Richemont macht es richtig

Richemont: Stellt sich für die Digitalisierung neu auf. Foto: PD

Richemont gefällt mir richtig gut. Das sage ich nicht nur, weil der Luxusgüterkonzern am Freitag ein starkes Wachstum im ersten Halbjahr rapportiert hat. Mich überzeugt, wie sich der Konzern umbaut und sich für die bereits laufende Digitalisierung in der Luxusbranche aufstellt. Im September hat Richemont erstmals überhaupt einen Technologiechef ernannt, der den Vertrieb über Online­kanäle vorantreiben soll. Vergangene Woche ist zudem mit ­Jérôme Lambert das Vakuum gefüllt worden, das der Uhrenchef Georges Kern mit seinem abrupten Abgang im Juli hinterliess. Vom ehema­ligen Chef der Richemont-Marke Montblanc halte ich übrigens sehr viel. Er war es, der mit dieser Marke die erste Luxus-Smartwatch des Richemont-Konzerns auf den Markt brachte. Die langfristige Sicht bei Richemont gefällt mir, selbst wenn die Wachstumsdynamik in den kommenden Monaten etwas abflauen dürfte. Da kommt es gerade gelegen, dass die Anleger auf den Semester­ausweis mit Gewinnmitnahmen reagierten. Kaufen

3-D-Druck noch nicht lukrativ

Das letzte Mal habe ich im Januar über OC Oerlikon geschrieben und die Titel des Industrieunternehmens zum Kaufen empfohlen. Seither hat sich ein Kursgewinn von gegen 40 Prozent ergeben. Meiner Meinung nach ist es jetzt Zeit, den Gewinn mitzunehmen. Die Aktie hat vom Höchst bereits etwas korrigiert, doch auch auf dem gegenwärtigen Niveau überzeichnet das Kursniveau die Gewinnperspek­tiven noch. Diese sind zwar exzellent, erwartet werden sowohl 2017 als auch 2018 Gewinnzuwächse von je gut 30 Prozent. Doch selbst unter diesen Prämissen sind die Aktien mit dem 28-Fachen des geschätzten 2018er-Gewinns bewertet. Der langjährige Durchschnitt der Kurs-Gewinn-Verhältnisse von ­Industrieaktien liegt zwischen 15 und 20. Das niedrige Zinsniveau relativiert zwar historische Vergleiche, dennoch scheint mir ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 schlicht zu hoch. Kommt noch dazu, dass ab 2019 das Gewinnwachstum voraussichtlich deutlich niedriger sein wird als 2017 und 2018. Und das jetzt neu aufgebaute Geschäft mit 3-D-Druck-Materialien, das OC Oerlikon an der Börse viel Aufmerksamkeit beschert hat, wird in absehbarer Zeit noch keinen Gewinn ab­werfen – im Gegenteil: Es wird kosten. Verkaufen

Die Luft wird langsam dünn

Die Begeisterung um das Genfer Software-Haus Temenos wird immer grösser. Seit Bekanntgabe eines Auftrags einer US-Grossbank vergangene Woche notieren die Aktien über 120 Franken. Damit haben sie wieder einmal ein Allzeithoch erreicht. Seit meiner Empfehlung im April haben sich die Papiere um mehr als die Hälfte verteuert – eine eindrückliche Halbjahresperformance. Doch auch wenn sich der Geschäftsgang weiterhin positiv entwickeln sollte, wird die Luft langsam dünn. Die Aktien sind mit einem für kommendes Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 43 sehr hoch bewertet – zwischen der Entwicklung des Aktienkurses und den Unternehmensgewinnen öffnet sich die Schere immer mehr. Das kurzfristige Kurspotenzial ist auf diesem Bewertungsniveau beschränkt, die Anfälligkeit für Rückschläge nimmt zu. Ich rate, einen Teil der Gewinne zu realisieren. Dosiert verkaufen

Einstiegsgelegenheit

Die Aktien von Evolva haben seit Jahresbeginn fast die Hälfte an Wert verloren. Praktisch niemand glaubte mehr an das Biotech-Unternehmen mit Fokus auf Nahrungsergänzungsmittel. Auch ich riet im März dazu, besser noch ­zuzuwarten. Unter dem alten Chef Neil Goldsmith hat sich die Gesellschaft zu stark verzettelt. Obwohl man bereits Produkte mit Potenzial im Portfolio hatte, machte man diese nicht zu Geld. Stattdessen konzentrierte man sich auf immer neue, teure Entwicklungsprojekte. Mittlerweile hat sich die Anlagegeschichte jedoch geändert. Goldsmith machte dem bishe­rigen operativen Leiter (Chief Operating Officer) ­Simon Waddington Platz. Der will sich nun primär auf die Vermarktung der bereits markt­reifen Produkte konzentrieren. Dafür hat
er soeben von den Aktionären 86 Millionen Franken an ­frischem Kapital erhalten. Neuer Chef, neue Strategie und genügend Kapital. Kurzum: Evolva ist eine Turnaround-Geschichte. Anlegern, die risikofähig und einen mehrjährigen Anlagehorizont haben – die Gewinnschwelle wird weiterhin erst in vier bis sechs Jahren erwartet –, bietet sich zum gegen­wär­tigen Kursniveau eine Einstiegsgelegenheit. Kaufen

KI und autonomes Fahren

Wenn Sie Kinder haben, die am Computer spielen, oder gerne selbst mal eine Runde vor dem Rechner wagen, wird Ihnen der Name Nvidia ein Begriff sein. Allen anderen sei gesagt: Nvidia stellt Grafikkarten her, die sich in Rechnern befinden, aber auch in Spielkonsolen. Das allein würde jedoch noch nicht erklären, wieso sich der Wert der Papiere seit Anfang Jahr verdoppelt hat, in den vergangenen drei Jahren sogar glatt verzehnfacht. Das Geheimnis des Erfolgs: Grafikkarten eignen sich nicht nur für die hübsche digitale Darstellung, sie sind auch besser als jene Chips von Intel für stupide, aber schnelle Rechenoperationen ausgelegt, die für das Abarbeiten von grossen Datenmengen oder für künstliche Intelligenz (KI) benötigt werden. Vergangene Woche hat Nvidia Quartals­bilanz gezogen: Die Zahlen lagen einmal mehr über den Erwartungen. Mit dem soliden Geschäft aus dem Gaming-Bereich und der Hoffnung auf Trendthemen wie KI oder autonomes Fahren dürften Nvidia-Aktien noch länger interessant bleiben. Dosiert kaufen

 

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