Freche Vögel

Krakrah – ein Rabe auf seinem Hochsitz. (Bild: By MaggifixOwn work, CC BY-SA 4.0, Link)

Ein Kind schreit laut auf. Und dann weint und tobt es. Minutenlang. Erst allmählich gelingt es den Eltern, das Mädchen zu besänftigen. Nun stapft Piccola etwas verstört wieder zu uns herüber. Was ist passiert auf der Nachbarsparzelle? Sie habe ihrer neuen Gartenfreundin ein Minipic geschenkt, erzählt Piccola. Offenbar hat diese das angeknabberte Würstchen auf dem Tisch deponiert, um beim Spielen die Hände frei zu haben. Doch dort blieb es nicht lange. Flugs hat ein Rabe sich das Würstchen geschnappt.

Die Mädchen sind entsetzt ob des dreisten Diebstahls. Und fortan beobachten sie die Raben argwöhnisch. Mit gutem Grund, wie wir in den nächsten Wochen erfahren: Beim Picknicken beäugen uns die Raben stets. Sobald wir den Tisch verlassen, sind sie zur Stelle. Einmal stibitzt einer ein halbes Mütschli, ein anderes Mal ein Rädchen Wurst. Mehrfach zerhacken die Vögel den sauber gesammelten Abfall und verstreuen ihn über die halbe Parzelle. Und dies, obwohl der Sack gut versteckt unter einem Stuhl gehangen hat.

Dass wir Erbsen und Mais säen, entgeht den Raben natürlich nicht. Und so picken sie sogleich aus der Erde, was wir liebevoll hineingesteckt haben. Dabei gehen sie stets äusserst geschickt vor. Sie kreisen hoch über dem Garten. Oder sie warten geduldig auf dem Ast eines Baumes. Kaum entfernen wir uns fünf, sechs Meter vom Tisch beziehungsweise vom Beet, steht der Rabe bereits dort.

Gegen die Raben hilft wenig. An Vogelscheuchen sollen sie sich innert kürzester Zeit gewöhnen, hört man. Einzig etwas scheint sie zu stören: Obwohl sie selber ein Riesengekrächze veranstalten, scheuen sie den Lärm. Das entfernte Rauschen der Autobahn hinter dem Wald genügt indes nicht. Und Disco im Schrebergarten liegt nicht drin. Denn die Idylle soll nicht getrübt werden.

Ich bin also machtlos. Beziehungsweise: Ich zähle auf die anderen. Auf die Flugfreaks etwa, die auf dem Viererfeld gleich neben unserem Schrebergarten ihre Drohnen brummen lassen. Oder auf die Jugendlichen, die auf dem Ausgang des Tunnelfluchtstollens oder drüben beim Spielplatz lautstark ihre Gelage abhalten. Und fast wünschte ich mir, dass bald wieder die Stadtnomaden aufkreuzen, um mit kläffenden Hunden und potenten Soundanlagen zum Rechten zu sehen.

3 Kommentare zu «Freche Vögel»

  • Marina Bolzli sagt:

    Bei Mais und Erbsen hilft es auch, die Saat mit einem Netz oder Gitter zu bedecken, bis sie gekeimt hat.

  • Laura Fehlmann sagt:

    Interessant ist, dass Raben offenbar in der Stadt Probleme machen. Vielleicht, weil ein grösseres Nahrungsangebot (Würstchen etc.) vorhanden ist. In meinem sehr ländlichen Garten haben Vögel noch nie Schaden angerichtet.

  • Büchli Yvonne sagt:

    Raben sind hochintelligente Tiere.

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