Nestlé hält Investoren auf Trab

Nestlé: Präsentierte ein Aktienrückkaufprogramm. Foto: Michele Limina/Getty Images

Das war ein geschicktes Timing – nicht von Nestlé, aber von Daniel Loeb. Der US-Investor hatte sich vor einer Woche als Aktionär mit einem Anteil von 1,3 Prozent im Wert von 3,3 Milliarden Franken geoutet und publikumswirksam Forderungen gestellt. Nestlé solle Aktien zurückkaufen, das Port­folio öffnen und die Margen steigern – das alles ist weder forsch noch neu. Nach nur zwei Tagen präsentierte Nestlé dann ein Rückkaufprogramm, was zeigt, dass dies ohnehin geplant war. Loeb rannte sozusagen offene Türen ein und ­betrieb in erster Linie Marketing in eigener Sache. Der neue Nestlé-Chef Mark Schneider – erst der zweite CEO in der Geschichte, der kein Eigengewächs ist – wurde für all das geholt, was Loeb auf den Tisch brachte. Frisches Blut tut Nestlé definitiv gut. Denn zuletzt hat der Hersteller mit Marken wie Nespresso, Callier und San Pellegrino an Schwung ver­loren. Das wird sich nun ändern. Ob es Loeb brauchte, um Schneider Beine zu machen, das bezweifle ich, wenn ich mir den hervor­ragenden Leistungsausweis des Deutschen anschaue. Aber vielleicht hilft es, ­interne Hürden schneller aus dem Weg zu räumen. Die Titel nehmen nach meiner Einschätzung einiges an Positivem vorweg, aber noch lange nicht ­alles. Dosiert zukaufen

Neugeld in Aussicht

Der Asset-Manager GAM steht nicht mehr unter Druck von Rudolf Bohli. Der aktivistische Aktionär, der einen radikalen Sparkurs gefordert hat und Chef Ale­xander Friedman zusammen mit einem Drittel der Belegschaft auf die Strasse stellen wollte, ist vergangene Woche ausgestiegen, und zwar unverrichteter Dinge. Einerseits besteht damit das Risiko, dass die Restrukturierung etwas Schwung einbüsst. Andererseits zeigen sich die Märkte derzeit konstruktiv in Bezug auf GAM: Eine Straffung der Geldpolitik sollte den Fondsmanagern von GAM dank des aktiven Investitionsansatzes Neugeld bringen. Der Kurseinbruch um mehr als 5 Prozent nach dem Ausstieg von Bohli ist eine Einstiegsmöglichkeit für alle, die auf ein anhaltend gutes Börsenumfeld setzen – denn Titel von Asset-Managern avancieren dann überdurchschnittlich stark. Zudem bietet die Restrukturierung Kurschancen. Die 4,7 Millionen Aktien von Bohli wurden jedenfalls ausserbörslich innerhalb einer halben Stunde zu je 13.15 Franken platziert. Dosiert kaufen

Trotz Widrigkeiten auf Kurs

Den Aktien von Sika ist seit rund drei Monaten die Luft ausgegangen. Sie tendieren seitwärts und liefen sogar etwas schlechter als der Markt. Dafür hatten sie in den Monaten zuvor umso mehr gewonnen, denn per Ende des ersten Halbjahres sind sie mit einem Gesamtertrag (Kursgewinn plus Dividende) von 28,5 Prozent die Gewinner im Swiss-Market-Index. Sika ist erst vor kurzem in den Index der zwanzig schwersten Aktien der Schweiz aufgestiegen. Am Montag übernimmt Paul Schuler den Chefposten als Nachfolger von Jan Jenisch, der zu LafargeHolcim wechselt. Der Neue ist ein Urgestein des Bauchemiespezialisten und hat sich im Kampf um die Kontrolle von Sika klar gegen Saint-Gobain gestellt und sich für den Sika-Verwaltungsrat starkgemacht. Sika ist ungeachtet aller Widrigkeiten auf Kurs, der jüngste Preisrückgang der Aktien ist verlockend. Dosiert kaufen

Hohe Erwartungen

Schmolz + Bickenbach hat die Querelen um Strategie, Führung und Finanzen endlich hinter sich gelassen. Das Unternehmen hat sich stabilisiert, seit Clemens Iller vor gut drei Jahren das Zepter übernommen hat. Erste Früchte seiner Arbeit werden sichtbar. Er hat das Portfolio bereinigt und die operative Effizienz erhöht. Das Umfeld des Herstellers von Speziallangstahl war bis Ende 2016 eher durchzogen. Nun läuft das Geschäft seit einigen Monaten besser. Nicht nur die Abnehmergruppe Autoindustrie läuft auf Hochtouren, auch die Öl- und Gasindustrie in den USA bestellt wieder mehr bei S + B. Aber auch die Erwartungen an der Börse sind hoch. Für 2018 wird ein ansehn­liches Gewinnniveau prognostiziert, woraus sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 ergibt. Doch das setzt voraus, dass sich die Effizienzsteigerungen fortsetzen und das Marktumfeld positiv bleibt. Für Ersteres besteht Zuversicht. Stahlmarktpreise lassen sich aber nicht prognostizieren, der Markt ist schwankungsanfällig. Marktstudien lassen befürchten, dass der jüngste Aufwärtstrend der Preise in verschiedenen Stahlmärkten bereits zu Ende geht. Nach dem Kursplus von 30 Prozent seit Jahresbeginn ist Vorsicht angebracht. Abwarten

Wende zum Besseren

Europäische Stromversorgeraktien haben nach langer Verschnauf­pause Auftrieb. Grund ist, dass sich die Grosshandelspreise für Strom in Europa von ihrem Tief im Winter 2016 leicht erholt haben. Zudem beginnen die Restrukturierungsmassnahmen Früchte zu tragen. Auch regulatorisch bahnt sich eine Wende zum Besseren an. Trotzdem sind viele Aktien immer noch unterbewertet. Sie sollten einen Blick auf den deutschen Riesen Eon werfen. Der hat 2016 das schwierige Geschäft mit den konventionellen (fossilen) Kraftwerken in eine neue Firma namens Uniper ausgelagert und will nun seinen Anteil daran auf den Markt bringen. Eon selbst konzentriert sich auf zukunftsträchtige Bereiche wie Übertragungsnetze und erneuerbare Energien. Günstige politische und juristische Entscheide haben zudem das Risiko beim Geschäft mit Atomkraftwerken, deren Abschaltung in Deutschland beschlossen ist, stark gemildert. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2017 von 13 sind die Eon-Aktien günstig bewertet. Für 2017 winkt eine geschätzte Dividendenrendite von 3,3 Prozent. Kaufen