Warum eine höhere Hypothek nur der Bank nützt

Die Hypozinsen sind derzeit extrem tief. Doch wer genügend Erspartes hat, sollte kleinere Investitionen am Haus möglichst selbst finanzieren.

Wie finanziert man die Solarzellen auf dem Dach? Für Hausbesitzer dürfte sich das Aufstocken der Hypothek kaum lohnen. Foto: iStock

Wir besitzen ein Reihenhaus und möchten auf dem Dach eine Solaranlage installieren. Das kostet uns 12’000 Franken. Die Bank rät uns, den Betrag auf 20’000 Franken für weitere Investitionen aufzustocken und zu diesem Zweck eine zusätzliche Hypothek mit 1,44 Prozent Zins aufzunehmen. Unsere Schuld beläuft sich auf rund 500’000 Franken. Wir haben auf der Bank rund 50’000 Franken auf der Seite. Ein Teil ist gesperrt. Wäre es nicht besser, das Ersparte zu nehmen, statt der Bank neue Zinsen zu schenken? T.C.

Sie können eine einfache Rechnung machen: Auf den liquiden Mitteln, die Sie bei der Bank auf mehreren Konten parkiert haben, bekommen Sie aufgrund des historisch tiefen Zinsniveaus praktisch keinen Zins. Auf der Hypothek hingegen müssen Sie der Bank einen Zins bezahlen – rund 300 Franken zusätzlich pro Jahr.

Auch die Hypozinsen sind im historischen Vergleich zwar extrem tief, dennoch kostet Sie die Hypothek. Wenn Sie diese für Ihr Bauvorhaben noch aufstocken, bezahlen Sie einfach mehr Zins. Falls Sie aber die Solaranlage statt mit dem Fremdkapital der Bank aus Ihren Ersparnissen berappen, können Sie sich den zusätzlich Zins von 300 Franken pro Jahr bei der Bank sparen.

Der Vorteil der Hypothek würde aus meiner Sicht lediglich darin liegen, dass Sie Ihren finanziellen Spielraum behalten – etwa für unvorhergesehene Auslagen. Doch auch wenn Sie den Anteil für die Solaranlage aus dem Ersparten bezahlen, haben Sie gemäss Ihren Angaben immer noch einiges an liquiden Mitteln auf der Bank. Ein Teil des Geldes ist in einer steuerbegünstigten Säule 3a bei der Bank blockiert. Mit diesem Geld dürfen Sie daher nicht rechnen.

Die Interessen der Bank und jene von Ihnen müssen nicht zwingend die gleichen sein.

Ich würde mir daher überlegen, wie viel liquide Mittel Sie effektiv brauchen. Falls die Summe angesichts Ihres Lebensstandards problemlos reicht, sehe ich keinen Grund, warum Sie Ihre Hypothek aufstocken sollten. Anders wäre es, wenn unabhängig von der gewünschten Solaranlage ohnehin noch andere dringende Investitionen am Haus umgesetzt werden müssten.

Da dies aber nicht der Fall zu sein scheint, würde ich eher auf eine zusätzliche Hypothek verzichten und die Solaranlage aus dem Ersparten finanzieren – und danach lieber wieder sparen und Ihre Reserven schrittweise wieder erhöhen. Auch die zusätzlichen Zinsen von 300 Franken pro Jahr für die Zusatz-Hypothek, die Sie dann nicht brauchen, könnten Sie gleich auf die Seite legen.

Sie müssen sich immer genau überlegen, was Ihre Bedürfnisse sind. Die Interessen der Bank und jene von Ihnen müssen nicht zwingend die gleichen sein. Denn die Bank will und muss Umsatz machen. Wenn Sie die Hypothek aufstocken, verdient die Bank mehr. Das Geldinstitut hat ein Interesse daran, dass Sie eine höhere Hypothek haben, weil sie so etwas höhere Zinseinnahmen generiert, auch wenn der zusätzliche Betrag nicht riesig ist.

Bei Ihnen sehe ich aufgrund der Hypothekenaufstockung keinen wirklichen Zusatznutzen. Im Gegenteil: Sie sitzen noch auf einer höheren Schuld und bezahlen mehr Zins. Gleichzeitig liegt Ihr Erspartes auf dem Konto ohne Zins brach und verliert aufgrund der Teuerung stetig ein wenig an Wert. Da finde ich es besser, wenn Sie den Betrag für die Solaranlage selbst einschiessen und den Wert Ihres Hauses erhöhen, ohne dass Sie mehr Schulden haben.