Nicht deklarierte Vermögen sofort offenlegen

Ende der goldenen Zeiten fürs Geldverstecken: Der automatische Informationsaustausch bringt es an den Tag. Foto: Getty Images

Ende der goldenen Zeiten fürs Geldverstecken: Der automatische Informationsaustausch bringt es an den Tag. Foto: Getty Images

Mein Bruder lebt teilweise in Brasilien, teilweise in der Schweiz. Sein Vermögen hat er in der Schweiz angelegt, deklariert hat er es weder in der Schweiz noch in Brasilien. Muss er damit rechnen, dass er in Zukunft das Vermögen in Brasilien versteuern muss, falls die Schweizer Banken die Daten weiterleiten? N. B.

Grundsätzlich muss Ihr Bruder sein Vermögen sowohl in der Schweiz als auch in Brasilien deklarieren und dort, wo er effektiv angemeldet und steuerpflichtig ist, auch versteuern. Offenbar hat Ihr Bruder das Geld bis heute nicht deklariert. Damit geht er ein hohes Risiko ein. Denn die Schweiz und Brasilien haben vereinbart, dass sie künftig Steuerinformationen austauschen wollen.

Konkret vorgesehen ist, dass der automatische Informationsaustausch (AIA) auch mit Brasilien eingeführt werden soll. Ziel dieses Austauschs ist es, dass die grenzüberschreitende Steuerhinterziehung verhindert wird. Konkret hätte das zur Folge, dass die Schweiz und Brasilien im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs Daten über allfällige bestehende Finanzkonten austauschen.

Bereits in Kraft ist der AIA unter anderem mit der EU: Schon seit Jahresbeginn sammelt unser Land Bankdaten von ausländischen Kunden. Im nächsten Jahr werden die Daten mit den Staaten, bei den der AIA schon in Kraft ist, erstmals ausgetauscht. Sobald der AIA auch mit Brasilien umgesetzt wird, muss Ihr Bruder damit rechnen, dass sein unversteuertes Geld den Steuerbehörden bekannt wird. In diesem Fall läuft er Gefahr, dass er nicht nur Nachsteuern über mehrere Jahre hinweg berappen muss, sondern auch gebüsst wird, weil er das Vermögen dem Fiskus verschwiegen hat.

Im konkreten Fall Ihres Bruders ist die Situation etwas komplizierter, da mir nicht klar ist, wo er angemeldet ist und offiziell Wohnsitz hat und wo er somit tatsächlich steuerpflichtig wäre. Ich rate Ihrem Bruder, die gesamte Steuersituation so rasch wie möglich zusammen mit seiner Bank und allenfalls mit einem spezialisierten Anwalt im Detail zu prüfen. Weiter empfehle ich ihm, die bisher nicht deklarierten Vermögen offenzulegen und ordnungsgemäss zu deklarieren. Solange er von sich aus eine freiwillige Offenlegung vornimmt, sind die Folgen weit weniger gravierend, als wenn die Nichtdeklaration im Rahmen eines automatischen Informationsaustauschs auffliegt.

Wie die Offenlegung zu erfolgen hat und die genauen Konsequenzen aussehen, kann ihm seine Bank aufzeigen. Auch beim Offenlegungsprozess kann ihm die Bank behilflich sein. Seit der Abschaffung des Bankgeheimnisses für ausländische Kunden haben die Banken in der Schweiz viel Erfahrung, wie nicht deklarierte Kundengelder offengelegt werden müssen. Auch die Bank Ihres Bruders dürfte ein grosses Interesse haben, dass alle bei ihr gelagerten Vermögenswerte ordnungsgemäss versteuert sind.