Swiss-Life-Papiere sind noch günstig zu haben

Swiss Life: Der Versicherer hat Erfolg, weil er schrumpft. Foto: Gianluca Colla/Getty Images

Die Aktienbörse strebt beinahe jeden Tag höher. Die Anleger kaufen, und viele Aktien notieren auf unüblich hoher Bewertung. Nicht so die Papiere von Swiss Life. Sie haben dieses Jahr fast 20 Prozent zugelegt, sind aber dennoch, gemessen an dem für 2018 geschätzten Gewinn, nur mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf für das kommende Jahr eingestuft. Der Versicherer hat Erfolg, weil er schrumpft. Das klingt zunächst nicht positiv. Doch wegen der Niedrigzinslage schliesst Swiss Life neue Vorsorge- und Lebensversicherungen nur selektiv ab. Auf dem verbleibenden Umsatz verbessert sich dafür die Marge. Aufwärts geht es zudem mit den Kommissionen, die von Banken kassiert werden für die Vermittlung von Fonds und ETF. Solche Kollektivanlagen werden in Lebenspolicen eingebaut. So wird Spargeld wertschriftenbasiert investiert. Florierend ist auch die Diversifikation von Swiss Life in das Anlagefondsgeschäft und die Immobilienverwaltung. So ist alles vorhanden, was es für eine gute Aktienstory braucht. Das Unternehmen zieht zwar im Stammgeschäft die Zügel an, ist aber expansiv in den Bereichen, die zinsunabhängig steigende Kommissionen versprechen. Das Zielband der Ausschüttung von 30 bis 50 Prozent des Jahresgewinns ist bisher noch nicht ausgeschöpft. Deshalb ist es nicht fahrlässig, eine steigende ­Dividende zu erwarten. Kaufen

Sunrise mit mehr Fantasie

Wer vor dem Jahreswechsel Sunrise-Aktien gekauft hat, kann sich freuen. Die Valoren kommen auf eine Gesamtrendite von 26 Prozent und lassen damit sowohl den breiten Markt, gemessen am SPI, mit einer Gesamtrendite von 18 Prozent als auch die Titel der Erzrivalin Swisscom (15 Prozent) hinter sich. Interessant daran ist: Obwohl Sunrise wie auch Swisscom Dividendentitel sind, hat bei Sunrise vor allem die Kursentwicklung für das Plus gesorgt. Es steckt also mehr Fantasie in den Papieren des kleineren Anbieters. Das wiederum hat seinen Grund. Als Sunrise die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlichte, stieg der Ausblick für das Betriebsergebnis im laufenden Geschäftsjahr. Das hat für gute Stimmung an der Börse gesorgt. Im Mai, als der Verkauf der Mobilfunkmasten an internationale Investoren angekündigt wurde, hatte Sunrise die Bandbreite für das Betriebsergebnis schon einmal angehoben, ebenso jene für die Dividende. Analysten spekulieren, mit welchem Bonbon Sunrise anlässlich der Drittquartalszahlen am 9. November aufwartet. Ein Tipp ist, dass das Unternehmen nochmals ein höheres Betriebsergebnis in Aussicht stellt. Sunrise sind spannende Aktien, als Dividendenrendite für 2017 winken Anlegern 4,9 Prozent, Tendenz steigend. Kaufen

Steigender Gewinntrend

Die jüngsten Zahlen zum Bestellungseingang von Sulzer zeigen mir, dass die Winterthurer Industriegruppe das Gröbste überstanden hat. Der Abschwung in der Öl- und Gasindustrie, die Sulzer mit Pumpen und Prozessanlagen beliefert, läuft allmählich aus. Im dritten Quartal konnten organisch, also ohne Akquisitionen, fast 8 Prozent mehr Aufträge hereingenommen werden. Das signalisiert mir, dass die Gruppe ab dem kommenden Jahr wieder wachsen wird. Das Management hat in den letzten zwei Jahren eine Restrukturierung durchgezogen, die in der Rentabilität des Unternehmens erst so richtig zur Geltung kommt, wenn der Umsatz wieder steigt – also ab nächstem Jahr. Zudem hat das Unternehmen den bisher kleinen, margenstarken Bereich mit Dispensern (etwa Leimpistolen oder Zahnfüllungsapplikatoren für Zahnärzte) durch Akquisitionen ausgebaut. Das wird den steigenden Gewinntrend noch verstärken. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 bezogen auf 2018 sind die Titel noch günstiger bewertet als der Rest der Schweizer Industrieunternehmen, die im Durchschnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von klar über 20 aufweisen. Kaufen

Toshiba wollte schnell viel Geld

Die Story des Zuger Traditionsunternehmens Landis+Gyr klang toll beim Börsengang im Juli. Der Schweizer Marktführer liefert die Stromzähler für den weltweiten Ausbau intelligenter Stromnetze – es ist die Zukunft des Elektrizitätsmanagements. Doch die erste Zahlenvorlage des Unternehmens ist ziemlich ernüchternd. Der Betriebsgewinn wird von diversen Sonderfaktoren belastet, nur in den USA verdient das Unternehmen wirklich Geld. Und dort wird Landis+Gyr von der Konkurrenz arg bedrängt. Immerhin soll der Umsatz dieses Jahr etwas höher ausfallen als erwartet. Schon jetzt sind die Aktien ein Zehntel weniger wert als beim Börsengang. Es ist kein Geheimnis: Die ursprüng­liche Eigentümerin, die kriselnde To­shiba, hatte ihr Tochterunternehmen Landis+Gyr an die Börse gebracht, um möglichst schnell an möglichst viel Geld zu kommen. Finanzinvestoren wollten weniger zahlen. Das ist bezeichnend. Wirklich fit für den Kapitalmarkt und dessen Ansprüche scheint Landis+Gyr noch nicht zu sein, aber zu teuer. Meiden