Kapitalschutz: Immer ein Restrisiko

Absicherung: Lassen Sie sich nicht von hohen Renditeaussichten blenden. Foto: Getty

Absicherung: Lassen Sie sich nicht von hohen Renditeaussichten blenden. Foto: Getty

Meine Ehefrau und ich sind bald 70 Jahre alt. Wir besitzen ein Aktienpaket und einen UBS-Strategiefonds  von 120’000 Franken. Wir befürchten, wegen der unsicheren politischen Lage einen Absturz wie 2008 während der Bankenkrise zu erleben, als wir einen Verlust von 30 Prozent verbuchten. Die Axa hat uns einen Vorschlag für Anlagezertifikate mit Kapitalschutz unterbreitet. Was halten Sie davon? W.T.

Die Multi-Asset-Investment-Anlagezertifikate mit Kapitalschutz, welche Ihnen Ihre Versicherung vorgeschlagen hat, ist an die Entwicklung des CS STAA 6% CHF ER Index gekoppelt. Damit haben Sie die Chance, am möglichen weiteren Aufwärtstrend an den Finanzmärkten zu partizipieren, sichern sich aber gegen hohe Verluste ab. Vollständig gegen Rückschläge sind Sie allerdings nicht geschützt. Der Kapitalschutz umfasst nur 90 Prozent. Die restlichen 10 Prozent tragen Sie selber.

Ich rate Ihnen, sich nicht von den in der Produktbeschreibung erwähnten schönen Renditeaussichten blenden zu lassen. Falls der Index eine jährliche Rendite von 6 Prozent erreicht, verspricht man Ihnen bei einem Kapitaleinsatz von 50’000 Franken eine Rückzahlung von über 100’000 Franken. Das halte ich für wenig realistisch. Angesichts der nach wie vor tiefen Zinsen ist es auch gar nicht so sicher, dass der Index jedes Jahr nur schon eine Rendite von 3 Prozent schafft.

Das Produkt verfügt zudem über eine lange Laufzeit von zehn Jahren. Zwar ist ein vorzeitiger Verkauf vor Ende der Laufzeit zum dann aktuellen Marktpreis durchaus möglich. Sie müssen aber damit rechnen, dass der Marktpreis für Sie bei einem vorzeitigen Verkauf unvorteilhaft ist – etwa dann, wenn die Börsen eingebrochen sind. Darum würde ich davon ausgehen, dass Ihr Geld während zehn Jahren gebunden ist.

Unabhängig von diesem Anlagevorschlag können Sie sich auch bei Ihrer Bank einen Vorschlag einholen, um Ihr bestehendes Aktiendepot abzusichern, welches sich, wie Sie mir schreiben, sehr positiv entwickelt hat. Dann müssten Sie Ihre Aktien gar nicht verkaufen.

Darüber hinaus rate ich Ihnen, weitere Vorschläge von Banken und Versicherungen für vergleichbare Kapitalschutzprodukte einzuholen. Dann können Sie vergleichen. Kapitalschutzprodukte sind für Privatinvestoren, welche Sicherheit anstreben, sinnvoll. Man darf sich aber nicht in falscher Illusion wiegen, dass man keine Verluste erleiden kann. Prüfen würde ich vor einem Abschluss insbesondere die Frage nach dem Emittentenrisiko. Hier kamen während der Finanzkrise nach der Pleite der US-Grossbank Lehman Brothers auch hierzulande einige Privatanleger brutal auf die Welt, welche Kapitalschutzinstrumente besassen und einen Totalverlust einfuhren. Letztlich gilt: Der Kapitalschutz ist nur so viel wert wie der Herausgeber des Produktes, welcher den Schutz des eingesetzten Geldes garantiert.

Sie schreiben mir auch, dass Sie erwägen, Ihre Hypothek weiter zu amortisieren. Das scheint mir sinnvoll. Denn damit bringen Sie einen Teil Ihres Geldes in Sicherheit, und vor allem sparen Sie sich die Kosten für die Hypothek. Dafür rate ich Ihnen, einen Teil Ihrer Aktien und Fonds schrittweise zu verkaufen und die Gewinne zu realisieren. Angesichts der erhöhten geopolitischen Risiken muss man trotz an sich positiven ökonomischen Rahmenbedingungen und weiter guten Konjunkturaussichten jederzeit auch mit heftigen Rückschlägen an den Börsen rechnen.

Daher würde ich in Ihrem Fall wohl wenigstens einen Teil der Gewinne realisieren – bevor es zu spät ist.

1 Kommentar zu «Kapitalschutz: Immer ein Restrisiko»

  • Barry Houdini sagt:

    Der Life Track Record des Index enttäuscht. Der Index selber ist ‚pfadabhängig‘, was Anleger bei einem Kapitalschutz am Ende der Laufzeit nicht brauchen. Die Partizipation ist unbekannt. Einen Schutz von nur 90% am Ende der Laufzeit hilft nicht wirklich. Die Kosten sind viel zu hoch, wenn man durch das Produkt bis zum Index hindurch schaut (man lese das klein Gedruckte). Es wollen halt alle mitverdienen.

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