Schwarzkonto den Steuerbehörden melden

Konto auf einer australischen Bank: Meldepflicht. Foto: Getty

Konto auf einer australischen Bank: Meldepflicht. Foto: Getty

Seit 1989 habe ich bei einer australischen Bank ein Konto. Ursprünglich war geplant, bei einem späteren Australien-Aufenthalt das Geld zu beziehen oder für mein australisches Götti-Kind zu verwenden. Ich habe gegenüber den Schweizer Steuerbehörden den Betrag und die Erträge nicht deklariert. Werden aufgrund des automatischen Informationsaustausches die Schweizer Behörden Kenntnis davon erhalten? A.W.

Ja, Sie müssen davon ausgehen, dass die Schweizer Steuerbehörden von Ihrem nicht deklarierten Konto in Australien Kenntnis erhalten. Neben den Staaten der EU hat die Schweiz auch einen automatischen Informationsaustausch (AIA) mit Australien vereinbart. Wie bei der EU ist dieser AIA auch im Falle von Australien seit dem 1. 1. 17 in Kraft. Im Rahmen des AIA sammelt die Schweiz seit Jahresbeginn erstmals Daten und wird diese im Jahr 2018 austauschen.

Wie es der Begriff sagt, erfolgt ein automatischer Austausch zwischen beiden Staaten: Also wird auch Australien die gesammelten Daten über Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die dort ein Konto besitzen, an die hiesigen Steuerbehörden melden. Es ist somit nur noch eine Frage der Zeit, bis die Steuerverwaltung von Ihrem Australien-Konto erfährt.

Sie fragen mich noch, ob es allenfalls einen Schwellen- oder Mindestbetrag für den Informationsaustausch gibt. Nein, ein solcher Mindestbetrag für den AIA gibt es nicht. Beim AIA werden gegenseitig Kontonummern und Steueridentifikationsnummern sowie Name, Adresse und Geburtsdatum von Steuerpflichtigen im Ausland mit einem Konto in einem anderen Land als dem Ansässigkeitsstaat, alle Arten von Kapitaleinkünften, Gesamterlöse aus der Veräusserung oder dem Rückkauf von Vermögensgegenständen sowie der Saldo des Kontos ausgetauscht.

Es geht also nicht darum, ob jemand viel oder wenig auf einem Konto hat, sondern allein schon die Tatsache, dass Sie ein Konto in Australien besitzen, wird gemeldet. Da zusätzlich der Saldo weitergeleitet wird, haben die Steuerbehörden alle relevanten Daten.

Ich rate Ihnen, das Konto so rasch als möglich bei Ihren lokalen Steuerbehörden zu deklarieren. Möglicherweise können Sie so noch eine Strafsteuer verhindern. Das Steueramt interessiert es nicht, zu welchem Zweck Sie das Konto eröffnet hatten. Relevant für den Fiskus ist lediglich die Tatsache, dass das Konto nicht deklariert wurde. Gemäss Gesetz müssen sämtliche Konten im In- und Ausland in der Steuererklärung angegeben werden. Ebenso die Kontostände, selbst wenn diese gering sind.

Wahrscheinlich hatten Sie das Geld, welches auf dem australischen Konto liegt, ursprünglich ordentlich als Einkommen hier in der Schweiz versteuert. Faktisch wäre es dann nur noch unter die Vermögenssteuer gefallen. Angesichts der Risiken und Umtriebe, die man hat, wenn die Nichtdeklaration bekannt wird, sollte man Konten im Ausland den Steuerbehörden möglichst noch freiwillig melden, um eine Strafsteuer zu verhindern.

Angesichts des automatischen Informationsaustausches, den die Schweiz mit immer mehr Ländern abschliesst, halte ich das Risiko von Schwarzkonten im Ausland für zu gross. Die Chance, dass diese irgendwann ans Licht kommen, ist je nach Land deutlich gestiegen.

15 Kommentare zu «Schwarzkonto den Steuerbehörden melden»

  • Alexander Onegin sagt:

    Das mit dem automatischen Informationsaustausch ist ein politischer PR-Gag; Er bringt viel Medienpräsenz, aber keine signifikant höhere Steuereinnahmen. Geld geht dorthin, wo es gut behandelt wird. Es gibt genügend sichere Orte, die vom automatischen Austausch nicht betroffen sind. Und diese können sich nur Vermögende leisten. Es ist ein Irrglaube der Politiker, mit restriktiven Massnahmen höhere Steuererträge schaffen zu können; am Ende bezahlt immer der Mittelstand, der nicht weg kann. Der Staat erfindet für sich immer neue Aufgaben, für die er weder qualifiziert noch denen er gewachsen ist, und die Staatsquote steigt nachhaltig. Immer höhere Staatsquoten entsprechen einem Axiom, egal was die Regierungsform ist. Am Ende kollabiert jeder Staat. Die einen schneller.

  • Markus sagt:

    Wenn ich Geld auf ein Konto eines ital. Notars überweise und mir davon ein Haus kaufe, wird das dann auch gemeldet, bzw. erfahren das die Schweizer Steuerämter?

    • Franz Josef sagt:

      Um dies mit absoluter Sicherheit zu beantworten, müsste die italienische AIA Wegleitung beachtet werden. Diese gibt nämlich vor ob ein Konto ausgeschlossen werden kann oder nicht. In der Schweiz sind Anwaltskonten zu notariellen Zwecken laut meinem Wissen von der Meldepflicht ausgeschlossen. Wahrscheinlich muss jedoch der Notar die Herkunft Ihres Geldes ab einer gewissen Summe (in Teilen der EU bereits ab 1000€) deklarieren (ob ein Notar diese Deklaration ebenfalls tätigen muss, weiss ich leider nicht). Fazit: Aus meiner Sicht wird Ihr Plan mit einem Hauskauf aus unversteuertem Geld nicht möglich sein.

      • Wolfgang sagt:

        Viele werden sich wundern wenn die Steuerbehörden Konten mit kleinen Beträgen in die Schweiz melden. Warum haben Sie ein Konto in Ungarn etc., dann ist das schwarz gekaufte Haus gleich kein Geheimniss mehr. ….. wenn das Finanzamt die Kontoauszüge der letzten 10 Jahre verlangt. Die Nachzahlungen und Strafe werden dann gewaltig.

      • Markus sagt:

        Das Geld ist versteuert, also kein Schwarzgeld. Es geht mir darum den Eigenmietwert zu umgehen und etwas weniger Vermögen in der Schweiz zu versteuern. In Italien zahle ich ja schon Steuern auf das Haus, wie viel Steuern soll ich den noch bezahlen? Hab das Gefühl trotz Doppelsteuerungsabkommen jeden Franken zig Fach zu versteuern. Ich weiss natürlich, dass ich in Italien kein Bankkonto eröffnen darf.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Ich habe noch ein Geldkonto und ein Wertschriftenkonto ennet der Grenze. Eines ist für eine €-Debitkarte, das andere enthält noch fall-out vom TMT-crash von 2001. Wert je 300 €. Ich lasse mich überraschen. Bei 0,3% Vermögenssteuer geht es um 60 Rappen.

  • Anton Paschke sagt:

    Eine Liste der Länder, mit denen AIA abgeschlossen wurde wäre natürlich vor dem 1. Januar 2017 spannend gewesen. Wer genug Geld hatte ist einen Spezialisten fragen gegagen.
    Umgekehrt denke ich, dass sich das Steueramt wegen 300 Franken nicht deklariertem Vermögen kein Bein ausreissen wird.

  • Pioter seruittehg sagt:

    Würde gerne wissen wie viel schwarzgeld die Wirtschaft antreibt
    Un wie Schwarzgeld erwirtschaftet wird, meistens ist es versteuertes Geld das gespart wurde
    Es wird nicht angegeben weil man es in schlechten Zeiten brauchen kann
    Ohne das der Staat es einem weg nimmt
    Den die nichts sparen sind die die profitieren

  • Peter Schneider sagt:

    Ich habe zahlreiche Konti bei Finanzdienstleistern wie Paypal. Reicht es, zum Jahresende das ganze Geld jeweils heim zu transferieren, so dass die Null steht, oder werde ich trotzdem vom Steuervogt an die Kandare genommen?

  • groeg sagt:

    Die Heiligsprechung des Steuervogts und seiner Anliegen geht an der Tatsache vorbei, dass sich sehr reiche Leute nicht wie Gänse ausnehmen lassen, nur um der allgemeinen Theorie der „Solidarität“ genüge zu tun. Tatsache ist doch, und alle wissen es, dass die Umverteilung in nicht mehr akzpetierbarem Ausmass von OBEN NACH UNTEN stattfindet.Lesen Sie doch einmal die Anleitung zu Ihrer Steuererklärung.
    Millionen sog. Steuerzahler zahlen keinen Cent Bundessteuer.10% zahlen 90% der Steuer.Bei Gemeinde- und Kantonssteuern spielt die Ausplünderung auch. Vielleicht ist in solchen Fällen Hinterziehung ein positiver Akt, verhindert er doch teilweise die weitere extreme Verschwendung von Steuergeld.Wer nicht 10’000 Steuern pro Jahr pro Person zahlt, ist ein Profiteur.

  • Urs brand sagt:

    werden knoten im Heimatland von im der Schweiz wohnenden Ausländern auch den Schweizer Behörden gemeldet?

  • Franz Josef sagt:

    @Urs Brand: Ja, sofern Ihr Heimatland ein Abkommen mit der Schweiz hat! Ausser Sie haben der Bank in Ihrem Heimatland die Schweizer Adresse nicht angegeben, bzw verwenden im Heimatland eine c/o Adressse (Dies müsste die Bank jedoch bereits bereinigt haben bzw. wird Sie wahrscheinlich noch kontaktieren).
    Sie sollten von Ihrer Bank in dem besagten Heimatland eine Selbstzertifizierung zur Angabe Ihrers Steuerdomizil erhalten. Natürlich könnte man hier nicht die ganze Wahrheit nennen, dies wiederum wäre dann aber Urkundenfälschung…

Kommentar

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