Hoch gelobt – tief gefallen?

Chinesischer Boom: Käufer auf der Suche nach Wohneigentum in der Provinz Hubei. Foto: AFP

Chinesischer Boom: Käufer auf der Suche nach Wohneigentum in der Provinz Hubei. Foto: AFP

Lange wurde vom Aufstieg Chinas und vom Boom bei den Emerging Markets gesprochen. Doch dann folgte der grosse Taucher. Sollte man jetzt wieder in Aktien aus den Emerging Markets investieren? Und welche Titel empfehlen Sie? C. U.

Ich stufe die künftigen Wachstumschancen für die Emerging Markets als intakt ein, wenngleich die Erwartungen noch vor der Finanzkrise in diese aufstrebenden Märkte völlig übertrieben waren. Als die Aktien aus diesen Ländern einbrachen, machten sich die meisten Anleger davon wie die Ratten vom sinkenden Schiff und mieden Anlagen aus den Emerging Markets.

Meines Erachtens ist beides falsch – sowohl die Euphorie, welche in den aufstrebenden Ländern die Bäume in den Himmel wachsen sieht, als auch die pessimistische Einstellung, welche diesen Märkten nichts mehr zutraut. Ohnehin sollte unter den einzelnen Märkten unterschieden werden: Die Situation in Brasilien oder in Russland ist eine andere als die Lage in den südasiatischen Ländern oder in Südafrika. Generell sind die Emerging Markets stark von der Dollarentwicklung und insbesondere in Asien von den Aufträgen und Käufen aus den USA abhängig.

Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat sich für die aufstrebenden Märkte eine neue Ausgangslage ergeben. Die Politik «America First» von Donald Trump ist stark protektionistisch und schwächt den Welthandel. Sollte der US-Präsident seine im Wahlkampf gemachten Versprechen, Strafzölle und -steuern gegen Billigimporte aus dem Ausland zu verhängen, wahrmachen, könnte das etliche aufstrebende Länder wie Mexiko, aber auch asiatische Produzentenstaaten empfindlich treffen.

Ob es so weit kommt, ist indes noch keineswegs gewiss. Bis jetzt wurde einiges, was im US-Wahlkampf von Donald Trump aufgekocht wurde, wesentlich weniger heiss gegessen. Insbesondere mit China will es der US-Präsident nicht verscherzen, zumal auch die eigenen Konsumenten in den USA unter Handelshemmnissen gegenüber China und anderen Ländern Asiens leiden würden, da sie mehr für Kleider, Elektronik und weitere Konsumgüter zahlen müssten.

Weil viele Emerging Markets in Asien intensiven Handel mit China treiben, schauen sie gespannt auf das Verhältnis zwischen den USA und dem Reich der Mitte. Neben dem Protektionismus der Amerikaner liegt ein Risiko für die Emerging Markets auch in den steigenden Zinsen in den USA: Diese machen sichere Anlagen im US-Dollar und in den USA wieder etwas attraktiver. Investments in den weniger sicher geltenden Emerging Markets verlieren an Attraktivität.

Vor diesem Hintergrund rate ich, von gedämpften – realistischen – Wachstumserwartungen in den Emerging Markets auszugehen. Wenn Sie sich der erhöhten Risiken für diese Märkte bewusst sind und die Risiken tragen können, ergibt es für mich Sinn, im Rahmen einer breiten Diversifikation einen kleinen Teil des Geldes auch in Emerging Markets zu investieren.

Auf keinen Fall würde ich aber in Einzeltitel anlegen. Gerade weil die Risiken auch künftig hoch bleiben, rate ich Privatanlegern, nur über Fonds in diese Märkte zu investieren. Eine kostengünstige Möglichkeit, um an der Entwicklung der Emerging Markets zu partizipieren, bieten entsprechende Indexfonds. Ein Beispiel dafür ist der Amundi ETF MSCI Emerging Markets. Dieser ETF in US-Dollar deckt weltweit die wichtigsten Schwellenländer wie China, Korea, Taiwan, Indien und Südafrika ab und zeichnet sich mit einer Kostenkennziffer (TER) von 0,2 Prozent durch geringe Gebühren aus.

9 Kommentare zu «Hoch gelobt – tief gefallen?»

  • erich schweizer sagt:

    Wenn schon jetzt investieren dann auf keinen Fall in Amerika und auch in Europa sollte man vorsichtig sein und nur auf zurückgebliebene oder auf Dividendentitel setzen.
    Dagegen in China, Russland oder auch Brasilien kann man nicht sehr viel falschmachen da diese Aktienmärkte weit zurückgeblieben sind und noch ziemlich viel Aufholpotential haben.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Nur, wenn die Rohstoff- und Lebensmittelpreise nicht in sich zusammenfallen (Russland, Brasilien) oder die USA/Europa Massnahmen gegen China einleiten (WTO-Streitereien gibt es ja ständig). Gerade China ist eine Black-Box, da die dortige Regierung ja bereits bewiesen hat, dass sie die Aktienmärkte rücksichtslos und protektionistisch ganz von oben herab bestimmt.
      Rechtssicherheit finden Sie in keinem dieser drei Länder.

  • Eduard J. Belser sagt:

    Eigentlich sollte man heute nur noch in ethisch verantwortbare, nachhaltige Projekte investieren. Alle anderen Projekte haben ein erhöhtes Risiko. Beispiele aus der Schweiz zeigen das. Nach den aufgedeckten Skandalen um die Mithilfe beim Steuerbetrug sind die Aktien von CS und UBS abgetaucht und haben sich nie wieder richtig erholt. Nach Fukushima und durch das steigende Angebot an Solar- und Windstrom sind die Aktien von Axpo und Alpiq zu wertlosen Füdlenpapieren geworden. Was Blochers Duzfreund Martin Ebner nicht hindert sie zusammenzukaufen, weil er hofft mit Hilfe der SVP von uns SteuerzahlerInnen Geld für das Stilllegen der AKWs zu erpressen. Damit könnte der Kurs der Axpo- und Alpiq-Aktien in die Höhe manipuliert werden und Ebner auf unserer Kosten den grossen Reibach machen.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Falsch. Axpo/Alpiq haben mit Laufwasserkraftwerken/AKW’s die CH-Industrie zu hohen Preisen beliefert, sowie Spitzen-Energie über Mittag durch Speicherkraftwerke verkauft.
      Durch die Strommarktöffnung ging die CH-Industrie verloren, die heute Kohlestrom aus Deutschland importiert. Und durch die Deutschen Subventionen in Wind/Sonne bricht das Geschäft mit Spitzen-Energie weg. Doch Wasser-Strom kostet in der Schweiz im Schnitt 6 Rappen. Solarstrom und Windstrom in Deutschland mehr als das doppelte im Durchschnitt (ohne Subventionen!). Der Protektionismus Deutschlands (Subventionen an Wind/Sonne, vermischt mit dreckiger Kohle) zerstört eine sinnvollere Stromproduktion.
      Und CS/UBS sind getaucht, weil sie heute nur noch 1/5 der früheren Erträge erwirtschaften.

  • Benno Dominik Vogler sagt:

    „Auf keinen Fall Einzeltitel“?
    Russland (Stahl, sofern Sie Geld parkieren wollen-können und Sektor iO):
    – NLMK (Lisin Gründer-Mehrheitsaktionär zu ca. 80%)
    Vorteile:
    – effizientes Stahlbusiness (NO others!, evtl. Nucor)
    – Vertrieb diversifiziert (Russland, Europa, USA)
    – konstante, angemessene Rendite, gesunde Bilanz, kein Ausbeuter-Saubetrieb.
    – Information (adäquat und gut) > Website IR (Results, Production-Output usw.)
    Nachteile:
    – hohe Gebühren Kauf/Verkauf (LSE, in $, Wechselkursrisiko)
    – allg. hoch bewertete Aktien (weltweit, Börsenlage, Geldpolitik)
    Bedenken Sie:
    – Einstieg zum aktuellen Kurs (17.7$) max. 30% (Aufstockung bei ca. 10$ nochmals 30% und zweite Aufstockung bei Börsencrash ca. 40% bei 7$)
    Viel Spass! (mir ist diese Geldvermehrung eher zu langweilig)

  • Roland Heinzer sagt:

    Es kommt immer auf die Risikofähigkeit und Toleranz an. Wer in Scheizer Firmen investiert nimmt automatisch am Aufschwung der Emerging Markets teil. Sehr viele Firmen erzielen einen grossen Teil des Gewinnes im Ausland. Diese Firmen sichern auch die Währung ab. Suchen Sie einem guten Berater und investieren Sie nur einen Teil in EMMA, passen Sie auf mit TINA.

  • Richard Bloch sagt:

    Dass die chinesischen Banken noch stärker aufgebläht sind als diejenigen in Japan, wird in diesem Blog geflissentlich ignoriert. Was das bedeuten kann, hat der Nikkei225 deutlich gemacht: Ende 1989 stand dieser noch bei rund 38’900 Punkten, heute etwas über 20’000 Punkten. Und 2012 war er noch unter 9’000…

    Es würde mich nicht erstaunen, wenn es mit dem CSI300 einen ähnlichen Verlauf geben könnte – sobald die ersten chinesischen Banken ins Wanken kommen.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Die grossen Banken in China tragen wenig Risiko. Es sind die Provinz-Banken, die von Provinz-Politikern zu riesigen, lokalen Kredit-Risiken gedrängt wurden. Wie sich der Konkurs dieser Banken auf die Gesamt-Wirtschaft auswirken wird, kann man kaum abschätzen. Eventuell profitieren dann sogar die grossen China-Banken von dieser Bereinigung. Oder aber die Zentralregierung stützt die lokalen Banken bis Sankt-Nimmerleinstag, so wie die EZB und die Eurozone die eigenen Banken durch die Griechenland-Krise schleppten und deren eingegangene, verlustbringende Risiken auf die Steuerzahler und Sparer überwälzten.

  • Roger Friedli sagt:

    Also Angesichts der massiven Verschuldung in den Provinzen in China steht doch das Land akut vor einem Zusammenbruch. Kommt noch dazu, dass die Regierung jederzeit Verkaufsverbote oder sonst was einführen kann.
    Un Europa und die USA hatten ja jetzt schon einen massiven Anstieg. Den letzten beissen die Hunde. Ich wurde auf eine starke Korrekturbewegung warten, selbst bei schweizer Aktien.

Kommentar

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