Luzerner Lifthersteller fährt hoch

Hudson Yards Tower C, New York: Auch hier führen Schindler-Aufzüge nach oben. Foto: PD

Der Aktienmarkt wird anspruchsvoller, es braucht schon sehr gute Nachrichten, um das Kursniveau nur schon zu halten. Schindler gelang das vergangene Woche. Der Hersteller von Aufzügen und Fahrtreppen hat einen guten Lauf, gewinnt Marktanteile, und die Margen tendieren aufwärts. Ich mache mir keine Sorgen, dass der Konzern mit dem Rücktritt von Patron ­Al­fred N. Schindler als Verwaltungsratspräsident an Kraft einbüsst. An der Börse hat das seinen Preis. Die Titel notieren so hoch wie noch nie. Die Bewertung, ausgedrückt in einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 für 2017, liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, den Morgan Stanley auf 18 veranschlagt. Schindler ist ausgezeichnet positioniert in einem Markt, der langfristig rascher als die Gesamtwirtschaft wächst. Die Verstädterung nimmt vor allem in aufstrebenden Ländern zu. In den reifen Märkten Europa und USA werden die Leute älter und wollen mehr Komfort. Zudem profitiert Schindler davon, dass die Vorschriften strenger werden. Vielleicht wird die Branche nicht mehr derart boomen wie bis 2015, was neue An­lagen betrifft. Dafür wächst der ­Bedarf an Serviceleistungen und Modernisierung. Kaufen

Ermutigende Aussichten

Shades of Grey, egal wie viele, sind nicht das Ding von Investoren, wenn es um Clariant geht. Grautöne sind ihnen fremd, sie kennen nur weiss oder schwarz. Die einen glauben an eine gute Zukunft der Spezialchemiegruppe, die anderen nicht. Ich selbst sehe mich näher bei Ersteren, sagen wir im hellgrauen Bereich. Clariant hat in den vergangenen Jahren viel erreicht. Die Aktien schlagen den Gesamtmarkt. 2016 hat die Gesellschaft ihren Weg fortgesetzt. Zum siebten Mal in Folge hat sie die Profitabilität erhöht. Der Umsatz zeigt wieder leicht steigende Tendenz, und der Cashflow hat sich deutlich erhöht – was keine Eintagsfliege sein soll, wie das Management glaubhaft ver­sichert. Der Ausblick für dieses Jahr verheisst weitere Fortschritte. Auch für 2018 gibt es ermutigende Hinweise, namentlich für das ertragsstarke Segment Catalysis. Zudem sind die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 im Branchenvergleich massvoll bewertet. Dosiert zukaufen

Viele Kaufmöglichkeiten

In der vergangenen Woche haben auch die Aktien von Burkhalter, führender Elektroinstallateur der Schweiz, ein Allzeithoch erreicht. Das Unternehmen öffnete sich 2008 dem Publikum – und hat den Kurs seither rund versiebenfacht. Burkhalter ist nur in der Schweiz tätig, Auslandrisiken gibt es keine. Der Markt allerdings wächst nur träge. Darum setzt Burkhalter auf Akquisitionen. Auch hier sind die Risiken gering: Im Visier des Marktführers sind kleine bis allenfalls mittlere Elektroinstallateure, Klumpenrisiken sucht man vergebens. Der Markt ist sehr fragmentiert. Es existieren nur wenige grosse, dafür rund 3000 kleine Unternehmen. Akquisitionsmöglichkeiten gibt es also noch viele. Die Strategie zahlt sich aus: Gewinn und Rentabilität entwickeln sich stetig aufwärts, dasselbe gilt für den Aktienkurs. Zudem zeichnet sich Burkhalter durch eine kontinuierliche und hohe Ausschüttung aus, sie bewegt sich meist um 90 Prozent des Gewinns. Kaufen

Bescheidene Erholung

Nach der Gewinnwarnung am 24. Januar haben die Aktien des Backwarenherstellers Aryzta über 40 Prozent verloren. Mittlerweile hat der Verwaltungsrat das langjährige Topduo an der Spitze, Unternehmenschef Owen Killian und Finanzchef Patrick McEniff, wie reihum gefordert vor die Tür gesetzt, wenn auch erst per Ende Juli. Ihr Abgang ist eine Voraussetzung für einen Turnaround und hat den Aktien bereits zu einer bescheidenen Erholung verholfen. Aber Aryzta, berüchtigt wegen verwirrender Bilanzführung, ist eine Blackbox. Ein neues Topmanagement muss erst gesucht werden. Was wird es tun, wenn es da ist? Vermutlich wird es reinen Tisch machen wollen. Möglich ist, dass einiges an Goodwill abgeschrieben wird. Die Bilanz ist angespannt. Aryzta benötigt auch Mittel für eine Refinanzierung. Eine Kapitalerhöhung gilt zurzeit als unwahrscheinlich. Aber sie wäre aus Gläubigersicht positiv, sagt Patrick Hasenböhler, Kreditanalyst der ZKB. Eine Kapitalerhöhung ist im Aktienkursniveau nicht eingepreist und würde den Kurs unter Druck setzen. Viele offene Fragen, eine Antwort: Wer jetzt schon einsteigt, ist eine Spielernatur. Abwarten

Die Börse reagiert nicht

Last but not least etwas zu Last­minute.com. Ein Unternehmen schlägt komfortabel die eigenen Ziele. Was denken Sie, was passiert? Richtig, die Aktien steigen – im Normalfall. Bei Lastminute.com sieht das anders aus. Die Online-Reiseagentur hat vergangene ­Woche für das abgelaufene Geschäftsjahr vorläufige Zahlen präsentiert: Umsatz und Betriebsgewinn legten zu. Die im letzten Sommer selbst fixierten, erhöhten Planungen wurden erreicht. Doch an der Börse geschah: nichts. Wer die Geschichte von Lastminute kennt, versteht das besser. Als Bravo­fly Rumbo ging das Unternehmen mit italienischen Wurzeln 2014 an die Börse. Den Emissionspreis von 48 Franken haben die Titel nach einigen Enttäuschungen nie wieder gesehen. Im Tief notierten die Papiere vergangenes Jahr bei 9 Franken. Immerhin: Jetzt kosten sie wieder um die 15 Franken. Nach dem Kauf der britischen Last­minute 2015 hat die Gesellschaft diesen Namen angenommen. Geholfen hat das wenig. Lastminute tummelt sich in einem Markt mit Grössen wie Priceline, Expedia, aber auch Google. Der Beweis, dass die Gesellschaft selbst einmal zu den Grossen gehören wird, steht aus. Für ein Engagement reicht das blosse Erreichen der eigenen Ziele nicht aus. Abwarten

1 Kommentar zu «Luzerner Lifthersteller fährt hoch»

  • Tinu Berger sagt:

    Burkhalter:
    Dem Anleger Ein „Payout Ratio“ von 90% als Vorteil darzustellen zeugt nicht von viel Fingerspitzengefühl. Ich gehe davon aus, dass dem Schreibenden die Zusammenhänge nicht wirklich bewusst sind…

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