Logitech mausert sich zum Börsenstar

Logitech-Chef Bracken Darrell: Seit einem Jahr hat die Aktie 111 Prozent zugelegt. Foto: Arnd Wiegmann/Reuters

Das Traumjahr für Logitech geht weiter. Noch nie hat das Lausanner Technologieunternehmen so viel kabellose Lautsprecher, Gaming-Zubehör, Kameras und Kopfhörer verkauft wie im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Börse jubelt und schickt die Aktien auf ein Allzeithoch. Dank frischer Produkte und einer Design-Offensive hat Logitech das Image des verstaubten PC- und Tastaturen-Bauers definitiv abgestreift und sich gleichzeitig zum Börsenstar gemausert: Seit einem Jahr hat die Aktie satte 111 Prozent zugelegt. Geht es nach dem Urheber des Erfolgs, CEO Bracken Darrell, sollen Umsatz und Gewinn im hohen Tempo weiterwachsen. Doch das Geschäft bleibt kurzlebig, und die Konkurrenz ist schnell. Anleger müssen darauf vertrauen, dass Logitech weiterhin eine so glückliche Hand bei Produktlancierungen hat. Die Aktien sind mit einem für das neue Geschäftsjahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 nicht günstig. Angesichts des hohen Schwungs in den Titeln gibt es aber keinen Anlass, sich jetzt von ihnen zu trennen. Halten

Schlechte Marge in Nordamerika

Mit Lindt & Sprüngli ist das so eine Sache. Jahrelang sind die Aktien immer nur gestiegen. Weil sie dann irgendwann einmal tatsächlich viel zu teuer waren, setzte Anfang 2016 zu Recht eine Konsolidierung ein. Derzeit wird der Schoggihersteller vom schwachen Geschäftsgang im Hauptmarkt USA gebremst, dort stagniert der Absatz, allerdings nicht nur der von Lindt & Sprüngli, es ist ein Branchenphänomen. Das Unternehmen erwirtschaftet 40 Prozent seiner Einnahmen in den USA. Mit der Integration der dort akquirierten Russel Stover kommen die Schweizer aber we­niger gut voran als gedacht, die Marge der Region Nordamerika enttäuschte zuletzt. Doch genau solche Situationen machen hell­hörig. Die Aktien liegen 10 Prozent unter dem Allzeithoch von Anfang 2016, während der Markt seitdem deutlich zugelegt hat. Im Vergleich zur derzeitigen Bewertung des Gesamtmarktes und der eigenen der vergangenen fünf ­Jahre sind die Titel von Lindt & Sprüngli günstiger geworden. Billig sind sie nie zu haben. Ich vertraue den Qualitäten des Unternehmens und sehe auf lange Sicht höhere Kurse. Dosiert kaufen

Horrendes Tempo

Haben Sie ein paar Franken übrig für die nächsten, sagen wir, 20 Jahre? Dann hätte ich eine Anlageidee: Amazon.com. Die Entwicklung des US-Internetkonzerns, gegründet Mitte der 90er-Jahre, ist faszinierend: Jeff Bezos hat ihn als Online-Buchhandlung gestartet, nach und nach kamen Geschäftsfelder hinzu. Das Wichtigste war wohl der Start von Services über das Internet. In der Cloud vermietet Amazon nun Rechenleistungen ebenso wie Speicher. Aktuell gibt es wohl kein spannendes Hightech-Feld – Künstliche Intelligenz, Robotik, virtuelle Assistenten –, in dem der Konzern nicht mitmischt. Und das mit Erfolg. Im ersten Quartal hat Amazon den Umsatz um 23 Prozent gesteigert auf knapp 36 Milliarden Dollar. Kaum ein zweites Unternehmen schafft noch solche Sprünge auf diesem Niveau. Und nur wenige können bei der Wertentwicklung mithalten: Aus 1000 Dollar, investiert beim Börsengang 1997, wurden bis heute mehr als 500 000. Ich kann nicht versprechen, dass Amazon dieses Tempo über die nächsten zwei Jahrzehnte beibehält. Aber solange CEO Bezos Amazon vorsteht, bin ich mir sicher, dass sich eine Anlage langfristig auszahlt. Kaufen

Das Momentum stimmt

Vor sieben Wochen habe ich die Aktien von Bucher Industries zum Kauf empfohlen. Seither sind sie 15 Prozent gestiegen. Und es ist ja nicht so, dass sie zuvor im Dornröschenschlaf gewesen wären: Innerhalb eines halben Jahres haben sie sich fast um die Hälfte verteuert. Nun werden sie auf einem Allzeithoch gehandelt. Das erstaunt insofern, als Bucher 2016 das schlechteste Ergebnis seit sechs Jahren ablieferte. Doch nun verdichten sich die Zeichen, dass die Weltwirtschaft an Fahrt gewinnt und sich ein Turnaround auf den Agrarmärkten abzeichnet. Die grösste und ertragsmässig bedeutendste Tochter von Bucher, die Kuhn-Gruppe, steigerte im ersten Quartal den Auftragseingang um satte 24 Prozent. Zudem ist die Kostenbasis gesenkt worden. Höhere Umsätze und effizientere Produktion – das wird die Gewinnmargen stimulieren. Doch Vorsicht ist angebracht. Die Bewertung von Bucher hat mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 ein stolzes Niveau erreicht. Das ist mehr als 10 Prozent über dem Durchschnitt der Industrie-Aktien. Das Momentum stimmt aber. Dosiert kaufen

Mit 25 Prozent im Plus

Die Aktien der Swatch Group kennen kein Halten mehr. In den vergangenen Wochen sind sie 12 Prozent gestiegen. Kein anderer Titel aus dem Swiss Market Index ist in dieser Zeit auch nur annähernd gut gelaufen. Sogar Branchenkonkurrent Richemont liegt im Vergleich zurück. Seit Anfang Jahr liegen die Swatch-Group-Valoren gar mit beinahe 25 Prozent im Plus. Mir läuft das Ganze etwas gar schnell ab. Gleichzeitig sind die Uhrenex­porte auch im März wieder rückläufig gewesen. Natürlich hat sich die Lage für die Uhrenhersteller wieder aufgehellt, selbstverständlich werden in China die Uhren wieder in Massen gekauft. Dennoch nehmen die Swatch-Group-Inhaberpapiere auf dem aktuellen Niveau von 400 Franken zu viel vorweg. Auch wenn der Bieler Uhrenhersteller bei den Halbjahreszahlen im Sommer einen deutlich höheren Umsatz und eine mas­sive Erholung der Ebit-Marge ausweisen sollte, ist das im Kurs bereits eingepreist. Ich rate, vorläufig die Hände davon zu lassen – auf die Gefahr hin, dass die Aktie noch etwas weiterlaufen könnte. Abwarten

1 Kommentar zu «Logitech mausert sich zum Börsenstar»

  • thomas covenant sagt:

    Ich bin eigentlich fan der logitech produkte, nur der kundendienst von logitech ist unter jedem hund. auf mehrere anfragen hin, keine antwort des kundendienstes…

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