Der Staat motiviert Bürger zum Schuldenmachen

Eigenmietwert: Hausbesitzer werden dazu verleitet, hohe Hyposchulden zu machen. Foto: Key

Eigenmietwert: Hausbesitzer werden dazu verleitet, hohe Hyposchulden zu machen. Foto: Key

In der Politik wird immer wieder über die Vor- und Nachteile des Eigenmietwertes gestritten. Eigentlich ist diese Besteuerung doch fair, da ich als Mieterin meine Wohnungskosten auch nicht bei den Steuern abziehen kann. Wie sehen Sie das? R.F.

Ich kann Ihre Überlegung gut nachvollziehen. Als Mieterin können Sie gar nichts abziehen, während Hausbesitzer sowohl Hypozinsen als auch Unterhaltsarbeiten für den Werterhalt der Liegenschaft in der Steuererklärung geltend machen dürfen. Dafür wird diesen aber ein mehr oder weniger hoher Eigenmietwert aufs Einkommen geschlagen. Wegen der Steuerprogression kann dieser Effekt zu beträchtlichen Steuermehrkosten führen – trotz der Abzüge. Gemäss Gesetz braucht es eine Gleichbehandlung der Bürgerinnen und Bürger bei den Steuern.

Trotzdem bin ich persönlich für eine Abschaffung des Eigenmietwertes. Indem man gleichzeitig den Schuldzinsabzug begrenzt oder streicht und die abzugsfähigen Unterhaltsarbeiten eingrenzt, könnte man die Rechtsgleichheit von Mietern und Hausbesitzern durchaus herstellen. Eine sinnvolle und faire Lösung zu finden, ist Sache der Politik. Ich selbst bin weniger aus politischen Gründen, sondern vielmehr aus grundsätzlichen Überlegungen für eine Abschaffung des Eigenmietwertes. Ich halte ihn volkswirtschaftlich sogar für schädlich und gefährlich. Und zwar darum, weil der Eigenmietwert die Hausbesitzerinnen und -besitzer dazu verleitet, hohe Hypothekarschulden zu machen oder zumindest diese nicht oder nur teilweise abzubauen. Persönlich vertrete ich die Auffassung: Wenn man Schulden macht, sollte man diese so rasch wie möglich wieder tilgen.

Bei den Hypotheken läuft der Mechanismus aber anders. Hier schleppen die meisten Leute riesige Kredite praktisch ein Leben lang mit sich und bezahlen über all die Jahre immense Summen an Zinsen. Dass dies so ist, hat nicht nur damit zu tun, dass bei uns die Immobilien- bzw. Bodenpreise sehr hoch sind und die meisten Leute ohne hohe Hypotheken gar nie Liegenschaften erwerben könnten. Dass die Hypotheken oft nicht oder nur teilweise abgebaut werden, ist auch auf den Eigenmietwert zurückzuführen. Die Möglichkeit, die Schuldzinsen abziehen zu dürfen, animiert Liegenschaftenbesitzer, die Kredite hoch zu behalten. So können sie mittels Schuldzinsabzug den Progressionseffekt, welcher durch den Eigenmietwert verstärkt wird, etwas abfedern. Immerhin wird zum Teil indirekt via 3. Säule amortisiert. Würde man den Eigenmietwert abschaffen, wären wesentlich mehr Leute motiviert, ihre Hypothekarkredite schneller zu amortisieren. Wer dies jetzt tut, wird durch höhere Steuern sogar noch bestraft. Der Eigenmietwert setzt seitens des Staates völlig falsche Anreize.

Im Sinne einer gesunden Volkswirtschaft müsste der Staat seine Bürgerinnen und Bürger dazu bringen, möglichst wenig Schulden zu machen und diese schnell zurückzuzahlen. Mit dem Eigenmietwert lädt der gleiche Staat, der via Nationalbank immer wieder vor dem Risiko einer Immobilienblase in der Schweiz warnt, die Bürger dazu ein, möglichst hohe Hypothekarschulden zu machen und diese möglichst nicht zu amortisieren – weil sie die Zinsen eben von den Steuern abziehen können.

Interessant bei solchen Debatten ist es oft auch, einen Blick über die Landesgrenzen hinaus zu wagen und zu prüfen, wie es denn andere Länder mit dem Eigenmietwert halten. Dies hat interessanterweise die Eidgenössische Steuerverwaltung getan. Deren Aufstellung zeigt, dass in Europa die wenigsten Länder einen Eigenmietwert kennen: Dänemark nur noch in Ausnahmefällen, Luxemburg in ganz geringem Umfang sowie die Niederlande und Spanien. Natürlich hinken solche Vergleiche sachlich immer, da auch andere Steuern mitberücksichtigt werden sollten. Bezogen auf die Schweiz, bin ich der Auffassung, dass der Eigenmietwert mehr schadet als nützt. Ein Verzicht würde die Immobilienbesitzer zum Schuldenabbau motivieren und damit unsere Wirtschaft sicherer machen.

Käme es später einmal zu einem starken Zinsanstieg in der Schweiz, wären längst nicht alle, welche sich derzeit zu rekordtiefen Zinsen mit hohen Hypotheken verschulden, in der Lage, die dann deutlich höheren Zinskosten zu bezahlen, was nicht nur für diese Haushalte, sondern auch für die Banken ein beträchtliches Risiko beinhaltet. Mit der Abschaffung des Eigenmietwertes könnte auch diese Gefahr abgefedert werden.

Beachtliche Zinsunterschiede

Ich habe mein Pensionskassenkapital auf dem Freizügigkeitskonto. Jetzt habe ich gesehen, dass meine Bank, die BEKB, viel weniger Zins zahlt als andere. Darf ich wechseln? J.F.

Ja. Das ist möglich. Damit Sie aber wechseln können, müssen Sie die Wechselbedingungen Ihrer Freizügigkeitseinrichtung erfüllen. In der Regel gibt es nämlich Kündigungsfristen, die Sie einhalten müssen. Zum Teil werden auch Gebühren verrechnet. Ich empfehle Ihnen, sich vor einem Wechsel über die genauen Konditionen zu informieren. Oft lohnt sich aber ein Wechsel durchaus. Wenn Sie nämlich die Konditionen der verschiedenen Schweizer Banken etwas genauer vergleichen, stellen Sie fest, dass es tatsächlich erhebliche Zinsunterschiede bei der Verzinsung des Freizügigkeitsgeldes gibt.

Während die Berner Kantonalbank auf dem Freizügigkeitskonto nur noch 0,1 Prozent Zins zahlt, bietet beispielsweise Raiffeisen auf dem Freizügigkeitsgeld einen Zins von immerhin noch 0,25 Prozent. Auf hohe Summen macht dies einiges aus. Bei einem Freizügigkeitskapital von 500’000 Franken bekommen Sie bei den Bernern pro Jahr nur 500 Franken Zins. Bei Raiffeisen indes fast das Dreifache, nämlich 1250 Franken. Idealerweise sollte man schon vor der Auszahlung der Freizügigkeitsleistung durch die Pensionskasse abklären, welche Bank attraktivere Konditionen bei ihrer Freizügigkeitseinrichtung bietet.

Neben dem Zins sollten Sie aber auch auf die Sicherheit achten: Denn Freizügigkeitsgelder sind nur bedingt geschützt. Nur maximal 100’000 Franken fallen unter das Konkursprivileg. Auch wenn die Chance, dass eine Freizügigkeitseinrichtung in Konkurs geht, gering ist, würde ich den Sicherheitsaspekt nicht ausklammern.

Wer AHV-Lücken zu spät bemerkt, kann nicht mehr nachzahlen

Ich habe lange studiert und bin erst spät in die Arbeitswelt eingestiegen. Jetzt befürchte ich viele Jahre später, dass ich bei der AHV Lücken habe. Wie kann ich das herausfinden? Kann ich dies kompensieren, da ich jetzt viel verdiene? C.W.

Wahrscheinlich hatten Sie, wie die meisten Berufstätigen, mehrere Arbeitgeber. Damit hatten Sie wahrscheinlich auch mehrere Kassen, über die Ihre Beiträge und diejenigen Ihrer Arbeitgeber abgerechnet wurden. Jede einzelne Kasse, mit der Sie abgerechnet hatten, führt für Sie ein individuelles Konto. Hier ist festgehalten, wie lange Sie Beiträge bezahlt haben und wie hoch diese waren. Um zu erfahren, ob Sie Lücken hatten, können Sie bei der Kasse, bei der Sie heute Ihre AHV einzahlen, einen sogenannten Zusammenzug all Ihrer individuellen Konten einfordern. Dafür müssen Sie selbst einen schriftlichen Antrag stellen. Entsprechende Formulare dazu finden Sie auf der Website Ihrer AHV-Kasse.

Falls Sie feststellen, dass Sie tatsächlich Lücken bei der AHV haben, können Sie diese kaum mehr kompensieren. Denn Versicherte können gemäss den Bestimmungen der AHV nur «innerhalb von fünf Jahren seit Ablauf des Kalenderjahres, für welches sie geschuldet sind, Beiträge nachbezahlen», wie das Bundesamt für Sozialversicherungen vorschreibt. Immerhin sagt das BSV: «Wenn die AHV bei der Rentenberechnung feststellt, dass Beitragsjahre fehlen, bezieht sie zunächst die sogenannten Jugendjahre mit ein. Das sind allfällige vor dem 20. Altersjahr einbezahlte Beiträge.»

Letzteres dürfte bei Ihnen kaum zutreffen. Ich rate Ihnen, einerseits bei Ihrer Kasse einen Antrag für einen Zusammenzug Ihrer individuellen Konten zu stellen, damit Sie eine Übersicht erhalten. Und andererseits die Konsequenzen Ihrer allfälligen Beitragslücken von Ihrer Kasse berechnen zu lassen. So haben Sie Klarheit und können allenfalls über die freiwillige Vorsorge – etwa die steuerbegünstigte 3. Säule – das fehlende Altersgeld aus der AHV zumindest teilweise auf freiwilliger Basis kompensieren.