Achtung, Aktienverkäufer

Wenn Finanzfirmen Privatpersonen telefonisch zu Anlagen überreden wollen, ist Skepsis angebracht. Foto: Cecilie Arcurs (iStock)

Kürzlich bin ich von der Firma Belvoir Group in Sachen Hyposcout kontaktiert worden. Für mich ist es ungewöhnlich, dass man telefonisch an Privatpersonen gelangt und versucht, sie als Investoren zu gewinnen. Meine Nachfrage nach Bilanzen und Erfolgsrechnungen von Hyposcout resultierte im Anruf eines «Profiverkäufers», dessen Antworten und Ausreden mich nicht überzeugten. Was halten Sie davon? A. W.

Sie haben aus meiner Sicht das Richtige getan: Sie haben nach Bilanzen und genauen Zahlen gefragt. Denn nur wenn Ihnen ein detailliertes Zahlenset über Hyposcout vorliegt, können Sie sich seriös ein Bild über den Zustand und die möglichen Perspektiven des Unternehmens machen und über ein Investment entscheiden. Offenbar hat man Ihnen diese Zahlen nicht geliefert.

Die von Ihnen erwähnte Vermittlerin Belvoir Group kenne ich nicht, und ich kann mich daher zu dieser nicht äussern. Ich teile aber Ihre grundsätzliche Skepsis, wenn man als Privatinvestor telefonisch von einer Finanzfirma kontaktiert wird und zu einem Investment in ein Unternehmen angeworben wird. Sie schreiben dazu: «Es erinnert etwas an die Zeiten, als man von Hamburger Firmen im Bereich Devisenspekulationen kontaktiert wurde, wo fast alle, die sich darauf einliessen, dann schlechte Erfahrungen gemacht haben.»

In der Tat würde ich nie auf einen telefonisch vorgebrachten Anlagevorschlag von einer mir unbekannten Finanzfirma eingehen. Erst recht zur Vorsicht rate ich, wenn man von jemandem richtiggehend zu einem Investment gedrängt wird. Das ist oft ein Alarmzeichen. Neben den Zahlen über die Firma sollte man sich auch darüber Gedanken machen, wer denn für das investierte Geld bürgt. Gerade bei Unternehmen, die intensiv um Investoren buhlen und auch Telefonaktionen nutzen, trägt man als Anleger meist sehr grosse Risiken.

Als Anleger sollte man sich nicht in erster Linie nach der möglichen hohen Rendite erkundigen, sondern nach den mit dem Investment verbundenen Risiken. Wer haftet für das angelegte Kapital, wenn die Firma entgegen allen Versprechen der Telefonverkäufer keinen Erfolg hat? Direktanlagen beinhalten überdurchschnittlich hohe Risiken: Wenn man Aktien von nicht börsenkotierten Gesellschaften erwirbt, hat man im Krisenfall nur geringe Chancen, sein Geld zurückzubekommen. Eine staatliche Aufsicht besteht bei solchen Transaktionen nicht. Man trägt als Anleger das volle Risiko und muss damit rechnen, dass man alles verliert.

In der Öffentlichkeit bekannter als die Vermittlerfirma ist das Unternehmen Hyposcout: Die Firma hat einiges an Werbung geschaltet, um auf sich aufmerksam zu machen, und für einige Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Auf der eigenen Homepage bezeichnet sich Hyposcout als «Unternehmen, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, Angebot (Investor) und Nachfrage (Kapitalnehmer) im Bereich von Zweithypotheken/Nachgangshypotheken zusammenzuführen».

In den Medien allerdings wird die Gesellschaft auch kritisch beleuchtet. So schreibt beispielsweise der «Beobachter»: «Hyposcout vermittelt Kredite an Leute, die zu wenig Eigenmittel haben.» Das sei nicht unproblematisch, wie der Beobachter Anfang Jahr berichtete. «Doch das hindert Hyposcout nicht daran, auf ihrer Homepage mit dem ‹Beobachter›-Logo und dem Hinweis ‹Bekannt aus den Medien› zu werben. Wohl in der Annahme, dass nur wenige den kritischen ‹Beobachter›-Beitrag nachlesen.»  Zudem leiste sich die Firma millionenteure TV-Werbung. «Damit will sie nicht nur Kleinkunden anlocken, sondern auch Investoren.»

Werbekampagne hin oder her: Wenn Sie sich an der Firma beteiligen, tragen Sie das volle Risiko. Sicherheiten etwa in Form von Grundpfandrecht bekommen Sie keine, da Hyposcout nicht selbst Hypotheken vergibt – wie das beispielsweise Banken oder Versicherungen tun –, sondern lediglich private Kreditnehmer und Kreditgeber zusammenbringt. Wie gross die Risiken im konkreten Fall sind, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Für auf Sicherheit bedachte Kleinanleger erachte ich solche Direktanlagen in einzelne Firmen jedenfalls als viel zu riskant, zumal man mit einer solchen Einzelanlage ein beträchtliches Klumpenrisiko eingeht.

8 Kommentare zu «Achtung, Aktienverkäufer»

  • Hans Zimmermann sagt:

    Wo ist das Problem? Jeder kann die Zahlen oder eine Unternehmensbewertung vor einer Investition einfordern. Hyposcout, wie auch viele andere ähnliche Firmen, operiert offen und transparent. Es ist eine Schweizer Aktiengesellschaft mit Verwaltungsrat, Beirat und Geschäftsleitung.

    • Kenner sagt:

      Nur aufgrund des Umstandes, dass eine Aktiengesellschaft einen Verwaltungsrat hat (das braucht sie, da sonst Organisationsmangel und Auflösung der AG), ist sie noch lange nicht offen oder transparent. Sie heisst ja „societe anonyme“ (franz.).

      Zudem: Wenn Sie eine Aktie mit 1 Rappen Nennwert kaufen, dann heisst das nur, dass zumindest dieser Wert mit Aktiven gedeckt ist (weil sonst die AG überschuldet wäre). Werden dann solche Aktien mit 1 Rappen Nennwert zu einem massiv höheren Wert (grosser Aufpreis, Agio) verkauft – z.B. Fr. 6.50, dann würde ich mir ein Kauf zweimal überlegen (immerhin Verhältnis 1:6500); Novartis hat beispielsweise ein Verhältnis von 50 Rappen Nennwert zu Fr. 80 Kurs (d.h. Verhältnis 1:160).

  • Lisa Meier sagt:

    @Herr Spieler: Was den Konsumenten auch noch interessieren würde: Wenn ich als unerfahrener Kleinanleger auf solche „Aktienverkäufer“ hereinfalle, könnte dies zB für die Belvoir Group AG nicht auch zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben? Gibt es da irgendwelche Hilfsmittel? Besten Dank für Ihre Erläuterungen! Würde sicherlich vielen Menschen weiterhelfen.

  • Willy Invest sagt:

    Ich habe hier eine gute Methode: Ich lasse die Jungs und Mädels mir lange und ausführlich die Vor- und Nachteile erklären und nach etwa 15 Minuten, wenn sie zum Abschluss drängen sage ich: Gerne, aber ich muss noch meinen Vormund fragen!

    So werde ich aus der Liste gelöscht.

  • Jean Meier sagt:

    Auch ich wurde von der Belvoir Group angerufen und dazu gedrängt, Aktien für 7 Franken das Stück zu kaufen. Zuerst dachte ich das ist ein Schnäppchen, bis ich nach ein bisschen Nachforschung im Handelsregister auf den Nominalwert der Aktien gestossen bin, der liegt bei 1 Rappen! Ein absolute Frechheit! Auch mir wurde keine Bilanz oder Erfolgsrechnung ausgehändigt. Wie eine Aktie, welche bei der Gründung der Firma im März 2016 noch den Wert von einem Rappen hatte innerhalb von 1.5 Jahren plötzlich 7 Franken Wert haben kann, ist mir schleierhaft. Das wäre eine Performance von 69’900% innerhalb von 1.5 Jahren! Da müssen Alchemisten am Werk sein… Mein Tipp, Finger Weg!

    • Henry J. Tobler sagt:

      Die Belvoir Group verkauft auch Aktien der Startups „Screen24 AG“ (Nominalwert Aktie: 5 Rappen) und „Recycling Services AG“ (Nominalwert Aktie: 1 Rappen). Scheint die gleiche Masche wie bei Hyposcout zu sein, da würde ich vorsichtig sein..

  • Oliver Nostradamus sagt:

    Eine alte Masche, in der Schweiz leider stark verbreitet und von der Justiz zu wenig verfolgt. Einfach mal „Amvac“, „Salfried AG“, „Global Equity Associates“, „Christian Walliker“ etc. googlen. Das Geld fliesst meist nicht in die Firmen selbst, sonder in die Tasche der Gründer. Firmen, welche gemäss Handelsregister Aktien zum Nominalwert von einem Rappen haben, müssen immer äusserst vorsichtig begutachtet werden. Die Gründer gründen eine AG und bezahlen für eine Aktie einen Rappen. Danach verkaufen Sie die Aktien für ein tausendfaches weiter. Wetten Hyposcout gibt es in ein paar Jahren nicht mehr?

  • Jean Gilette sagt:

    Das Problem in der Schweiz sind nicht unbedingt die Art dieser Angebote sondern das durchwegs sehr schlechte Allgemeinwissen der „Investoren“ zum Thema Finanzmarkt/Produkte/Investments. Grundsätzlich gibt es drei Punkte, die beachtet werden sollten. 1. Wer steht hinter dem Projekt? Achten Sie auf die Staatsbürgerschaft. Beteiligungen nur mit Personen eingehen, die einen Schweizer Pass besitzen. (Fluchtgefahr ins ursprüngliche Heimatland, kein Auslieferungsabkommen mit CH). 2. Für die teilweise grosse Vorarbeit ist ein Agio üblich. Der Anbieter hat oft mehrere tausend Stunden Arbeit in ein Projekt vor-investiert. Diese Zeit muss bezahlt sein, darf aber nicht mehr als den Faktor 1:250 betragen. 3. Angebot fundamental prüfen (Businessplan, Bilanzen, Konkurrenzanalyse, etc.).

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