Snapchat-Aktien: Luftblase oder Werttreiber?

Snapchat-Aktien: Traumstart an der Börse. Foto: Reuters

Snapchat: Traumstart an der Börse. Foto: Reuters

Ich habe den Börsengang von Snap an der Wallstreet verfolgt. Leider habe ich nicht gleich zu Beginn gekauft. Soll ich jetzt noch einsteigen? E. J.

Die erst 2012 gegründete Mutterfirma der vor allem bei Jungen trendigen Foto- und Nachrichten-App Snapchat, bei der die versendeten Nachrichten oder Fotos nach einer gewissen Zeit wieder gelöscht werden, hat einen Traumstart an der Wallstreet realisiert. Der Kurs der Snap-Aktien sprangen von 17 Dollar auf 24 Dollar, was einem Anstieg von über 40 Prozent entsprach. Zeitweise erreichte der Kurs gar Höchstwerte von über 27 Dollar. Dies, obwohl die Aktien nicht einmal ein Stimmrecht aufweisen. Damit erreichte die noch junge Firma eine Börsenkapitalisierung von 30 Milliarden Dollar und ist damit etwa ähnlich teuer wie in der Schweiz die Grossbank Credit Suisse oder in Deutschland der Sportartikelkonzern Adidas. Die beiden Firmengründer Evan Spiegel (26) und Bobby Murphy (28) sind mit einem Schlag Milliardäre geworden. Das ist die Sonnenseite des Börsenganges.

Zur Schattenseite gehört allerdings die Tatsache, dass Snap bis jetzt keine Gewinne erzielt. Im Gegenteil: Das Unternehmen weist einen Verlust von rund einer halben Milliarde Dollar aus. Das erinnert mich an die Phase der Techno-Blase Ende der 90er-Jahre und im Jahr 2000. Auch damals wurden Spitzenkurse für Aktien von Technologie-Firmen bezahlt, die noch nie einen Franken verdient hatten. Etliche dieser hoch bezahlten Börsenfirmen verschwanden nach dem grossen Tech-Crash. Die traumhaften Kursgewinne lösten sich in Luft auf.

Für ein Engagement bei Snap spricht indes, dass andere Techfirmen auch nach ihrem Börsengang nochmals massiv an Wert zugelegt hatten. Positive Beispiele dafür sind Apple oder Facebook. Die Aktien von Apple haben sich seit dem Börsengang nochmals vervielfacht. Die grosse Frage bei Snap ist: Wird das Unternehmen mittels Werbung im grossen Stil Gewinne erwirtschaften können und die Beliebtheit bei den Usern behalten oder sogar steigern können?

Persönlich muss ich sagen: Ich weiss es nicht. Obwohl ich die Snapchat-App originell finde und diese gerade bei der wichtigen Zielgruppe der Jungen sehr angesagt ist, kann nur schwer vorausgesagt werden, ob sich die hohe Beliebtheit der App wirklich nachhaltig monetarisieren lässt. Dazu kommt, dass die User solcher Apps alles andere als treu sind: Sobald ein Konkurrenzprodukt bessere Features bietet, sind die Nutzer schnell weg und eine App ist out.

Vor diesem Hintergrund bin ich skeptisch. Nein, ich würde nicht einsteigen. Auf dem heutigen Niveau stufte ich die Snap-Aktien als riskant ein. Persönlich ziehe ich Aktien von Unternehmen, die bereits bewiesen haben, dass sie nachhaltig Gewinne erwirtschaften, vor. Dazu gehört Snap bis auf weiteres nicht.

 

1 Kommentar zu «Snapchat-Aktien: Luftblase oder Werttreiber?»

  • Meinrad Wiederkehr sagt:

    Treffende Analyse! Facebook macht Gewinn und läuft gut an der Börse.

    Der Unterschied zu Snapchat ist, dass Facebook viel mehr über seine Kunden weiss. Jede Webseite mit eingebettetem Facebook-Button, die man besucht, fliesst in die Datensammlung ein. Zudem sind die Profile ausführlicher: Jahrgang, Beruf etc. Dies alles ermöglicht es Facebook, Werbung für spezifische Zielgruppen zu verkaufen, was gute Einnahmen bringt.

    Snapchat hingegen kann nur per App genutzt werden. Ausser „Freunden“ und bevorzugten Aufenthaltsorten erfährt Snap nichts über seine User. Diese sind zudem jung und wie im Artikel erwähnt nicht Markentreu. Schaltet Snap Werbung, ziehen die Jungen weiter zur nächsten App. Welche dann sowieso coolere Features hat…

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