLAGEN > kommen Sie massiv günstiger. Wieso wollen das soviele Leute nicht verstehen?! Weil Ihre „Berater“ eben nicht Berater sind, sondern lausige Verkäufer.

  • Karl von Bruck sagt:

    Die explodierenden Aktienkurse nehmen immer groessere und damit langfristigere Wachstumsspeckulationen voraus. Bei jede Aktie sollte auch der Verkehrswert der harten versilberbaren Aktiven (abzueglich der Schulden und ohne Faikaktiven wie Gudwill) publiziert werden muessen….

  • Roland Heinzer sagt:

    Die Frage kann ohne persönliche Vermögensanalyse nicht beantwortet werden.
    Ist es das einzige Kapital? Haben Sie freien Cashflow, also regelmässig freies Geld zum anlegen? Besitzen Sie Immoblilien? Brauchen Sie Erträge für den Lebensunterhalt, etc.
    Wie viel Risiko, lies Verlust können Sie verkraften, denn die Börse ist keine Garantie für Gewinne und Erträge, auch wenn das Alle behaupten. Aber es gab immer wieder Zeiten da ging es bergab. Niemand kann ihnen eine Garantie geben, ja auf 100 Jahre hinaus wird sie steigen, vorausgesetzt es gibt keine Katstrophen.
    Darum erst einen Teil investieren, dann monatlich immer den gleichen Betrag in einen Index Fond. Ev MSCI all countries. 40% Aktien, (ev. aufgeteilt 40% MSCI, 20%EURO stoxx 50, 20% SMI, 20% SPI), 30% Immobilien, 10% Gold, 20% Cash.

  • rollo sagt:

    banken sind verkäufer und keine sozialen berater. vergessen sie dies nie. meistens passieren die gebühren indirekt und der normal-kunde sieht dies nicht. auch denken sie daran, sie sind kein kunde wenn sie geld aufs sparkonto legen, sondern sie sind kreditgeber, der einer drittpartei, also der bank, einen kredit zu 0 prozent ausleiht, und dafür noch mittels gebühren bezahlen muss. schräge welt. alles angefacht von den zentralbanken, unser heutiges fiat-papiergeldsystem steht in einer sehr reifen phase und muss erneuert werden. noch mehr schulden bringen die wirtschaft nicht weiter. warum sind die zinsen 0, wenn wir schon so lange einen aufschwung haben. mehr non-mainstream unter derkursstimmt.ch ist meine spezialität, gruss rollo

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