Das Vermögen verwalten lassen?

Geldanlage: Mit wenig Risiko lässt es sich besser reisen. Foto: Getty

Geldanlage: Mit wenig Risiko lässt es sich besser reisen. Foto: Getty

Wir haben mit Fonds auf unserem Vermögen von 130’000 Franken kleinere Verluste eingefahren. Nun rät uns die Bank zu einer Vermögensverwaltung zum Preis von 1,30 Prozent pro Jahr. Alle Auslagen seien gedeckt inklusive Safe. Das ist doch eigentlich recht viel Geld. Mein Mann und ich sind 80-jährig und reisefreudig. Was sollen wir tun? D.S.

Machen Sie eine schöne Reise, und geniessen Sie das Leben – war mein erster Reflex auf Ihre Frage. Aber natürlich müssen auch interessante und genussreiche Reisen irgendwie finanziert werden. Da käme es zweifellos gelegen, wenn Sie auf Ihrem Vermögen etwas Rendite erzielen würden. Denn auf dem Konto bekommen Sie keinen Zins mehr, zahlen aber Gebühren.

Mehr Rendite erreichen Sie mit Fonds. Wie Sie aber erfahren mussten, sind diese nicht risikolos. Selbst wenn Sie konservative Fonds wählen, haben Sie keine Garantie, dass Sie später nicht doch auf Buchverlusten sitzen. Mehr Rendite möglich wäre mit Fonds mit einem höheren Aktienanteil oder mit reinen Aktienfonds. Doch bei diesen sind die Risiken deutlich höher. Selbst wenn Sie Ihr Geld im Rahmen einer Vermögensverwaltung durch Ihre Bank betreuen lassen, gibt Ihnen diese keine Garantie, dass Sie verlustlos bleiben. Die Risiken verharren im Rahmen der gewählten Anlagestrategie weiter bei Ihnen allein.

Garantiert sind hingegen die Kosten. Diese bezahlen Sie auch, selbst wenn Sie keinen Erfolg haben. Im konkreten Fall wären dies bei Ihnen 1690 Franken, welche Sie für die Vermögensverwaltung berappen müssten.

Eine riskante und eine konservative Variante

Wenn ich 80-jährig wäre, würde ich zwei Alternativen prüfen: Entweder würde ich wagemutig 100’000 Franken in Dividendenperlen investieren. Das sind Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zwischen 2,5 und 6 Prozent wie Swisscom, Nestlé, Roche, Novartis, Zurich, Swiss Re und Swiss Life. Je nach Verteilung wäre eine durchschnittliche Rendite von bis zu 4 Prozent machbar. Das sind immerhin 4000 Franken pro Jahr.

Natürlich sind damit hohe Schwankungsrisiken verbunden. Wenn man aber ohnehin nur an den Dividenden interessiert ist und die Titel über Jahre hinaus liegen lässt, spielt dies auch im Alter keine Rolle. Wenn man die Titel ohnehin nicht verkauft, ist es irrelevant, ob die Titel steigen oder sinken – solange sie eine gute Dividende abwerfen. Die Frage ist nur, ob man emotional damit leben kann. Wenn Sie Mühe mit Buchverlusten haben und Ihnen dies schlaflose Nächte bereitet, würde ich unbedingt die Finger davon lassen. Wie gesagt: Dies ist die wagemutige Variante.

Die konservative Alternative ist banal: Ich würde das Geld auf dem Konto einer sicheren Bank liegen lassen. Damit erzielen Sie zwar keine Rendite, gehen aber auch keine Risiken ein. Und vor allem sparen Sie sich die Gebühren für die Vermögensverwaltung. Dafür können Sie bei dieser Variante ruhig schlafen.

Was für Sie die passende Variante ist, kann ich nicht beurteilen. Sie müssen selbst für sich herausfinden, ob Sie mehr Risiken tragen können und eine höhere Rendite – etwa für eine Reise – anstreben oder ob Sie möglichst keine Risiken eingehen möchten. Auf die Vermögensverwaltung durch die Bank hingegen würde ich wohl verzichten. Auf keinen Fall sollten Sie sich zu etwas drängen lassen. Wenn Sie unsicher sind und das Risiko scheuen, würde ich im Zweifelsfalle eher das Geld einfach stockkonservativ auf dem Konto einer sicheren Bank liegen lassen. Dann verlieren Sie wenigstens nichts.

19 Kommentare zu «Das Vermögen verwalten lassen?»

  • Christoph Schlegel sagt:

    Bravo Herr Spieler, ich wünschte es gäbe mehr Finanzadvice wie Ihren, dann könnte man den Vertretern der Finanzindustrie (fast) wieder trauen. Den Anlegern im fortgeschrittenen Alter einen VV Mandat mit Gebühren von über 1% zu empfehlen finde ich nicht sehr seriös. Den die Anlage muss ja dann eine Rendite von weit über 1% erzielen und ob dieses dann ohne grosses Risiko möglich ist bezweifle ich. So eine Risikobehaftete Anlage ist aber für ältere Anleger ohne grosse Rücklagen eher nicht geeignet. Den Berater sollte man sofort in eine Compliance (suitability) Schulung schicken.

    • Stephan Fehlmann sagt:

      Merke, die Bank gewinnt immer. Haette ich immer das umgesetzt, was mir meine Hausbank in den letzten 20 Jahren empfohlen hat, waere ich heute praktisch mittellos, aber die Bank um einiges reicher.

  • Remo Kneubühler sagt:

    Danke Hr. Spieler, dass Sie genau das erwähnen, was wichtig ist: Der Kunde trägt das Risiko! Die Banken machen Ihren Schnitt immer und versuchen Sie mal gegen eine Bank zu klagen – aussichstlos für kleine Kunden. Es ist sowieso fraglich, wieso die Banken eigentlich all die Produkte kreieren, die sie den Kunden verhökern, aber dahinter steht das Geschäftsmodel der Banken: Das Geld des Kunden zu den Banken ohne Risiko für die Banken zu verschieben. Der Anlagetipp ist gut nachvollziehbar, wenn auch zu sagen ist, dass das KGV der Börsen nun wieder Richtung Höchststände tendiert und eigentlich aus der Wirtschaft keine Signale kommen, die so hohe Bewertungen rechtfertigen. Daher die 2. Empfehlung von Hr. Spieler das Geld auf einem Konto deponieren und nicht nur bei 1 Bank, sondern 2-3 Banken.

  • Oreg Meyer sagt:

    Jeder Bankberater hat ganz offensichtliche Interessenkonflikte zwischen seinen Kunden und seinem Bonus. Niemand sollte denen trauen. Dass sich das immer noch nicht herumgesprochen hat zeigt, wie sehr die Finanzkompetenz von unseren Schulen vernachlässigt wird.

  • Emil Huber sagt:

    „… gehen aber auch keine Risiken ein. Und vor allem sparen Sie sich die Gebühren für die Vermögensverwaltung“

    „… eher das Geld einfach stockkonservativ auf dem Konto einer sicheren Bank liegen lassen“

  • Klaus Schlaumeier sagt:

    Wenn hier jemand zur Schulung sollte, dann Herr Spieler. Hallo? Das Ehepaar ist 80+ Jahre alt und als eine der beiden Möglichkeiten wird „100% Aktien“ empfohlen? Schon mal was davon gehört dass man im Alter pflegebedürftig werden könnte? Dann ist sehr wohl entscheidend ob 100’000 CHF dafür vorhanden sind oder nach einer Baisse nur 70’000 CHF! Und wer jetzt zynisch wird und sagt mit 100’000 CHF kommt man als pflegebedürftiger nicht weit, dem sei gesagt dass für betroffene jeder Monat in dem die Pflege selbst gezahlt werden kann ohne die eigenen Kinder anpumpen zu müssen ein wertvoller Monat ist. Anders sieht es aus wenn keine Kinder da sind und das Ehepaar sagt „ich habe kein Problem als Pflegefall der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen“.

  • Rudolf Reisiger sagt:

    Gratulation zu Ihren Ueberlegungen, Herr Spieler. Sie bringen es auf den Punkt.

  • Josipovic Zlatko sagt:

    So ein Stuss, das Geld auf dem Konto einer sicheren Bank liegen lassen, erstens ist keine Bank sicher, zweiten das Bankgeheimnis gibt es nicht mehr, drittens müssen sie die Kontogeführungsgebühren weiterhin bezahlen obwohle es nicht zu führen gibt, soviel für einen Büntzlitipp, mit 80 gibt es nicht mehr viel zu Reisen,er hätte jünger Reisen müssen und weniger gearbeitet, überhaupt dieses Ansinnen in dem Alter sich über Anlagen zu kümmern, das Geld von der Bank abziehen, das Konto auflösen und das Geld verprassen solange er kann..

    • Roger Meier sagt:

      Lieber Herr Josipovic, ich habe noch selten einen so dämlichen und überheblichen Kommentar gelesen. Vom Leben – vor allem vom Leben mit 80 – haben sie keine Ahnung, von Rechtschreibung und Satzbau ebenso. Es ist das Vorrecht der Jugend, von nichts eine Ahnung zu haben und trotzdem über alles Bescheid zu wissen. Ich finde die zwei Anlagevarianten von Herrn Spieler ausgezeichnet. Beide bewahren die Fragestellerin davor, ihr Geld fremden Leuten nachzuwerfen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Es gibt mittlerweile genug 80jährige, die geistig und körperlicher fitter sind als so mancher verbitterte 40jährige. Wenn die Leute anscheinend reisefreudig und damit reisefähig sind, was spricht dagegen? Dann können sie ja wenn schon das Geld mit Reisen „verprassen“. Wenn man nur daheim sitzt geht das jedenfalls schlecht.

      Ansonsten gibt es so etwas wie eine staatliche Garantie für Einlagen bis 100’000 CHF, der Grossteil des Vermögens ist insofern auf einem normalen Konto durchaus sehr sicher. Natürlich gibt es da auch keine 100%ige Sicherheit, aber wenn eine Situation eintritt, in der die Schweizer Staatsgarantie nicht mehr greift, dann dürfte das Geld eh wertlos geworden sein und man ganz andere Probleme haben..

    • Willi Müller sagt:

      Da schlägt aber der Total-Pessimist zu…

  • Rolf Walter sagt:

    Ein weiser Rat von Hr. Spieler.
    Mit dem Vermögensverwaltungsmandat wollen die Banken nur eines optimieren , nämlich ihre eigne Rendite. Wie geschrieben bleibt das Risiko vollumfänglich beim Kunden., während die Bank immer gewinnt.

  • Luca Diener sagt:

    Ich kann Martin Spieler nur beipflichten. Die Überlegung ist an sich richtig und auch auf den Fall der Pensionäre anwendbar. Sind die täglichen Bedürfnisse durch die Rente komfortabel (!) abgedeckt und der Rückgriff auf das Kapital unwahrscheinlich, so kann sich eine Dividendenstrategie durchaus lohnen.

  • Paolo Martinoni sagt:

    Nach einer 8-jährigen (!!!) Hausse an den Aktienmärkten würde ich nicht einmal als 15-Jähriger Aktien kaufen, auch nicht „Dividendenperlen“ …

  • Tobias 2 sagt:

    Chemie zu fördern heisst, das die Chemie ein Interesse hat, dass möglichst viele krank sind und werden.
    Der Kapitalismus begeht so Selbstmord.

  • Pit Abt sagt:

    Herr Zlatko, Ich bin zwar noch keine 80, aber einem Paar das noch in diesem Alter reisen kann und will, das wie es bei ihrer Antwort tönt, zu verweigern, finde ich gelinde gesagt, anmassend. Egal wie alt jemand ist, seine Rechte darf ihm niemand nehmen solang er/sie noch gesitig und körperlich dazu in der Lage ist.
    Das Geld einfach auf dem Konto iegen zu lassen, nein, würde ich auch nicht. Wenigtens nicht alles, aber 100000 wie vorgeschlagen würde ich bedenkenlos ind Qualitätsaktien anlegen, mit und ohne Schwankungen.

    • Jacques Bonhomme sagt:

      Mit Nestlé oder ähnlich sind wir jedefalls immer gut gefahren. Gegessen wird immer. Ebenso gute, regelmässige Dividendenrendite. Diese Dividendenrendite kann man dann in Wein anlegen. Gibt immerhin so gegen 13%. Reisen ist auch immer gut. Hält auch geistig frisch.

  • Emil Huber sagt:

    Rendite-Suche mit 80 Jahren! Dividendenperlen (=Unwort, Gebühren, Spesen, u.v. allem Kursschwankungen = nix rentabel, bestenfalls ohne Verlust)!! Ha, diesen Blödsinn kann man sich getrost sparen. Ein schönes Apéro-Plättli mit einem feinem Schluck im Kontext einer schönen Natur und Gesellschaft ist mehr Lebensinhalt.
    Einzige Ausnahme wäre: Sie haben Millionen und wissen nicht mehr wohin mit diesem WC-Papier.

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