Kleine Firma, grosses Potenzial für Anleger

Bachem in Bubendorf BL: Die Biotechfirma überzeugt mit ihren Wachstumsraten. Foto: pd

Bachem in Bubendorf BL: Die Biotechfirma überzeugt mit ihren Wachstumsraten. Foto: pd

Bachem scheint mir längerfristig ein interessanter Titel zu sein. Wie werten Sie die Aktien und die Zusammenarbeit von Bachem mit Dottikon ES? In der Wirtschaftspresse liest man eher wenig über die Firma. R. H.

Ich halte Bachem auch für eine Aktie, bei der es sich lohnt, sie genau im Auge zu behalten. Das Biochemieunternehmen zeichnet sich schon seit längerer Zeit durch ein überdurchschnittliches Wachstum aus. Das haben auch die neusten Halbjahreszahlen gezeigt, obwohl die Zahlen die Markterwartungen nicht erfüllt haben.

Die Verkäufe nahmen im ersten Semester um über 5 Prozent auf 119,5 Millionen Franken zu, womit selbst die firmeneigenen Erwartungen nur teilweise erfüllt wurden. Dafür verantwortlich sind gemäss Bachem Projektverzögerungen und -verschiebungen. Bereits 2016 hatte Bachem einen Rekordumsatz vermeldet.

Potenzial bei patentierten Substanzen

Ein Negativfaktor in den Zahlen ist auch die Kostenentwicklung. Die Kosten sind aufgrund weiterer Ausbauarbeiten gestiegen. Und in den USA hätten sich Bewilligungen seitens der Behörden verzögert. Vor diesem Hintergrund hat sich die Bruttogewinnmarge leicht verschlechtert, bleibt aber mit über 31 Prozent immer noch hoch. Der Reingewinn verminderte sich um fast 8 Prozent auf knapp 16 Millionen Franken.

Dass die Anlegerinnen und Anleger auf die Semesterzahlen positiv reagiert haben, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass das Management eine höhere Auslastung, Mehrverkäufe und Effizienzverbesserungen für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellt hat. Weiteres beträchtliches Wachstum erwarte ich von der Sparte New Chemical Entities (NCEs), also mit den patentierten Substanzen. Hier wuchs der Umsatz um fast ein Viertel sowohl in den USA als auch in Europa.

Wichtiger als die Vergangenheit ist für die Aktionäre aber die Zukunft: Und da hat das Management betont, dass auch in diesem Jahr eine Margensteigerung drinliegen dürfte. In den nächsten Jahren soll die Ebit-Marge gar rund 25 Prozent betragen. Sollte dies erreicht werden, dürfen Sie auch beim Aktienkurs eine deutlich positive Entwicklung erwarten.

Beeindruckendes Produkteportfolio

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 30 sind die Bachem-Aktien allerdings nicht mehr günstig. Darin sehe ich ein Risiko, falls die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Dennoch sehe ich bei dem Unternehmen eine grosse Chance, dass auch künftig ein überdurchschnittlicher Gewinnanstieg erreichbar ist und die Marktführerschaft im Wachstumsbereich Peptidgeschäft sogar noch weiter ausgebaut werden kann.

Positive Wachstumsperspektiven verspricht das beeindruckende Projekteportfolio an Wirkstoffen mit 247 Projekten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Chancen sehe ich auch in den verschiedenen Allianzen – etwa mit AstraZeneca oder mit Dottikon ES im Bereich von neuartigen Aminosäuren etwa für die Peptidsynthese.

Auch die finanzielle Basis von Bachem lässt sich mit einer Eigenkapitalquote von über 68 Prozent sehen. Für den Titel spricht weiter die ansprechende Dividende, die angesichts des robusten Wachstums und der soliden Finanzlage auch künftig gesichert scheint.