Cash auf mehrere Banken verteilen

Geld parkieren: Bei Banken sind die Einlagen bis maximal 100'000 Franken gesetzlich gesichert. Foto: Key

Geld parkieren: Bei Banken sind die Einlagen bis maximal 100’000 Franken gesetzlich gesichert. Foto: Key

Ich habe kürzlich in der Zeitung gelesen, dass die Postfinance heute keine Staatsgarantie mehr hat. Ich habe dort ein Konto mit etwas mehr als 200’000 Franken. Ist es sinnvoll, 100’000 Franken auf eine andere Bank zu transferieren wegen der Garantie? P. S.

Es ist tatsächlich so, dass die Gelder, welche man bei der Postfinance parkiert hat, seit Anfang Oktober nicht mehr durch den Staat – und damit durch uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahler – garantiert sind. Ich habe schon mehrmals in meinen Kolumnen auf den veränderten Schutz hingewiesen.

Bereits am 6. Dezember 2012 hatte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma der Postfinance die Banklizenz erteilt. Mit diesem wichtigen Schritt wurde aus der Postfinance eine der grössten Banken im Lande. Sie bewegt sich im Inlandgeschäft in der gleichen Top-Liga wie CS, UBS, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank. Der Preis für die Erteilung der Banklizenz vor fünf Jahren war aber, dass der Gelbe Riese die Staatsgarantie verlor. Dies ist nun seit Anfang Oktober der Fall.

Dies bedeutet aber nicht, dass die Einlagen bei der Postfinance nicht mehr sicher wären und nicht geschützt sind. Die Postfinance ist jetzt punkto Sicherheit einfach gleichauf wie die meisten Banken in der Schweiz: Als Kunde darf man nicht mehr auf eine unbegrenzte Staatsgarantie wie ganz früher vertrauen, sondern nur noch auf die gesetzliche Einlagensicherung.

Konkret bedeutet dies, dass heute die Einlagen bei der Postfinance wie bei den meisten Banken nur noch bis maximal 100’000 Franken gesetzlich garantiert sind. Dieser gesetzlich festgelegte Einlagenschutz bezieht sich auf die Kundenbeziehung: Es sind also nicht 100’000 Franken pro Konto, sondern pro Kunde geschützt. Auch wenn Sie mehrere Konten bei der Postfinance unterhalten, sind trotzdem nur 100’000 Franken garantiert. In Ihrem konkreten Fall wäre somit bei einem Bankenzusammenbruch, den ich bei der Postfinance schon fast für unwahrscheinlich halte, nur die Hälfte der Einlagen gesichert. Trotz der verlorenen Staatsgarantie stufe ich die Postfinance als eine sehr sichere Bank ein. Die Kapitallage ist robust und die operative Leistung solide.

Wenn Sie aber möglichst wenig Risiken eingehen und einen möglichst umfassenden Schutz haben möchten, müssten Sie in der Tat die Hälfte Ihres Cashbestandes auf das Konto bei einer anderen Bank transferieren. Da wären wieder maximal 100’000 Franken gesetzlich gesichert.

Oder aber Sie gehen zu einer Kantonalbank mit voller Staatsgarantie, wo die Einlagen über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus garantiert sind.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Sie die Hälfte Ihrer liquiden Mittel bei der Postfinance in Fonds mit höheren Renditechancen investieren. Denn diese bleiben auch bei einem Bankkonkurs immer im Besitz der Kunden. Dafür tragen Sie aber das erhöhte Anlagerisiko, welches mit den Fonds verbunden ist.

Eine Diversifikation auf mehrere Banken und allenfalls in Wertschriften empfiehlt sich auch noch aus einem anderen Grund: Solange die Nationalbank an den Negativzinsen festhält, bekommt man auf sehr hohen Cashbeständen einerseits keinen Zins mehr und riskiert anderseits, dass man auf diesen unter Umständen mal doch noch Negativzinsen zahlen muss.

 

30 Kommentare zu «Cash auf mehrere Banken verteilen»

  • Bankbusiness IT Analyst sagt:

    Die 100’000 pro Kunde sind bei den systemkritische Banken zweitrangig: „Gemäss dem Bankengesetz ist der Maximalbetrag der Einlagensicherung auf CHF 6 Milliarden beschränkt.“ – Für alle Kunden und Banken zusammen!

  • Michi sagt:

    „100’000 gesetzlich gesichert“ ist Vorspiegelung falscher Tatsachen. Der Einlegerschutz in der Schweiz ist ein Fonds, der schon bei Zusammenbruch einer Bank nicht ausreichen würde, die Kundengelder zu decken. Geld ist nur auf Banken mit Staatsgarantie „sicher“.

  • Martin Sutter sagt:

    Ich glaube, dass die Postfinance eher sicherer ist als die Grossbanken. Insbesondere ist diese eher national und auch nicht im Investment Banking aktiv und hat vermutlich mehr Eigenkapital im Vergleich zur Bilanzsumme (das habe ich aber nicht nachgeschaut). Kantonalbanken haben eine Staatgarantie, die Migrosbank ist sicher weil sie an dem ganzen Genossenschaftsbund hängt und der Verkauf von Lebensmittel ein krisensicheres Geschäft ist.

    Grossbanken wären wohl zu gross als dass der Staat diese Banken bei einer grossen, globalen Krise retten könnte («too big to Rescue»).

  • Joe Helfenstein sagt:

    In der Einlagensicherung ist jedoch nur 6 Milliarden Fr. !! Das ist sehr bescheiden.
    Wenn eine grössere Bank pleite geht oder mehrere kleine dann gibt es auch die 100’000 Fr. nicht.
    Darum: auf mehrere Banken verteilen und mindestens 10 – 20 % in bar halten.

  • Grossanleger sagt:

    Genau so mache ich es nun. Ich eröffne je ein Konto bei unseren systemrelevanten Banken und verteile mein Vermögen von CHF 100.- fein säuberlich auf die Spesenerzeugnisse.

  • M. Vetterli sagt:

    Solange keine Risikoprämie auf den nichtgesicherten/nichtprivilegierten Einlagen zugesprochen wird sollte man die Bank dringend wechseln. Dass das Eingehen eines erhöhten Risikos nicht abgegolten wird ist nicht verständlich.
    Es muss der Dummheit des Marktes zugesprochen werden dass eine derart absurde Zinspolitik umgesetzt werden kann. Eigentlich genauer der Dummheit der Geldeinleger. Diese müssen reagieren und bei Gleichbehandlung der Positionen bis- und über der 100’000.- Marke den risikoreicheren Teil zu einer anderen Bank transferieren.
    Der Wechsel zu einer Staatsbank sollte allerdings nicht in Erwägung gezogen werden. Die Uebertragung des Verlustrisikos auf die Allgemeinheit ist nicht fair und wenig sozial. Die Risiken der Staatsbanken sollten auf das vorhandene EK beschränkt werden

    • Leo Schmidli sagt:

      Welche Staatsbanken haben wir denn?

      • M. Vetterli sagt:

        Diverse Kantonalbanken. An erster Stelle natürlich die systemrelevante ZKB.

        Nur schon um den für die systemrelevanten Banken eingeführten Bail-in-Regeln, Genüge zu tun darf die Haftung der Allgemeinheit nicht über das vorhandene Eigenkapital hinaus wirken.
        Auch bei der ZKB müssen die Bail-in-Regeln, beim Pleite-Fall, zum Tragen kommen. Auch da muss der Fremdkapitalgeber mit seinen nichtprivilegierten/nichtgesicherten Einlagen dem Risiko der Wandlung dieser Gelder in Eigenkapital ausgesetzt werden.

        Nachdem der Staat bei der Postfinance nicht mehr haftet muss nun auch die ZKB von der Staatsgarantie befreit werden. Die Politik sollte hier nicht zuwarten. Die Spiesse müssen für alle systemrelevanten Banken gleich lang sein.

    • Josef Marti sagt:

      Sie finden keine Bank die eine Risikoprämie zahlt. Die absurde Zinspolitik kann problemlos durchgesetzt werden, zumindest die institutionellen Anleger wie PK’s können sich dem nicht entziehen, die Banken würden zwar noch so gerne den PK’s Papiergeld durchreichen um die Weiterbelastung von Negativzinsen zu vermeiden, die SNB lässt dies aber nicht zu weil sie Papiergeld nur beschränkt herausgibt. Sonst könnte ja die SNB Zinspolitik einfach und schnell torpediert werden, eine Geschäftsbank hat nämlich keinen juristisch durchsetzbaren Anspruch gegen die SNB auf unbeschränkte Herausgabe von Papiergeld.
      Abgesehen davon kann aufmüpfigen Banken jederzeit der Stecker resp. die Banklizenz entzogen werden.

      • M. Vetterli sagt:

        Diverse Kantonalbanken. An erster Stelle natürlich die systemrelevante ZKB.

        Nur schon um den für die systemrelevanten Banken eingeführten Bail-in-Regeln, Genüge zu tun darf die Haftung der Allgemeinheit nicht über das vorhandene Eigenkapital hinaus wirken.
        Auch bei der ZKB müssen die Bail-in-Regeln, beim Pleite-Fall, zum Tragen kommen. Auch da muss der Fremdkapitalgeber mit seinen nichtprivilegierten/nichtgesicherten Einlagen dem Risiko der Wandlung dieser Gelder in Eigenkapital ausgesetzt werden.

        Nachdem der Staat bei der Postfinance nicht mehr haftet muss nun auch die ZKB von der Staatsgarantie befreit werden. Die Politik sollte hier nicht zuwarten. Die Spiesse müssen für alle systemrelevanten Banken gleich lang sein.

      • M. Vetterli sagt:

        Der Einfluss der Geldpolitik der SNB ist für den Ist-Zustand natürlich bedeutend.
        Dies bedeutet aber in keiner Art und Weise, dass unterschiedliche Risiken nicht auch unterschiedliche Prämien hervorbringen.

        Bei den systemrelevanten Banken werden den Geldern, welche dem vertraglichen Bail-in unterliegen (z.B. Coco-Bonds), eine deutliche Risikoprämie zugestanden.
        Es besteht kein Grund, dass die nichtprivilegierten/nichtgesicherten Einlagen, welche dem gesetzlichen Bail-in unterliegen, nicht auch eine Zusatzprämie zugestanden werden.

        Wenn die Kunden die Gelder über der 100’000.- Marke jeweils zu anderen Banken transferieren und in 100000.-Paketen anlegen, wird das privilegierte FK massiv ansteigen und dank 125%-Regel die Banken zu Zinsanhebungen auf den nichtpriv. Geldern zwingen.

    • Peter Schneider sagt:

      „Die Uebertragung des Verlustrisikos auf die Allgemeinheit ist nicht fair und wenig sozial.“
      ???
      Wenn alle Schweizer so optimieren, geht jeder Bürger die gleichen Risiken ein und erhält die gleiche Sicherung, wofür dann alle auch anteilsmässig bezahlen und haften. Asozial ist eher, dass recht hohe Bankgebühren der Banken eine solche Diversifizierung nicht erlauben und nur die Reichen überhaupt die Möglichkeit haben, auf diese Weise abzusichern.
      Im Umkehrschluss zu Ihrem Satz: sozial wäre also, dass wir alle das Geld mit möglichst hohem Klumpenrisiko bei lediglich einer Bank parken, nur damit im Ernstfall alles verloren ist. Um dann zu bemerken, dass 90% der Bürger, die Ihr Geld eben nicht dort geparkt haben, froh sind? Finde ich genauso asozial.

      • M. Vetterli sagt:

        “Wenn alle Schweizer so optimieren, geht jeder Bürger die gleichen Risiken ein und erhält die gleiche Sicherung, wofür dann alle auch anteilsmässig bezahlen und haften.”

        Wenn alle Schweizer so optimieren können keine Verluste auf die Allgemeinheit übertragen werden. Dies scheint mir auch richtig. Die Allgemeinheit sollte nicht die Geldanlagen der Bürger vor Verlusten schützen.

        Wer Gelder einer Bank zur Verfügung stellt ist ein Kreditgeber und geht ein Verlustrisiko ein. Dass die ersten 100000.- gesichert/privilegiert sind, wird nicht in Frage gestellt. Gelder, welche über dieser Marke liegen unterliegen einem Verlustrisiko. Wer sich dem durch Absicherung via Allgemeinheit entzieht ist nicht sonderlich sozial.

      • M. Vetterli sagt:

        @Peter Schneider

        Nachtrag:
        OK… Ihr Szenario läuft auf eine 1-Bank-Welt hinaus. Eine Bank welche der Allgemeinheit gehört. Ein solidarisches Haften der Bürger. Eigentlich eine Deponierungsstelle für Gelder sowie eine Versicherungsgesellschaft für deren Verlust.

        Aber es darf wirklich nur eine Bank geben… andernfalls können wiederum Gewinner und Verlierer entstehen… welches Sie offenbar als asozial betrachten…

        Wieso nicht???… Würde zumindest diesbezüglich zu einer Verflachung unserer Gesellschaft führen… Packen Sie’s an…

  • Daniel Keller sagt:

    Welche Kantonalbanken haben eine Staatsgarantie? Ist die unlimitiert?

  • glaser sagt:

    die Kantonalbanken garantieren eine vermeintliche Sicherheit. Nur zahlen tun wir alle dies, ob wir wollen oder nicht, mit unsern Steuern! Somit ist auch das nur Augenwischerei.

  • Spychiger sagt:

    Nützlich wären folgende 2 Antworten:
    1. Welche KBs haben noch Staatsgarantie.
    2. Werden Cash Bestände mit allfälligen Hypothekar- resp. andere Schulden bei der gleichen Baank verrechnet?

    • piotr sagt:

      2. Laut OR Art. 123 ja, ebenso nach SchKG Art. 213. Es können aber AGB oder Bankspezialgesetze entgegenstehen, die ich nicht nachgeforscht habe.

  • Alain Surlemur sagt:

    Wenn die Postfinance über den Jordan geht wird der Sicherungsfonds von 6 Mia kaum reichen. Bei 119Mia Kundengeldern ( Stand 2016 ) würden bereits 5% Ausfall diesen Pool auffressen. Für die anderen Banken, die vermutlich auch Probleme haben würden, blibe nichts mehr.

  • Martin Bär sagt:

    „Sie bewegt sich im Inlandgeschäft in der gleichen Top-Liga wie CS, UBS, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank.“
    .
    Die ZKB hat doch eine Staatsgarantie, oder wurde die abgeschafft?

  • andrea haltiner sagt:

    sollte auch nur EINE Bank in der Schweiz die Kundengelder nicht auszahlen koennen, dann gaebe es SCHWEIZWEIT einen „bankrun“ und das Bankensystem wuerde sofort zusammenbrechen!

    somit, die CHF 100’000 sind reine Theorie ! – Faktisch hat der Staat und die SNB die Wahl: alle Forderungen zu honorieren oder einen wirtschaftlichen Systemzusammenbruch (man stele sich vor die Postfinance welche dem Staat gehoert zahlte nicht voll…..)

  • Leser sagt:

    Cash? Was bitte ist an Giralgeld denn CASH??

  • B. Weiss sagt:

    Meines Wissens gilt der Einlegerschutz, wenn er dann überhaupt noch greift, nur auf Sparkonti. Privatkonti fallen nicht unter den Schutz.

  • Jessas Neiau sagt:

    Hört doch endlich mit dem Bankengeschwätz von wegen „100’000 sind sicher“ auf. Wenn die Bank hopsgeht ist das Geld weg, das ist die Wahrheit. Und dass Banken sicher sein sollen war von Anfang weg eine Lüge.

  • Tota Tula sagt:

    Vielen Dank Herr Spieler fuer Ihren interessanten und lehrreichen Artikel. Ohne den Nutzen Ihres Beitrages schmaelern zu wollen, wuerde es mich noch interessieren, wieviele Schweizer eigentlich von diesem Problem betroffen sind.

  • Eduardo sagt:

    Die Einlagensicherung besteht nur, solange sie nicht in Anspruch genommen wird, denn die dafür zur Verfügung stehenden Gelder sind sozusagen bloß symbolisch. Sie ist also eine Illusion, um die Leute zu beruhigen. So einfach ist das.

  • R. Büchi sagt:

    Wenn meine Frau und ich je ein Konto bei der gleichen Bank haben, ist man dann doppelt abgesichert (also 2 x 100’000.-)?

    • Peter sagt:

      Es gilt pro Person, denn google schweiz bank garantiefonds dann FAQ , etwa 7.letzte Frage, aber auch 6.letzte Frage beachten, und verweist zudem auf das Vorsehen des Gesetzes.

Kommentar

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