Vorsorgesparen mit 80 Prozent Aktienanteil?

Vorsorgesparen mit grossem Aktienanteil ist etwas für junge Anleger. Foto: Getty Images

Vorsorgesparen mit grossem Aktienanteil ist etwas für junge Anleger. Foto: Getty Images

Ich spare in der 3. Säule und möchte als Junger möglichst alles in Aktien anlegen. Bei der Migros-Bank haben sie einen Fonds mit Aktienanteil von 85 Prozent. Ist dieser gut? M. M.

Bei dem von Ihnen erwähnten Fonds Ihrer Hausbank handelt es sich um einen klassischen Strategiefonds, der in erster Linie auf Aktien setzt. 5 Prozent der Mittel werden bei diesem Vehikel am Geldmarkt parkiert, 10 Prozent fliessen in alternative Anlagen und der ganze Rest in inländische und ausländische Aktien.

Das bedeutet, dass Sie stark an der Entwicklung der Aktienbörsen partizipieren können, gleichzeitig sind Sie aber auch voll dem deutlich erhöhten Schwankungsrisiko ausgesetzt. Sie tragen also hohe Risiken. Da Sie als junger Mann einen langen Anlagehorizont haben, relativiert sich meines Erachtens dieses Risiko. Auf lange Sicht haben Sie deutlich mehr Renditechancen. Daher halte ich Ihre Idee, für das Vorsorgesparen im Alter möglichst auf Aktien zu setzen, an sich für sinnvoll.

Leider hat die Sache einen gewichtigen Haken: Die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge schreibt für die Anlageklassen Kategoriebegrenzungen vor. So dürfen theoretisch nur maximal 50 Prozent der Gelder von Vorsorgefonds in Aktien angelegt werden. In der Praxis können die Vorsorgefonds aber unter bestimmten Auflagen auch einen höheren Aktienanteil aufweisen. Viele Vorsorgefonds halten dennoch nach wie vor nur rund maximal die Hälfte des Kapitals in Aktien.

Der von Ihnen erwähnte Fonds der Migros-Bank beinhaltet zwar mehr Aktien. Bei diesem Produkt handelt es sich allerdings nicht um einen Vorsorgefonds. Die entsprechenden Vorsorgevehikel Ihrer Hausbank weisen deutlich geringere Aktienquoten aus. Mit knapp der Hälfte Aktien verfügt der Migros Bank (CH) Fonds 45 V über den höchsten Aktienanteil. Sie können entweder diesen wählen oder aber ein Produkt der Konkurrenz nutzen.

Verschiedene andere Anbieter wie Raiffeisen oder Swisscanto Invest haben Vorsorgefonds im Angebot, welche eine deutlich höhere Aktienquote verzeichnen. Sie müssen aber für sich sicher sein, dass Sie die nötige Risikofähigkeit besitzen und mit den vermehrten Kursschwankungen problemlos umgehen können. Falls das bei Ihnen gegeben ist, finde ich insbesondere den indexierten Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv mit einer Aktienquote von 75 Prozent interessant. Dieser investiert weltweit breit diversifiziert in verschiedene Sektoren und Regionen in den Anlagekategorien Obligationen, Aktien, Immobilien und Rohstoffe. 48 Prozent der Gelder fliessen in ausländische Aktien, 27 Prozent in inländische Titel. Fremdwährungsrisiken, die über die maximale Fremdwährungsquote von 30 Prozent hinausgehen, sind in Schweizer Franken abgesichert.

Mit laufenden Kosten von 0,38 Prozent ist der passiv geführte Fonds deutlich günstiger als die aktiv gemanagten Vorsorgeprodukte Ihrer Hausbank, welche eine Verwaltungskommission von 0,75 Prozent verrechnet. Dieser Kostenunterschied scheint auf den ersten Blick gering, macht über die Jahre hinweg aber einiges aus, weil die Gebühren von Ihrer Rendite abgehen.