Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm?

Das Thema Fuchsbandwurm hatte ich mehr oder weniger erfolgreich verdrängt. Ich habe mich sogar von meiner besseren Hälfte dazu überreden lassen, in unserem Beet direkt am Boden Gemüse anzupflanzen. Obwohl die Erzählung einer Nachbarin noch nachhallte: Offenbar hat eine ihrer Kolleginnen beim Gärtnern in der Stadt den Parasit eingefangen.

Am Wochenende erzählte mir dann eine gute Freundin von einer Fuchsfamilie, die in ihrem Garten lebt. Abends, wenn ihr Mann auf der Terrasse raucht, streiche ihm der Fuchs manchmal um die Beine. Zudem schleppe das Tier Kehricht aus anderen Gärten an.

Obwohl die Geschichte sich in der Stadt Thun zugetragen hat, kehrte meine Besorgnis schlagartig zurück. Denn dass auch in der Stadt Bern Füchse leben, ist unbestritten.

Der Fuchs hat längst die Stadt erobert. (Bild: Keystone)

In der Stadt würden sogar mehr Füchse als im Umland leben, sagt Sabine Tschäppeler von Stadtgrün Bern. Die Gefahr, sich beim Urban Gardening mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, sei jedoch nicht grösser als auf dem Land. «Die Füchse in der Stadt fressen vorab Abfall – anstelle der Mäuse, die den Parasiten übertragen.» Ein Risiko bestehe nur bei Früchten und Gemüse, die direkt am Boden wachsen. Doch auch dieses sei klein. «Der Fuchskot mit dem Erreger muss sehr nahe am Gemüse oder an den Früchten sein, damit es zu einer Infizierung kommt.»

Nur wenige mit dem Fuchsbandwurm infizierte Personen entwickelten eine Krankheit, beruhigt Bruno Gottstein, Leiter des Instituts für Parasitologie der Universität Bern. «Bei den meisten infizierten Personen kann der Wurm durch die eigenen Abwehrkräfte zerstört werden.» Was jedoch passiert, wenn dies nicht der Fall ist, das erspare ich Ihnen an dieser Stelle lieber. (Falls Sie es wirklich ganz genau wissen wollen: An dieser und dieser Stelle finden Sie detaillierte Infos.)

Obwohl das Erkrankungsrisiko beim Menschen extrem gering ist, seien in den letzten Jahren die gemeldeten Erkrankungsfälle angestiegen, sagt Bruno Gottstein. So wurden in der Schweiz früher etwa acht Erkrankungsfälle an Menschen pro Jahr erfasst, heute sind es rund dreissig. Genaue Zahlen gibt es indes nicht. Und entsprechend auch keine Angaben zu Fällen in der Stadt Bern.

Doch wie schützt man sich am besten vor dem Fuchsbandwurm? Hier einige Empfehlungen von Bruno Gottstein:

  • Gemüse und Früchte, die direkt am Boden angepflanzt werden, vor dem Zubereiten und Verzehren mehrfach gut waschen.
  • Potenziell kontaminiertes Gemüse und Früchte abkochen.
  • Fernhalten von Füchsen und Hunden von Gartenanlagen (zB. durch Abzäunen).
  • Tierkot, der im Garten gefunden wird, rasch (mit Plastikhandschuhen und Kotsäckchen) entfernen. Anschliessend gründlich die Hände waschen.
  • Kot fachgerecht entsorgen (Kehrichtverbrennung).
  • Mausende Hunde monatlich mit einem wirksamen Medikament gegen den Fuchsbandwurm behandeln.

2 Kommentare zu «Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm?»

  • Astrid Gerken-Soneßon sagt:

    Man verhält sich wie immer… alles abwaschen und normale Hygiene walten lassen ist der beste Schutz – nicht nur vor dem Bandwurm der Füchse, sondern der der Igel, Hunde und Katzen. Die gestiegene Anzahl der Fälle geht u.a. auch darauf zurück, dass man heute einfach mehr untersucht wie früher. Und mein Lieblingsvergleich ist wie folgt: Es gibt im Jahr <30 Erkrankungen am Fuchsbandwurm, aber in Deutschland gab es nach neuesten Zahlen 2016 303 Lottomillionäre … was man sich nun eher "zuzieht" ist wohl klar … 🙂

  • Erika Dietrich-Rizzi sagt:

    Ich möchte hier nur erwähnen, dass nicht nur der Fuchs die Krankheit überträgt, sondern auch Katzen Zwischenwirte werden. Mäuse jagende Hunde gibt es nicht so viele, dass es ein Problem wäre.
    Ein Hund kriegt die Fuchbandwurmkrankheit genauso wie der Mensch, das heisst, die Würmer nisten sich in der Leber ein. was für einen Hund unweigerlich ein Todesurteil bedeutet. (Forschung für eine Heilung ist kaum vorhanden).
    Auch ist die Infektionsrate bei den Hunden extrem gestiegen. (Leider fressen Hunde gerne Katzenkot und Katzen scheiden den Erreger aus!)

    Ich hoffe mit diesen Infos noch etwas zum Blog beigetragen zu haben.
    Meine Labrador Hündin durfte ich mit 3 1/2 Jahren einschläfern, dass ist meine Erfahrung mit dem Fuchsbandwurm

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