Alles hängt von der Produktpipeline ab

Forschung mit Potenzial: Die Produktepipeline ist die Schatz von Biopharmafirmen. Foto: Scott Eisen/Getty Images

Forschung mit Potenzial: Die Produktpipeline ist der Schatz von Biopharma-Firmen. Foto: Scott Eisen/Getty Images

Im letzten Jahr und Anfang diesen Jahres zog die Aktie von Basilea kräftig an, hat aber nach einem Sinkflug meinen Einstandspreis fast wieder erreicht. Was ist Ihre Einschätzung zur Aktie? A. K.

Bei Biopharma-Unternehmen ist der Kursverlauf stark von Studiendaten rund um künftige Produkte sowie die erweiterte Nutzung bestehender Medikamente geprägt. Die Pipeline ist der Goldschatz einer Biopharma-Firma, den ihr Wert zu einem grossen Teil prägt. Wenn Sie sich dessen bewusst sind, wird schnell klar, dass es bei solchen Börsengesellschaften naturgemäss zu stärkeren Kursausschlägen kommt. Selbst beim Pharmagiganten Roche haben kürzlich enttäuschende Studienergebnisse bei einem Brustkrebsmedikament den Kurs des Roche-Genussscheines tief in den Keller tauchen lassen.

Bei kleinen Biopharma-Firmen wie Basilea müssen Sie jederzeit noch mit weit stärkeren Schwankungen rechnen. Wenn Sie in solche Titel investieren, müssen Sie überzeugt sein von den Produkten, an denen die Firma forscht. Ein Forschungserfolg ist aber nie gewiss. Stellt sich der nicht ein, ist in der Regel ein brutaler Kursabsturz die Folge. Basilea hat meines Erachtens vielversprechende Perspektiven. Interessant finde ich insbesondere die Kooperation mit der US-Behörde Biomedical Advanced Research and Development Authority (Barda).

Basilea bekommt von der Barda zusätzliche 54,8 Millionen Dollar zur Finanzierung des Phase-III-Programms mit Ceftobiprol. Das gesamte Volumen des Vertrages mit der Abteilung des US-Gesundheitsministeriums umfasst bis zu über 100 Millionen Dollar. Mit diesem Geld ist Basilea in der Lage, zwei klinische Phase-III-Programme durchzuführen, um das Antibiotikum Ceftobiprol bei der Behandlung von Blutbahninfektionen und bakteriellen Haut- und Hautstrukturinfektionen zu testen.

Ziel ist es letztlich, eine Marktzulassung von Ceftobiprol in den USA zu erreichen. Chancen für Basilea sehe ich aber auch in der Erforschung von Medikamenten gegen Krebs. Hoffnungen machen insbesondere die Produktkandidaten BAL101553 und BAL3833. Doch auch mit den bestehenden Medikamenten erreicht Basilea gute Resultate. Bei den Mitteln Cresemba, einem Antimykotikum zur Behandlung von invasiven Schimmelpilzinfektionen, und dem Breitspektrum-Antibiotikum Zevtera/Mabelio sollen die Verkäufe im laufenden Jahr verdoppelt werden.

Auch bei den Lizenzgebühren auf Cresemba-Verkäufe in den USA erwartet das Management ein starkes Wachstum. Im Auge behalten sollten Sie als Aktionärin die Kostenentwicklung bei Basilea, da die Firmenführung nicht nur mehr Verkäufe, sondern auch steigende Kosten für das laufende Jahr in Aussicht gestellt hat. Ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Kursverlauf der Basilea-Aktie ist zudem die US-Politik: US-Präsident Donald Trump hat schon mehrmals angekündigt, dass er die Preise für Medikamente in den USA senken wolle. Sollte Trump diese Pläne tatsächlich umsetzen, würde das den Pharmafirmen – so auch Basilea – Kursverluste bescheren, da sie im wichtigsten Pharmamarkt der Welt mit sinkenden Margen rechnen müssen.

Basilea ist dank den interessanten Produktkandidaten und den positiven Wachstumsperspektiven bei den bestehenden Medikamenten ein Hoffnungsträger. Ob sich die hohen Erwartungen in die Pipeline aber bestätigen, ist unsicher. Das bedeutet, dass Sie mit den Basilea-Aktien hohe Risiken eingehen. Denn sollten sich die Hoffnungen nicht bestätigen, müssten Sie mit einem deutlichen Rückschlag rechnen.

Basilea-Aktien sollten Sie nur halten, wenn Sie sich dieser erhöhten Risiken bewusst sind und diese auch tragen können. Gerade wegen der erhöhten Risiken im Biopharma-Sektor macht es für Privatanleger meist mehr Sinn, einen Biopharma-Fonds zu halten, statt auf Einzeltitel zu setzen. Dank der breiten Diversifikation kann man die Risiken etwas abfedern.