Mit Crowdfunding in Immobilien investieren?

Bei Crowdhouse haben Private die Chance, in eine Renditeliegenschaft zu investieren. Foto: Getty Images

Bei Crowdhouse haben Private die Chance, in eine Renditeliegenschaft zu investieren. Foto: Getty Images

Ich bin auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten und auf die Crowdfunding-Plattform Crowdhouse.ch gestossen. Mit Crowdhouse kann ich direkt in Rendite-Immobilien investieren und werde dabei im Grundbuch eingetragen. Meine Investitionsmöglichkeiten sind auf 50’000 bis 100’000 Franken beschränkt. Wie schätzen Sie diese Investitionsmöglichkeit ein? I. B.

Die von den Jungunternehmern Ardian Gjeloshi und Robert Plantak gegründete Plattform stufe ich als innovativ ein. Support erhalten die beiden Firmengründer von der Luzerner Kantonalbank, welche sich schon früh an der Firma beteiligte, und von Francisco Fernandez, dem Chef der Bankensoftwareherstellerin Avaloq, der im Verwaltungsrat mitwirkt. Dank Crowdhouse haben Sie die Chance, selbst mit vergleichbar wenig Geld Immobilieninvestor zu werden.

Bereits mit 25’000 Franken ist man dabei. Das ist zwar als Anlage für Privatinvestoren, die sonst Fonds kaufen, sehr viel. Für ein Direktinvestment in Immobilien ist der Betrag aber sehr klein. Crowdhouse ist als Vermittlungsplattform tätig, indem sie für einzelne Liegenschaften potenzielle Miteigentümer sammelt und bei einem Abschluss eine Maklerprovision bekommt. Im Gegensatz zu klassischen Immobilienfonds haben Sie hier die Möglichkeit, konkret in eine Liegenschaft zu investieren, und halten nicht einen Anteil an vielen Objekten, die Sie nicht kennen. Sie werden also mit Ihrem Einsatz Mitbesitzer einer bestimmten Immobilie und kommen damit in den Genuss der mit dieser durch die Miteigentümer gemeinsam erwirtschafteten Mieteinnahmen, wobei der Aufwand für den Unterhalt und den Erneuerungsfonds abgezogen wird.

Darin liegt allerdings auch der mögliche Nachteil: Zwar werden die zum Kauf angebotenen Immobilien vorgängig in einem aufwendigen Verfahren genau geprüft. Trotzdem tragen Sie nach einem Kauf als Miteigentümer das mit der Einzelliegenschaft verbundene Risiko. Faktisch gehen Sie mit dem einzelnen Objekt, an dem Sie sich beteiligen, ein Klumpenrisiko ein. Falls sich das Objekt doch nicht als so rentabel erweist wie erwartet oder Probleme bei der Bausubstanz auftauchen, schlägt das direkt auf Ihr Investment durch.

Abgesehen von den Objekt-bezogenen Risiken tragen Sie das Marktrisiko mit: Die Immobilienpreise sind sehr hoch. Gerade Renditeliegenschaften sind stark gesucht, da auch viele Pensionskassen und Versicherungen angesichts der rekordtiefen Zinsen dort einen wachsenden Teil ihrer Anlagegelder investieren. Das hat die Preise zusätzlich angetrieben. Wirklich attraktive Renditeliegenschaften sind schwer zu finden. Die Chance, dass Sie über Crowdhouse ein Schnäppchen finden, stufe ich als gering ein. Dazu kommt: Falls irgendwann auch bei uns die Zinsen wieder steigen, muss mit einer Korrektur bei den Immobilienbewertungen gerechnet werden. Ihr Investment hätte plötzlich weniger Wert.

Wenn Sie Anteile an einem Immobilienfonds kaufen, sind Sie zwar ebenfalls dem Marktrisiko, aber anders als bei Crowdhouse keinem Klumpenrisiko ausgesetzt, denn Sie investieren ja in eine Vielzahl von unterschiedlichen Objekten. Im Vergleich zu Anlagefonds und Immobilienaktien stufe ich die Risiken bei Crowdhouse als deutlich höher ein. Meines Erachtens eignet sich eine Anlage über diese Plattform nur als Diversifikation. Wenn jemand sein Vermögen bereits in verschiedenen Anlagekategorien wie Aktien, Obligationen usw. investiert und als Ergänzung in eine Immobilie anlegen möchte, kann ein Engagement über Crowdhouse sinnvoll sein.

Kleinanleger sollten meines Erachtens aber auf keinen Fall ihr ganzes Geld in diese Anlagemöglichkeit investieren, da sie sonst einem enormen Klumpenrisiko ausgesetzt sind. In diesem Fall würde ich ein Engagement in verschiedenen Fonds vorziehen, da damit eine Diversifikation erreicht werden kann, welche ich aus Sicherheitsgründen als sehr wichtig betrachte.

1 Kommentar zu «Mit Crowdfunding in Immobilien investieren?»

  • Walter sagt:

    An sich korrekt, jedoch bei grösseren Vermögen eine bessere Option als selber was kaufen und vermieten. Erlaubt auch kleinere Investitionen um 50K.

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