EU-Austritt Grossbritanniens würde Börsen verunsichern

Demo der Brexit-Befürworter: Kontrolle selbst übernehmen, raus aus der EU. Foto: Getty

Demo der Brexit-Befürworter: Kontrolle selbst übernehmen, raus aus der EU. Foto: Getty

 

Im Juni findet in Grossbritannien eine Abstimmung zu einem möglichen Austritt des Landes aus der EU statt. Bei einem Ja: Was meinen Sie, welches wären die Auswirkungen auf die Aktienmärkte und die britische Währung? D. B.

Über die möglichen Schäden kann nur spekuliert werden. Ich gehe aber davon aus, dass ein Austritt Grossbritanniens aus der EU an den Aktienmärkten ein Beben auslösen würde. Nicht nur in London, sondern auch an den übrigen europäischen Börsen. Denn die britische Wirtschaft dürfte sich durch diesen politisch brisanten Schritt erhebliche Nachteile im wichtigen Handelsverkehr mit der EU einhandeln. Faktisch wäre Grossbritannien dann wie die Schweiz nicht mehr direkt in den Handel mit der EU eingebunden. Während die Schweiz an diesen Zustand gewöhnt ist und gut damit leben kann, müssten sich die britischen Unternehmen mit den neuen Rahmenbedingungen zuerst noch abfinden.

Natürlich könnte auch Grossbritannien ebenso wie die Schweiz bilaterale Verträge mit der EU abschliessen. Solche Verhandlungen wären aber aufwendig und zeitraubend. Man muss darum davon ausgehen, dass zumindest in einer ersten Phase die britische Konjunktur an Wachstum einbüssen würde – ebenso übrigens der für London sehr wichtige Finanzsektor. Handelspolitische Abschottung hat meist einen hohen Preis. Da sich die Regierung Cameron für einen Verbleib starkmacht, würde es bei einem Volksentscheid für einen Austritt mit grosser Wahrscheinlichkeit zudem zu einer Regierungskrise kommen. Politische Unsicherheit ist nie nach dem Geschmack der Finanzmärkte. Deshalb erwarte ich auch, dass das britische Pfund bei einem EU-Austritt ebenfalls an Wert verlieren würde, obschon ein Rückzug der Briten auch für die EU nachteilig wäre, zumal Grossbritannien anders als etliche EU-Mitglieder ein bedeutender Beitragszahler ist.

Persönlich gehe ich aber davon aus, dass genau die Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen die Briten dazu bewegen wird, dass sie sich im Juni an der Urne mehrheitlich für einen Verbleib in der EU aussprechen werden. Emotional mögen viele – nicht zuletzt angesichts der Flüchtlingskrise in Europa und der sich daraus in Zukunft ergebenden hohen Sozialkosten für die EU – ernsthaft mit einem Austritt sympathisieren. Letztlich dürften dann aber doch rationale – insbesondere wirtschaftliche – Argumente die Oberhand behalten und die Briten davor bewahren, ein für alle riskantes Experiment zu wagen.

Wie auch immer die Brexit-Abstimmung ausgeht: Für die EU sollte sie allerdings ein Fingerzeig sein – eine nachdrückliche Aufforderung, sich zu reformieren. Statt immer mehr zu zentralisieren, sollte sie sich stärker dezentralisieren und die Eigenheiten der angeschlossenen Länder stärker mitberücksichtigen. Der bewährte Föderalismus der Schweiz könnte für die EU ein gutes Vorbild sein. Leider bin ich nicht so optimistisch, dass die EU diesen Fingerzeig der Briten versteht und sich wirklich wandelt.

 

Verwaltung des Geldes delegieren oder alles selbst machen?

Gerne möchte mein Bankberater, dass ich einen Teil meines Geldes der Vermögensverwaltung der ZKB übergebe. Diese hat Gebühren von 1,3 Prozent. Ich bin unsicher, ob eine aktive Verwaltung lohnenswert ist. Würden Sie die Vermögensverwaltung wählen, oder sollte ich in kostengünstige ETFs auf Aktienindizes investieren? Allerdings habe ich keine grosse Lust, mich mit den Anlagen auseinanderzusetzen. F. S.

Ob für Sie die Rechnung aufgeht, wenn Sie einen Teil Ihres Geld von Ihrer Bank verwalten lassen, kann ich nicht voraussagen. Je nachdem, ob Sie bereit sind, mehr oder weniger Risiken einzugehen, haben Sie höhere Renditechancen, gleichzeitig aber auch die Gefahr, Buchverluste einzufahren, zumal die Märkte wohl noch einige Zeit turbulent bleiben dürften. Wenn Sie auf kostengünstige Exchange Traded Funds setzen, könnten Sie langfristig von einer möglichen Erholung an den Aktienbörsen profitieren. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns am Anfang eines länger anhaltenden Bärenmarktes befinden. Dazu kommt, dass Sie mit den erwähnten ETFs voll in Aktien investieren würden. Die Diversifikation nach Anlageklassen wäre dabei ungenügend und Ihre Risiken entsprechend hoch.

Bei einem Vermögensverwaltungsmandat hingegen können Sie davon ausgehen, dass Sie eine möglichst optimale Diversifikation erreichen und die Bank versucht, das Kurspotenzial in den verschiedenen Anlageklassen möglichst auszuschöpfen. Dass dies gelingt, dafür gibt Ihnen die Bank allerdings auch keine Garantie. Zusätzlich geht von der hoffentlich erreichten Rendite die Gebühr für die Vermögensverwaltung weg. Zusätzlich zu den Risikoaspekten und der Frage nach der Diversifikation müssen Sie sich fragen, inwiefern Sie sich wirklich selbst um die Verwaltung Ihres Kapitals kümmern möchten.

Da Sie mir schreiben, dass Sie keine Lust haben, sich mit den Anlagen auseinanderzusetzen, bin ich hellhörig. Genau dies müssten Sie machen, wenn Sie ETFs kaufen: Solche Fonds sollten Sie gut im Auge behalten und auch mit einem langfristigen Anlagehorizont überwachen. Indem Sie Ihr Kapital einer Bank zur Verwaltung anvertrauen, entbinden Sie sich von der Pflicht, das Geld im Detail regelmässig überwachen zu müssen und selbst Anlagenentscheide zu fällen, und haben die Chance, eine höhere Rendite zu erzielen. Der Preis dafür ist die Verwaltungsgebühr. Doch auch da müssen Sie je nach gewählter Strategie und Risikoprofil damit rechnen, dass Sie Rückschläge einstecken müssen. Dank der breiteren Diversifikation dürften die Risiken unter dem Strich aber geringer sein.

Ich empfehle Ihnen daher, sich genau zu überlegen, wie intensiv Sie sich tatsächlich selbst um Ihr Geld kümmern möchten und welche Risiken Sie zu tragen bereit sind. Verschiedene Banken bieten übrigens auch Verwaltungsmandate an, bei denen das Kapital passiv mittels ETFs verwaltet wird und die Gebühren deshalb geringer sind. Sprechen Sie mit Ihrer Bank. Vielleicht ist dies ein Ansatz, der Ihren Bedürfnissen entgegenkommt.

 

Auf Erholung des Aussie-Dollars hoffen

Ich besitze seit 2013 die Obligation 4,125% Rabobank Nederland, Australia Branch, fällig 19.9.2018. Diese habe ich zum Kurs von AUD 0,968 gekauft. Der Kurs heute ist mit AUD 0,7345 angegeben. Soll ich die Obligation rasch verkaufen oder den Verlust aussitzen? Besteht Hoffnung, dass der AUD wieder steigt? R. F.

Für den Entscheid über einen möglichen Verkauf der Anleihe gilt es zwei Aspekte zu beurteilen: einerseits den möglichen Kursverlauf der Obligation, andererseits denjenigen des australischen Dollars. Die australische Tochter der niederländischen Rabobank ist ein guter Schuldner. Seitens der Schuldnerqualität gibt es meines Erachtens keinen Grund, die Anleihe zu verkaufen, zumal Sie eine ansprechende Rendite damit erwirtschaften. Auch kursmässig ist es nicht so, dass Sie das Papier zwingend abstossen müssten.

Weit schwieriger ist die Einschätzung der Währung. Der australische Dollar leidet einerseits unter dem massiven Preisrückgang im Rohstoffsektor. Als eines der wichtigsten Rohstoffförderländer der Welt schlägt die Rohstoffbaisse direkt auf die Währung durch. Andererseits belastet die Abkühlung der Konjunktur in China die Wirtschafts- und Währungsentwicklung in Australien. Zudem hatte die australische Notenbank wie viele andere Notenbanken der Welt die Zinsen gesenkt. All diese Faktoren zusammen haben zu einer Abwertung der australischen Währung beigetragen und Ihnen deutliche Buchverluste bei Ihrer Anleihe beschert. Eine rasche und nachhaltige Erholung in China erwarte ich vorderhand nicht, obwohl die langfristigen Wachstumsaussichten für China und ganz Asien trotzdem gut sind.

Weiter stellt sich die Frage, ob die Rohstoffpreise schon Boden gefunden haben. Da bin ich etwas optimistischer. Sofern sich die Weltwirtschaft auf dem aktuellen Niveau hält, rechne ich nicht mit einem erneuten Einbruch bei Rohstoffnotierungen. Doch auch da ist es unrealistisch, auf eine schnelle Erholung zu hoffen. Ihr ursprüngliches Kaufniveau werden Sie beim Aussie-Dollar bis zum Ablauf der Anleihe wohl kaum erreichen. Immerhin besteht aber eine Chance, dass Sie wenigstens einen Teil der Kursverluste aufholen können, zumal das tiefe Niveau der Währung dem Export Australiens hilft. Es bleibt zwar immer ein Restrisiko, dass die australische Währung noch tiefer sinkt.

Persönlich würde ich aber die Anleihe behalten und darauf hoffen, wenigstens einen Teil der Währungsrückschläge aufzuholen, zumal der Schuldner und die Rendite gut sind.

 

 

 

 

 

1 Kommentar zu «EU-Austritt Grossbritanniens würde Börsen verunsichern»

  • Samy sagt:

    Ich bin dafür , dass England aus der EU aussteigt , es ist ein Königreich .

    Die EU hat nur ELEND in allen europäschischen Staaten gebracht . Politiker sind nicht fähig um das eigene Land zu regieren und stützen sich auf EU rechte ??? DAS VOLK IST DAS LAND UND KULTUR

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