Novartis wird sich dieses Jahr wieder aufrappeln

Joe Jimenez, Chef des Schweizer Pharmakonzerns: Novartis war 2016 die viertschlechteste Aktie im SMI. Foto: Patrick Straub/Keystone

Joe Jimenez, Chef des Schweizer Pharmakonzerns: Novartis war 2016 die viertschlechteste Aktie im SMI. Foto: Patrick Straub/Keystone

Einer meiner Anlagefavoriten für das neue Jahr ist Novartis. Der Pharmakonzern wird wegen diverser hausgemachter Probleme zwar auch 2017 kein Rekordergebnis erzielen. Der Patentablauf des Milliardenmedikaments Glivec wird weiterhin belasten, und die neuen Produkte erzielen noch zu wenig Umsatz, um die Erosion stoppen zu können. Zudem leidet Novartis in der Augenheilsparte Alcon unter einer Wachstumsschwäche. All das ist jedoch längst kein Geheimnis mehr: Novartis war 2016 mit einem Kursverlust von rund 11 Prozent die viertschlechteste Aktie im SMI. Das Management um Joe Jimenez wird nun alles daransetzen, möglichst rasch Fortschritte präsentieren zu können. Novartis besitzt vielversprechende neue Medikamente im Endstadium der Entwicklung, die ab 2018 wieder Wachstum liefern werden. Alcon wird derweil auf Vordermann gebracht und dann – so denke ich – verkauft. Die Anleger werden Schritt für Schritt wieder Vertrauen in Novartis fassen. Kaufen

Aktie ohne Nebenwirkungen

Ich bleibe mit den nächsten beiden Empfehlungen im Gesundheitssektor, widme mich aber zwei kleineren – und deutlich riskanteren – Namen: Das Biotechunternehmen Cosmo konnte Ende 2016 die entscheidende zulassungsrelevante Studie für das Kernprodukt Lu Me Blue erfolgreich abschliessen. Das Färbemittel hilft Ärzten bei der Erkennung von Darmpolypen. Anfang dieses Jahres soll es der US-Gesundheitsbehörde FDA zur Zulassung vorgelegt werden. Die Verkaufsargumente für Lu Me Blue stimmen. Das Mittel macht Darmspiegelungen präziser, schneller und günstiger. Und das ohne Nebenwirkungen. Ausserdem können die Ärzte von Cosmo gleich noch ein zugelassenes Werkzeug zur Entfernung der zuvor entdeckten Verletzungen beziehen. Das Potenzial der zwei Produkte spiegelt sich noch nicht vollends im Aktienkurs. Die Papiere sind eine Wette darauf, dass es Cosmo gelingt, ihre Produkte in den nächsten Jahren effizienter zu ­vermarkten. Kaufen

Mit Süssstoff zum Erfolg

In die Aktien von Evolva ist gegen Ende 2016 mächtig Schwung gekommen. Die US-Patentbehörde hat dem Hersteller von Nahrungsmittel-Zusatzstoffen ein zentrales Patent für seinen biologisch erzeugten Stevia-Süssstoff Ever Sweet in Aussicht gestellt. Damit ist zumindest der regulatorische Weg für die Vermarktung des Produktes in den USA frei. Noch muss das Herstellungsverfahren jedoch optimiert werden, denn der Verkauf von Ever Sweet rechnet sich bisher noch nicht. Evolva will «in der ersten Januarhälfte» ein Update zum Stevia-Projekt geben. Was verkündet wird, bleibt unklar. Überdurchschnittlich risikofähige Investoren kaufen

Reizvolle Ergänzung fürs Portfolio

Wetten, dass Ihnen der Name VAT vor einem Jahr überhaupt nichts gesagt hätte? Sie können sich trösten: Mir wäre es gleich gegangen. Doch spätestens wenn Sie in diesen Tagen die Liste der Aktien mit der besten Performance nach dem Börsengang oder mit dem höchsten Kursgewinn 2016 studieren («Das waren 2016 die besten Schweizer Aktien»), werden Ihnen die drei Buchstaben auffallen. Und Sie werden sich die gleiche Frage stellen wie andere Anleger: Soll man die Aktien des Vakuumventilherstellers nach einem Plus von 70 Prozent seit dem Börsengang Mitte April noch kaufen? Ich denke: ja. Natürlich rechne ich 2017 nicht mit einem ähnlich imposanten Kursfortschritt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist im Zug der Hausse bereits von 16 auf 22 gestiegen, obschon Finanzanalysten die Prognosen im Jahresverlauf hochgeschraubt haben. Aber eine reizvolle Ergänzung des Portefeuilles sind VAT allemal. Ich kenne nur wenige Schweizer Industriewerte, die mir eine ähnlich gute Mischung von Wachstum, soliden Gewinnmargen und Dividendenfantasie bieten. Die Firma ist mit einem Anteil von 41 Prozent am Markt für Vakuumventile mit grossem Abstand führend positioniert und profitiert von einem Technologieschub in vielen Sektoren. Auf dem aktuellen Kursniveau offerieren die VAT-Papiere eine geschätzte Dividendenrendite von über 3 Prozent. Weil das Unternehmen rasch Schulden abbaut und der freie Cashflow in den kommenden Jahren zunimmt, sehe ich beträchtlichen Spielraum für steigende Ausschüttungen. Kaufen

Traumhafte Ebitda-Marge

Zum Schluss eine Empfehlung für 2017 aus dem europäischen Ausland: Anheuser-Busch InBev ist der weltweit mit Abstand grösste Bierbrauer (u. a. Budweiser, Corona, Stella, Beck’s). Der Konzern ist im belgischen Leuven beheimatet, die Aktien werden unter anderem in Brüssel und New York gehandelt. Das Management liegt fest in brasilianischer Hand; mehr als die Hälfte der Topmanager, inklusive Konzernchef Carlos Brito, sind Brasilianer. Ihr Leistungsausweis ist einzigartig: Sie haben über einen Zeitraum von 15 Jahren den kleinen lokalen Bierbrauer Ambev über eine Reihe von Akquisitionen zum heutigen Koloss aufgebaut. Britos Führungsstil ist legendär hart auf Kostenkontrolle fokussiert – mit einer Ebitda-Marge von fast 40 Prozent erreicht Anheuser-Busch InBev Werte, von der Konkurrenten wie Carlsberg (20 Prozent) und Heineken
(23 Prozent) nur träumen können. Die Aktien litten in den vergangenen Monaten an der Börse unter einer Sektorrotation: Investoren trennten sich von defensiven Werten und kauften stattdessen Aktien von Banken oder Industrieunternehmen. Der Kursrückgang von 14 Prozent seit Mitte Oktober eröffnet eine Kaufchance. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 sind die Titel zwar auch heute nicht billig, aber AB InBev (Dividendenrendite: 3,6 Prozent) gehört zum qualitativ Besten, was in Europa zu finden ist. Kaufen

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